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Presseberichte und Photos im Überblick:

Bericht der Landshuter Zeitung über Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur Landshuter Hochzeit am 05.07.2017

Voradventliches Hoagarten

Bericht zur Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur Landshuter Hochzeit 2013

Volkskrankheiten – der Kampf beginnt bereits im Mutterleib

Landshuter Hochzeit: Brille, Säge, Theriak - Medizin um 1475

Landshuter Hochzeit: Referat Dr. Franz Niehoff (aus der Landshuter Zeitung vom 03.07.2009)

Künstliche Ernährung im Alter - Nutzen oder Zwang?

Herzrhythmusstörungen in der Praxis

Beitrag für die LZ: Der Schlaganfall beim Diabetespatienten

Chronische Verstopfung und Darmentleerungsstörung - ein zunehmendes Problem

Aktuelle Therapie des Mammakarzinoms

Herzinsuffizienz: Kooperation von Klinik und Hausarzt

Notfallmedizin und Maßnahmen der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung

Mitgliederversammlung 2008 des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut

Chronische virale Leberentzündungen: Eine häufige Ursache für Leberschädigungen

Behandlung des Bluthochdruckes

Möglichkeiten der medikamentösen Therapie des Typ 2 Diabetes

Der Schlaganfall - die Herausforderung des Jahrzehnts in der Neurologie

Moderne Strategien in der Reproduktionsmedizin bei unerfülltem Kinderwunsch.

Möglichkeiten und Grenzen der Transplantationsmedizin

Moderne Strategien in der Reproduktionsmedizin bei unerfülltem Kinderwunsch.

Bericht über die Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes vom 18.07.2007

Ärztliche Fortbildung über neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie und Therapie des Reizdarmes

Ärztliche Fortbildung über Bewegungsstörungen, Tics, Tremor und Parkinson'sche Krankheit.

Gelenk- und Muskelschmerzen – was ist zu tun?

Chronische Lebererkrankungen: Häufig unerkannt

Multiple Sklerose Therapie 2007: Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven

Früherkennung des Herzinfarktes im EKG und frühzeitige Maßnahmen in der ärztlichen Praxis

Chronische Obstipation – Ursachen, Diagnostik und Behandlung

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen

Supportive Therapie bei Patienten mit malignen Erkrankungen

ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Mitgliederversammlung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut

Männerkrankheiten

Die Schmalkammerkomplextachykardie

Medikamentenabhängigkeit – die heimliche Erkrankung

Diagnostik und aktuelle Therapie des Herpes Zoster

Atemtraining für Patienten mit Asthma oder COPD sinnvoll

Was haben Depression und Schmerz gemeinsam?

Arthritis - "Es ist selten zu früh..."

Impfen eine Chance für die Gesundheit

Stellungnahme des ÄKV Landshut zur Kolumne "Spiritualität im Alltag" von Frau Barbara Reithmayer

Die Behandlung der Beinvenenthrombose mit Blutverdünnungsmitteln

Neue Entwicklungen in der Endoprothetik

Das metabolische Syndrom an Hand eines Fallbeispiels

Ernährung bei Diabetes mellitus: Vom Jäger und Sammler zum Typ II-Diabetiker

Arterielle Hypertonie – eine weit verbreitete Volkskrankheit.

Was gibt es Neues auf dem Gebiet der Schmerzmedikamente?

Wenn einer eine Reise tut... Aktuelles aus der Reisemedizin

Ethiktagung am 27.11.2004 in Straubing

Hauterkrankungen in der täglichen Praxis

Herzinsuffizienz (Herzschwäche) - die häufigste Krankheit des älteren Menschen.

800 Jahre Medizin in Landshut

Borreliose – die Zecken-Infektionskrankheit mit verschiedenen Gesichtern

Bericht der Landshuter Zeitung über Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur Landshuter Hochzeit am 05.07.2017

Den Bericht der Landshuter Zeitung über die Sonderveranstaltung des ÄKV-Landshut anlässlich der LaHo 2017 finden Sie hier zum Herunterladen. (PDF-Datei).

Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur LaHo 201- Collage 1

Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur LaHo 201- Collage 2

07.07.2017

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Ärztlicher Kreisverband Landshut spendet Konzerterlös an den Förderverein des Kinder KH St. Marien in Landshut

Voradventliches Hoagarten 1

Kürzlich übergab der Vorsitzende des ÄKV Landshut Dr. med. Werner Resch den Erlös des voradventlichen Hoagartens, der am 20. November in der Hlg. Kreuzkirche am Hans Carossa Gymnasium Landshut stattgefunden hatte. Der ÄKV Landshut hatte dazu Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie die Bevölkerung herzlich eingeladen. Das Konzert erwies sich als sehr gelungen und erfolgreich, denn die Aula des HCG war bis auf den letzten Platz gefüllt und so konnten viele Gäste den Liedern und dem Spiel der mitwirkenden, namhaften Musikern und den weihnachtlichen Geschichten gelesen von Herrn Dr. Gerhard Liebl aus Niederaichbach zuhören. Die Gruppe Dreiklangaus OBB, die 2/4 Bläseraus Österreich und NdB, die Geschwister Streuleaus Neufahrn (NdB) sowie die Harfenistin Susanne Kaiseraus Landshut gaben ein 2 stündiges Konzert an dessen Schluss alle Anwesenden zu einem Schlussgesang ("Es wird scho glei dumpa") einstimmten. Dafür gab es viel Beifall.

Voradventliches Hoagarten 2

Frau Anneliese Huber, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Freunde und Förderer des Kinderkrankenhauses St. Marien in Landshut e.V." bedankte sich beim ÄKV Landshut für den Scheck von 1400.- Euro und meinte: Sie können sicher sein, dass ihre Spende in vollem Umfang den Bedürfnissen der kleinen Patienten zukommt.Das Geld soll in einen neue Monitoranlage einfließen, die einer zusätzlichen Überwachung von Frühgeborenen und kranken Säuglingen dient.

Voradventliches Hoagarten 3

Voradventliches Hoagarten 4

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Voradventliches Hoagarten 21

Voradventliches Hoagarten 22

Voradventliches Hoagarten 23

04.12.2016

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Bericht zur Sonderveranstaltung des ÄKV Landshut zur Landshuter Hochzeit 2013

Bereits zum 3. Mal hatte der Ärztliche Kreisverband Landshut während der Landshuter Hochzeit die Heilberufler (Apotheker, Ärzte und Zahnärzte) Landshuts und Umgebung zu einer Sonderveranstaltung eingeladen und auch heuer konnte der Vorsitzende Dr. Werner Resch zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Die Veranstaltung fand im Festzelt Goldener Löwe auf der Festwiese statt. Zinkinisten und Posaunisten spielten der Versammlung auf und erklärten nebenbei die Entwicklung ihrer Instrumente. Ein Zauberer zeigte an den vollbesetzten Tischen seine erstaunlichen Kunststücke und verwirrte die Zuschauer, die nicht glauben konnten, was sie sahen bzw. nicht sahen. Ein Turnierritter erschien mit seinen Knappen und dem staunenden Publikum wurde demonstriert, was so ein damaliger Sportsheld alles anziehen musste, um für ein Turnier gewappnet zu sein. Die Reisigen schauten mit den Alt-Reisigen vorbei und sangen aus voller, wenn auch schon manchmal heiserer Kehle ihre schönen Lieder, wobei sie wohl ganz nebenbei einen neuer Landshuter Gesangsrekord aufstellten: Da die gesamte Truppe über 200 Mann stark war, dürfte dies wohl der größte Männerchor gewesen sein, der jemals in Landshut gesungen hat.

Fotocollage 1/3 zur Landshuter Hochzeit 2013

Natürlich war der Höhepunkt der Vortrag von Herrn Dr. Franz Niehoff, dem Leiter der Museen der Stadt Landshut, der den Bogen hin zur Medizin um 1475 spannte. In seinem Vortrag Von der Blödigkeit des Leibes zum Tanz der Skelette wandte er sich den Leibärzten der Reichen Herzöge Ludwig und Georg von Bayern-Landshut zu. Derart standen die Herren des Wissens auf dem Gebiet der Medizin, die damals in der Hofgesellschaft auch in Landshut wichtige Funktionen und vordere Plätze auf den Soldlisten einnahmen, im Mittelpunkt: Von der Blödigkeit des Leibes spielt dabei auf den jämmerlichen Zustand des Brautvaters der Landshuter Hochzeit im Jahr 1475 an, der heute durch seine Sänfte mit performativer Überzeugungskraft zum Ausdruck gelangt. Der Tanz der Skelette bezieht das Ende des Menschen, gar der Welt, als Kontrastmittel ein, erinnert an den Totentanz oder danse macabre wie ihn die Schedelsche Weltchronik unter dem Titel Imago Mortis vor Augen führt. Noch in mittlerem Alter, zwanzig Jahr zuvor, hatte sich Herzog Ludwig als tollkühner Turnierritter gegeben. Ein zeitgenössisches Gedicht rühmt des herczogs stolzen leib. Das medizinhistorische Memento Mori auf den Leib dieses Mächtigsten der drei Reichen Herzöge kann folglich kaum deftiger ausfallen.

Fotocollage 2/3 zur Landshuter Hochzeit 2013

Der Leib des Menschen und erst recht der des Fürsten ist sein höchster Schatz. Seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert mehren sich Nachrichten über Leibärzte, auch im bayerischen Landshut. Was Reichsfürsten und ihre Frauen im Spätmittelalter für ihre Gesunderhaltung und Lebenssicherung unternehmen, das ist ein weites Feld und bezieht rund um den Schatz des Körpers auch schichtenspezifische Verhaltensweisen ein. Der Vortragende machte mit einer Gruppe von Apothekern, Leibärzten und Professoren der medizinischen Fakultät Ingolstadt rund um den von Gicht geplagten und augenschwachen, übergewichtigen und lebergeschädigten Ludwig den Reichen bekannt. In diesem Kontext kam der Gründung der Universität in Ingolstadt im Jahre 1472 eine wichtige Rolle zu: Die Internationalisierung und die Innovationsrate von Bayern-Landshut erfuhr hierdurch wichtige Impulse.

Fotocollage 3/3 zur Landshuter Hochzeit 2013

Im weiteren Verlauf kamen das Brautpaar der Landshuter Hochzeit, Hedwig und Georg, sowie mehrere Gäste dieses epochalen Fürstenfestes aus der Perspektive der höfischen Krankheiten zur Sprache. Zuweilen spielt Alkohol, dann zu viel Fett und wenig Bewegung eine große Rolle: Mit deren Folgen waren in Landshut Dr. Heinrich Zollner, von seinen Bekannten Schweinsohr genannt, Meister Abraham, Hans von Bayreuth, Ulrich Roß, Meister Hans Jung von Ulm oder Meister Bartholomäus Mettlinger, zumeist Doktoren der Arznei, und viele andere beschäftigt. Darüber hinaus kamen auch die Poetereien und Horoskope von Johannes Lichtenberg (Reichsterndeuter) und Erhard Windsperger zur Sprache: Windspergers düsterer Nativität mit der Vorhersage des baldigen Todes von Herzog Ludwig war keine ganz so gute Resonanz bei Hofe beschieden. Dr. Johannes Trost, der in Landshut hoch gelobte Leibarzt des Herzogs, nahm in der Stadtgesellschaft eine anerkannte Rolle ein. Sein Wappen fand gar Aufnahme in den Wappenhimmel von St. Martin.

Der von launigen Sentenzen durchsetzte Vortrag nahm den Ort auf dem Festplatz als Sprungbrett spielerisch auf: So kamen dynastischer Erwartungsdruck und die Nachkommensorge, Badereisen und Erlebnisbäder in originalen Quellen wie Privatbriefen und Spottepigrammen lebendig zur Sprache. Insgesamt generierten die Überlegungen eine Perspektive auch für die Ärzte von heute! Besonders dann, wenn dramaturgisch angemessene Überlegungen zur Authentizität einer Inszenierung von Rang, Rolle und Funktion ehemaliger Leibärzte und Professoren der Universität mit der Überzeugungskraft des Geschichtstheaters von heute verknüpft werden könnten.

17.07.2013

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Volkskrankheiten – der Kampf beginnt bereits im Mutterleib Achdorfer Gynäkologenchef berichtet vor dem Ärztlichen Kreisverband

Vor kurzem tagte der Ärztliche Kreisverband Landshut vor 110 niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten aller Fachdisziplinen erstmals nach der Sommerpause. Eingeladener Gastredner war der Chefarzt der Frauenklinik des Krankenhauses Landshut-Achdorf, Prof. Dr. Thorsten Fischer. Der Achdorfer Experte klärte in einer spannenden und hochaktuellen Übersicht die Frage, ob die Entwicklung von Krankheiten im Erwachsenenalter bereits durch äußere Einflüsse im Mutterleib geprägt werde.

Professor Dr. Thorsten Fischer, Chefarzt der Achdorfer Frauenklinik
Prof. Dr. med. H. Wollschläger

Selbst das Brustkrebsrisiko verdoppelt sich, wenn Kinder bei der Geburt besonders schwer beziehungsweise besonders leicht sind. Darüber hinaus hängt das Risiko von Gebärmutterkrebs und Brustkrebs vom späteren Körpergewicht ab und ist bei übergewichtigen Frauen erhöht.

"Viele dieser wichtigen Fragen und besonders ihre Antworten waren noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt", erklärte Fischer. Inzwischen ist gesichert, dass so genannte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder andere Krankheiten wie bösartige Tumorleiden bereits im Mutterleib geprägt werden können. Beispielsweise haben leichte Neugeborene unter 2500 Gramm Geburtsgewicht und besonders schwere Kinder mit über 4000 Gramm Geburtsgewicht im Erwachsenenalter deutlich häufiger eine Zuckerkrankheiten als Gleichaltrige mit normalem Geburtsgewicht. Auch der Bluthochdruck im Erwachsenenalter tritt häufiger auf, wenn das Geburtsgewicht auffällig niedrig war. "Wir müssen erkennen, dass Krankheiten und körperliche Beschwerden nicht mehr isoliert zu betrachten sind, sondern sich gegenseitig beeinflussen", so Prof. Fischer.

"Viele Krankheiten werden nicht nur durch eine ungünstige Lebensweise oder genetische Veranlagungen beeinflusst, sondern haben ihre erste Prägung bereits im Mutterleib durch Ernährungs-, Wachstums- oder hormonelle Einflüsse. Wir sind erst am Anfang, die Zusammenhänge zu entschlüsseln", informierte Prof. Fischer.

Die Erfahrung zeige aber auch, dass glücklicherweise die meisten Kinder in Deutschland bei der Geburt normalgewichtig sind und auch keinen ungünstigen intrauterinen Einflüssen, d.h. negativen Einwirkungen im Mutterleib, ausgesetzt waren. "Der gemeinsame Ehrgeiz aller medizinischen Fachdisziplinen liegt in der Reduktion von Herz-Kreislaufkrankheiten und von bösartigen Tumorerkrankungen; und damit müsse bereits im Mutterleib begonnen werden", resümiert der Achdorfer Gynäkologie-Experte.

01.10.2009

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Landshuter Hochzeit: Referat Dr. Franz Niehoff (aus der Landshuter Zeitung vom 03.07.2009)
Von Theriak, Brillen und Sägen (von Stefanie Platzek)

Der Stand der Medizin um 1475 beruhte auf Irrtümern. "Wunderheiler und Quacksalber, Scharlatane und Zahnbrecher im fahrenden Volk wurden durch frühe Verkaufsvertreter von Arzneimitteln ergänzt", sagte Dr. Franz Niehoff, Museumsleiter der Stadt. Sie hätten große Feste wie die Landshuter Hochzeit zum Anlass genommen, ihre Künste anzubieten. Niehoff sprach am Mittwochabend im Festzelt auf dem Zehrplatz auf Einladung durch den Ärztlichen Kreisverband Landshut vor Ärzten, Apothekern und Zahnärzten zum Thema "Theriak, Brillen und Sägen - Medizin um 1475".

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"Vom Stand der Medizin 1475 zu berichten, bedeutet, vom erreichten Stand der Irrtümer zu berichten", erklärte Niehoff. Aufbauend auf Hippokrates hatte der römische Arzt Galen die Viersäftelehre zu ersten Anfängen einer wissenschaftlichen Medizin geführt. Als Zeichen der studierten Ärzteschaft habe die Urinbeschau gegolten. Für den spätmittelalterlichen Arzt war das laut Niehoff das wichtigste diagnostische Verfahren. Der Harn wurde nach Farbe, Schwemmteilchen, Bodensatz, Konsistenz sowie nach Geruch und Geschmack beurteilt. Ein weiteres zentrales therapeutisches Verfahren sei der Aderlass gewesen. "Wir befinden uns im Zeitraum vor der Ent deckung des Blutkreislaufes", erklärte der Kunsthistoriker. "Heute gibt es unzählige Medikamente, der Handel mit sogenannten Heilmitteln war im Mittelalter dagegen ein überschaubares Feld", sagte Niehoff. Eines der angesehensten Heilmittel sei der "Theriak" gewesen, eine Mischung, die Opium und getrocknetes Vipernfleisch enthielt. Die Zusammensetzung sei einerseits ein wohlgehütetes Geheimnis, andererseits ein Experimentierfeld und eine ständige Herausforderung zur Herstellung gefälschter Präparate gewesen. Deshalb hätten Stadtärzte das Mittel regelmäßig kontrolliert.

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In seinem Vortrag räumte Niehoff mit der Vorstellung auf, dass es zur Zeit der Landshuter Hochzeit keine Brillen gegeben habe: "Darstellungen von Brillen gibt es mindestens seit dem 14. Jahrhundert, die Existenz dieses Hilfsmittels ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt." Zu Beginn des 14. Jahrhunderts habe ein Gesandter der Stadt Padua am österreichischen Hof für Aufsehen gesorgt, weil er eine Brille auf der Nase getragen habe. Nürnberger Kaufleute trieben laut Niehoff offenbar mit Brillen einen regen Handel. Für das Jahr 1457 belegt das römische Zollregister 2700 Brillen, importiert in drei Lieferungen durch deutsche Kaufleute. In Nürnberg ist 1478 ein "parillenmacher" bezeugt, 1535 gab es dort eine Brillenmacherzunft.

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Im dritten Teil seines Vortrags kam Niehoff zur "Säge". Mit dem bekanntesten Gast der Landshuter Hochzeit verbinde sich etwas medizinepisodisch Spektakuläres, sagte er. Am 8. Juni 1493 musste sich Kaiser Friedrich III. in Linz der Amputation seines Unterschenkels unterziehen. Am linken Bein des 78-Jährigen war Altersbrand aufgetreten. Von dieser Operation gibt es einen schriftlichen Bericht des Arztes Hans Suff von Göttingen. Laut dessen Aufzeichnungen waren sechs Ärzte beteiligt, darunter Meister Heinrich Pflaundorfer aus Landshut. Der bereits schwarz angelaufene Fuß sei oberhalb des Knöchels abgesägt worden. Der Kaiser erholte sich von der Operation, starb jedoch am 19. August desselben Jahres, sagte Niehoff. Nach Angaben des Chronisten Joseph Grünpeck starb der Kaiser nach dem Genuss von Melonen. "Es ist durchaus möglich, dass eine daraus resultierende Verdauungsstörung einen Schlaganfall auslöste", sagte Niehoff. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass der Kaiser an Alterszucker starb.

03.07.2009 - Stefanie Platzek, Landshuter Zeitung

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Landshuter Hochzeit: Brille, Säge, Theriak - Medizin um 1475

Eine Stadt spielt Mittelalter. - 1475 - Von einem großen Hochzeitsfest, dessen Glanz bis in unsere Gegenwart hereinstrahlt, berichten die Chronisten dieser Zeit. Der niederbayerische Herzogssohn - Georg der Reiche - heiratet die Tochter des polnischen Königs Kasimir IV - Hedwig, in Polen auch Jadwiga genannt. Alles was im Kaiserreich Rang und Namen hat, sitzt einträchtig beieinander: Kaiser Friedrich der III - sein Sohn Maximilian, später "der letzte Ritter" genannt - der Bruder des türkischen Kaisers - Herzog Sigmund von Österreich - Pfalzgraf Phillipp aus Amberg, der Schwager des Bräutigams - die Herzöge Otto und Johann von Neumarkt - Markgraf Albrecht genannt Achilles, Kurfürst von Brandenburg - die Grafen Ulrich und Eberhard von Württemberg - die bayerischen Herzöge Albrecht, Christoph und Wolfgang, die Münchner Verwandtschaft also - der Erzbischof von Salzburg - die Bischöfe von Bamberg, Eichstätt, Augsburg, Freising und Passau - Vertreter der Reichsstädte und - polnischer Adel. - Fürsten, Edelleute, Ritter und Knappen. 9000 Pferde sind in der Stadt, 1100 Pfeiffer, Trommler und viele andere Musikanten spilen auf zum Fest. Überall blitzt es von Gold und Edelsteinen.

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Aber auch das Volk ist eingeladen mitzufeiern - hunderte Ochsen und Kälber, Schweine und Schafe, tausende Gänse und Hühner werden verzehrt und mit unzähligen Eimern Wein hinuntergespült. Eine Woche zechfrei für die Bürger! Nach einem Gebot Herzog Ludwigs durfte während der Festwoche kein Wirt von den Gästen oder Stadtbewohnern Geld für Essen und Trinken verlangen.

Heute ist das, wie Sie wissen, alles ganz anders...

Liebe Apothekerinnen und Apotheker, liebe Zahnärztinnen und Zahnärzte, liebe Kolleginnen und Kollegen der Heilkunst, liebe Gäste.

Als Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut begrüße ich Sie alle sehr herzlich und freue mich über die außerordentlich große Resonanz, die unsere Einladung ausgelöst hat. Am heutigen Abend teilzunehmen und mitzufeiern heißt für uns alle, auch ein kleines Fenster aufzustoßen und Einblick zu nehmen in die große Zeit Landshuts aber auch in eine Zeit des Umbruchs an der Wende vom ausklingenden Mittelalter zum Beginn der Neuzeit.

Mit Ihnen allen begrüße ich besonders: Herrn Dr. Helmut Müller, den Vorsitzenden des Ärztlichen Bezirksverbandes Niederbayern, von dem die heutige Fortbildung finanziell unterstützt wird und natürlich die Hauptperson des heutigen Abends: Herrn Dr. Franz Niehoff, den Leiter der städt. Museen der Stadt Landshut, der als bekannt exzellenter Rhetoriker und fundierter Kenner der Landshuter Kulturgeschichte heute zu uns sprechen wird. Er ist auch bekannt für seine sehr interessant gestalteten Ausstellungen in der Stadt. Erst vorige Woche wurde seine neueste Kreation vorgestellt: "Ritterwelten im Spätmittelalter" die Sie, nebenbei bemerkt, alle besuchen sollten. Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende September 2009 in der Heiliggeistkirche in Landshut täglich von 10 bis 18 Uhr (mein Tipp: warten Sie, bis die LaHo vorbei ist oder gehen Sie unter der Woche dorthin, dann sehen Sie auch die Turnierrüstungen - oder noch besser, machen Sie eine Führung mit Dr. Niehoff). Grüß Gott Herr Dr. Niehoff.

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Wenn sie, verehrte Gäste, den Hochzeitszug schon einmal gesehen haben, ist Ihnen bestimmt eine gewichtige Figur aufgefallen - ein älterer Herr von damals 58 Jahren, der schmerzgeplagt in einer von zwei kräftigen Rössern getragenen Sänfte sitzt. Er ist einer der mächtigsten, wichtigsten und auch reichsten Männer seiner Zeit, einer der großen Wittelsbacher, Herzog von Bayern-Landshut, Pfalzgraf bei Rhein usw. usw. Er gibt Niederbayern sein erstes Rechtsbuch - die Landesordnung - und er gründet 1472 - 3 Jahre vor dem Fest - in Ingolstadt die erste bayerische Universität, die später über Landshut nach München zieht. Es ist der Vater des Bräutigams der Landshuter Hochzeit: Ludwig der Reiche, ein typischer Fürst der damaligen Zeit, aufbrausend, jähzornig, übergewichtig. Ihn plagt das Zimperlein, die Podagra sticht wie mit Nadeln an den Füßen, die Gonagra lässt die Kniegelenke schmerzhaft anschwellen. Es ist die Gicht, eines der unter den reichen Königs- und Fürstenhäusern Europas am häufigsten vorkommendes Leiden.

Ja, liebe Pharmazeuten, Apotheker, Zahnärzte und Ärzte unter uns - mit unserem heutigen Wissen über den Gebrauch von Colchicin, dem Gift der Herbstzeitlose, über Diclofenac oder Allopurinol - auf Wanderschaft von Fürstenhof zu Fürstenhof hätte man sich eine goldene Nase verdienen können...

Heute dagegen müssen wir uns mit DMPs und DRGs, mit EBMs und RLVs herumschlagen...

Vortrag Dr. Niehoff (siehe Bericht der LZ)
Vielen Dank, verehrter Herr Dr. Niehoff für Ihre sehr interessanten und amüsanten Ausführungen. Wir wollen Ihnen diesen Dank auf typische Landshuter Weise bezeugen und Ihnen zur Erinnerung an den heutigen Abend drei kleine Geschenke überreichen:

Ein von zarter Hand geflochtenes Kränzchen aus Buchs, einem immergrünen Gewächs, das generell als Zeichen der Liebe, Treue und Freundschaft gedeutet wird und das in Landshut seit über hundert Jahren als ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung gereicht wird - für Sie als Geniesser - wie ich mir habe sagen lassen - eine Kiste roten Weines, die Sie sich, wenn der ganze Hochzeitsstress vorbei ist, munden lassen sollen. Keine Angst, er stammt nicht von den früheren Landshuter Weinbergen - so lokalpatriotisch wollen wir dann doch nicht sein und einem kräftigen "Himmel Landshut" - (Tausend Landshut) - "Himmel Landshut" - (Tausend Landshut) - "Himmel Landshut" - (Tausend Landshut ) - "Halloooooo" - Vielen Dank!

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Ich möchte mich bei allen im Hintergrund gebliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des heutigen Abends, insbesondere bei Herrn Kollegen Dr. Timmer recht herzlich für ihr Engagement bedanken, ohne das eine Veranstaltung in diesem großen Rahmen nicht möglich gewesen wäre. Herzlichen Dank.

03.07.2009

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Landshuter Hochzeit: Referat Dr. Franz Niehoff (aus der Landshuter Zeitung vom 03.07.2009)
Von Theriak, Brillen und Sägen (von Stefanie Platzek)

Der Stand der Medizin um 1475 beruhte auf Irrtümern. "Wunderheiler und Quacksalber, Scharlatane und Zahnbrecher im fahrenden Volk wurden durch frühe Verkaufsvertreter von Arzneimitteln ergänzt", sagte Dr. Franz Niehoff, Museumsleiter der Stadt. Sie hätten große Feste wie die Landshuter Hochzeit zum Anlass genommen, ihre Künste anzubieten. Niehoff sprach am Mittwochabend im Festzelt auf dem Zehrplatz auf Einladung durch den Ärztlichen Kreisverband Landshut vor Ärzten, Apothekern und Zahnärzten zum Thema "Theriak, Brillen und Sägen - Medizin um 1475".

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"Vom Stand der Medizin 1475 zu berichten, bedeutet, vom erreichten Stand der Irrtümer zu berichten", erklärte Niehoff. Aufbauend auf Hippokrates hatte der römische Arzt Galen die Viersäftelehre zu ersten Anfängen einer wissenschaftlichen Medizin geführt. Als Zeichen der studierten Ärzteschaft habe die Urinbeschau gegolten. Für den spätmittelalterlichen Arzt war das laut Niehoff das wichtigste diagnostische Verfahren. Der Harn wurde nach Farbe, Schwemmteilchen, Bodensatz, Konsistenz sowie nach Geruch und Geschmack beurteilt. Ein weiteres zentrales therapeutisches Verfahren sei der Aderlass gewesen. "Wir befinden uns im Zeitraum vor der Ent deckung des Blutkreislaufes", erklärte der Kunsthistoriker. "Heute gibt es unzählige Medikamente, der Handel mit sogenannten Heilmitteln war im Mittelalter dagegen ein überschaubares Feld", sagte Niehoff. Eines der angesehensten Heilmittel sei der "Theriak" gewesen, eine Mischung, die Opium und getrocknetes Vipernfleisch enthielt. Die Zusammensetzung sei einerseits ein wohlgehütetes Geheimnis, andererseits ein Experimentierfeld und eine ständige Herausforderung zur Herstellung gefälschter Präparate gewesen. Deshalb hätten Stadtärzte das Mittel regelmäßig kontrolliert.

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In seinem Vortrag räumte Niehoff mit der Vorstellung auf, dass es zur Zeit der Landshuter Hochzeit keine Brillen gegeben habe: "Darstellungen von Brillen gibt es mindestens seit dem 14. Jahrhundert, die Existenz dieses Hilfsmittels ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt." Zu Beginn des 14. Jahrhunderts habe ein Gesandter der Stadt Padua am österreichischen Hof für Aufsehen gesorgt, weil er eine Brille auf der Nase getragen habe. Nürnberger Kaufleute trieben laut Niehoff offenbar mit Brillen einen regen Handel. Für das Jahr 1457 belegt das römische Zollregister 2700 Brillen, importiert in drei Lieferungen durch deutsche Kaufleute. In Nürnberg ist 1478 ein "parillenmacher" bezeugt, 1535 gab es dort eine Brillenmacherzunft.

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Im dritten Teil seines Vortrags kam Niehoff zur "Säge". Mit dem bekanntesten Gast der Landshuter Hochzeit verbinde sich etwas medizinepisodisch Spektakuläres, sagte er. Am 8. Juni 1493 musste sich Kaiser Friedrich III. in Linz der Amputation seines Unterschenkels unterziehen. Am linken Bein des 78-Jährigen war Altersbrand aufgetreten. Von dieser Operation gibt es einen schriftlichen Bericht des Arztes Hans Suff von Göttingen. Laut dessen Aufzeichnungen waren sechs Ärzte beteiligt, darunter Meister Heinrich Pflaundorfer aus Landshut. Der bereits schwarz angelaufene Fuß sei oberhalb des Knöchels abgesägt worden. Der Kaiser erholte sich von der Operation, starb jedoch am 19. August desselben Jahres, sagte Niehoff. Nach Angaben des Chronisten Joseph Grünpeck starb der Kaiser nach dem Genuss von Melonen. "Es ist durchaus möglich, dass eine daraus resultierende Verdauungsstörung einen Schlaganfall auslöste", sagte Niehoff. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass der Kaiser an Alterszucker starb.

03.07.2009 - Stefanie Platzek, Landshuter Zeitung

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Künstliche Ernährung im Alter - Nutzen oder Zwang?
Fortbildung im Ärztlichen Kreisverband Landshut zu ethischen Fragen der künstlichen Ernährung im Alter.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 140 000 künstliche Ernährungssonden angelegt. 70% der Betroffenen leben im Altenheim, die Hälfte von ihnen leiden an einer Demenz.

Weit über 100 Zuhörer kamen zur monatlichen Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes im April zum Thema "Die künstliche Ernährung des geriatrischen Patienten" in den Bernlochner Saal. Dr. Klaus Timmer, Internist und Geriater, Chefarzt an der Schlossklinik in Rottenburg informierte über die medizinischen Grundlagen und die ethisch rechtlichen Fragestellungen, die sich in diesem Problemfeld ergeben. Bedingt durch die biologische Entwicklung des älteren Menschen und durch Krankheits- und Abbauprozesse ergibt sich im zunehmenden Lebensalter sehr häufig das Problem einer Mangelernährung. Ursachen hierfür können Folgen eines Schlaganfalls wie Schluckstörungen oder Lähmungen sein. Häufig spielen ein schlechter Zahnstatus, Veränderungen der Mundschleimhaut, Medikamentennebenwirkungen oder auch psychische Störungen wie Depressionen oder eine Demenz und soziale Vereinsamung eine wesentliche Rolle. Immer wieder stehen Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte vor der Frage: ist bei unzureichender Ernährung im Alter eine künstliche Ernährung notwendig, ist eine durch den Bauch in den Magen eingebrachte Ernährungssonde notwendig und vertretbar?

Die Frage nach einer künstlichen Ernährung beim alten Menschen lässt sich nicht eindeutig mit "ja" oder "nein" beantworten. Oft besteht für Pflegende und Angehörige der Konflikt und die Angst, jemanden "verhungern zu lassen". In dieser Situation ist es hilfreich, klare Kriterien für die richtige Entscheidung zu haben. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine künstliche Ernährung z.B. in einem weit fortgeschrittenen Stadium einer Demenz weder lebensverlängernd, noch positiv auf die Lebensqualität wirksam. Viel mehr ist in diesem Erkrankungsstadium zu akzeptieren, was ein Mensch aus eigenem Antrieb an Speisen und Getränken zu sich nimmt, wenn ihm die entsprechende menschliche Zuwendung gewährt wird, auch wenn dies aus Sicht der Gesunden häufig nicht ausreichend ist.

Bei Schlaganfallpatienten mit einer Schlucklähmung hilft oft ein standardisiertes Vorgehen gepaart mit moderner videogestützter endoskopischer Schluckdiagnostik um zu entscheiden, wie eine ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten ist. Die grundlegende Problematik bei all diesen Fragestellungen liegt allerdings weniger im medizinischen-diagnostischen Bereich, als viel mehr im ethisch-rechtlichen Bereich.

Dr. Timmer betonte, dass eine zeitgemäße Altersmedizin alle diese Aspekte, sowohl die medizinisch - rehabilitativen, wie auch die sozialen und ethisch-rechtlichen berücksichtigen müsse. Er stellte die derzeit im Bundestag diskutierten Ansätze zur Patientenverfügung und Patientenselbstbestimmung vor, die von den Bundestagsabgeordneten Stünker, Bosbach und Zöller vertreten werden. Abschließend betont er, dass es prinzipiell für jeden Menschen sinnvoll sei, eine detaillierte Patientenverfügung abzufassen. Dies enthebe aber die Ärzteschaft nicht davon, sich in Grenzsituationen verantwortlich um ein ethisch vertretbares Handeln zu bemühen. Eine Richtlinie hierfür können auch heute noch die vier Säulen der Medizin, so wie sie Paracelsus formuliert hat, sein: die Vernunft, der Instinkt, die Magie und die Barmherzigkeit.

28.05.2009

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Herzrhythmusstörungen in der Praxis

Im Rahmen der regelmässigen Fortbildungsreihe des "Ärztliches Kreisverbandes Landshut" referierte am 25.03.09 Herr PD Dr. med. Bernhard Zrenner, der neue kardiologische Chefarzt am Krankenhaus Landshut Achdorf, vor zahlreich versammelten Ärztinnen und Ärzten über das Thema "Herzrhythmusstörungen". Die Diagnose von Herzrhythmusstörungen ist einfach, sie lassen sich leicht im EKG oder im Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden nachweisen. Erst danach wird es schwieriger, haben die Rhythmusstörungen doch ganz verschiedene Ursachen und Auswirkungen auf die Funktion von Herz und Kreislauf. Es muss auch differenziert werden, ob eine Rhythmusstörung harmlos ist und belassen werden kann oder ob sie therapiert werden muss. Dabei stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung: Medikamente, Elektrolyte, hochtechnische Herzschrittmachersysteme mit automatischen Defibrillatoren oder die Beseitigung der Rhythmusstörungen durch einen elektrophysiologischen Eingriff. Bei diesem Eingriff werden Strukturen- oder Leitungsbahnen im inneren des Herzens mit Sonden aufgesucht, die von außen über die Gefäße ins Herz vorgeschoben werden. Dann wird über diese Sonden ein inneres EKG abgeleitet. Wenn die entsprechende Struktur an der Innenseite des Herzens, die die Rhythmusstörungen auslöst oder begünstigt, aufgefunden ist, kann sie dann punktförmig über den Katheter verödet werden. Im Idealfall sind die Rhythmusstörung oder das Herzrasen dann beseitigt.

PD Dr. med. Bernhard Zrenner
PD Dr. med. Bernhard Zrenner

Diese hochkomplizierten und technisch aufwendigen Methoden sind für Ärzte, die sich nicht speziell mit dieser Materie beschäftigen, nicht immer leicht zu verstehen. Sie erfordern eine langjährige und sorgfältige Ausbildung auf diesem Fachgebiet in kardiologischen Zentren, verbunden auch mit wissenschaftlicher Forschung. Rhythmusstörungen sind weit verbreitet und meist harmlos, aber nicht immer. Manchmal können sie potentiell auch gefährlich und lebensbedrohlich sein und zum plötzlichen Herztod führen. Fast immer sind sie verbunden mit stärkeren Ängsten und einer starken Beeinträchtigung des Wohlbefindens beim Patienten, auch wenn sie harmlos sind. Mit den modernen Methoden der Elektrophysiologie und mit hochspezialisierten Herzschrittmachersystemen ist heute eine entscheidende bessere und ursächliche Therapie auch in schwierigen Fällen und bei fortgeschrittener Herzkrankheit möglich.

PD Dr. med. Zrenner, ein Experte auf diesem Gebiet, gelang es während des Vortages, sein kompetentes Wissen und die Möglichkeiten der modernen Rhythmologie in Grundzügen an seine Kollegen weiter zu geben. Im Anschluß konnte Dr. med. Zrenner zahlreiche Fragen seiner Zuhörer beantworten und vermitteln, dass die invasive Behandlung von Rhythmusstörungen bei ihm jetzt auch in Landshut möglich ist.

10.04.2009

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Beitrag für die LZ: Der Schlaganfall beim Diabetespatienten

Der Diabetes mellitus entwickelt sich zu einer lawinenartigen Epidemie. Gegenwärtig sind 6 Millionen Bundesbürger davon betroffen. Mit einer Verdoppelung wird bis 2025 gerechnet. An Schlaganfall erkranken wiederum jährlich 200.000 Patienten in Deutschland. Er ist die am häufigsten mit bleibender Behinderung einhergehende Erkrankung. Schlaganfall und Diabetes stehen in einem engen Zusammenhang, den Prof. Heckmann in seinem Referat im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung des ärztlichen Kreisverbandes Landshut am 11.2.2009, näher aufzeigte.

Prof. Dr. med. Heckmann
Prof. Dr. Heckmann

Allgemein erhöht der Diabetes mellitus das Schlaganfallrisiko auf das zwei- bis vierfache, und bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit einem ersten Schlaganfallereignis wird eine bisher nicht bekannte Zuckerstoffwechselstörung oder sogar ein manifester Diabetes festgestellt. Beide Erkrankungen bedürfen immer einer fachübergreifenden Diagnostik und Therapie. Schlaganfallpatienten mit Diabetes erfordern eine längere Akutbehandlung, weisen eine erhöhte Sterblichkeit auf und erholen sich weniger gut. Ein Problem ist, dass sich bereits in der Frühphase der Zuckerkrankheit deutliche Gefäßveränderungen zeigen, wobei auch entzündliche Faktoren eine Rolle spielen. Zu diesem Zeitpunkt können bereits die laborchemischen Untersuchungen auf Mikroalbumin im Urin und die Bestimmung der Gefäßwanddicke der Halsgefäße mit Ultraschall hilfreich sein.

Die Schlaganfalltherapie hat sich, so Dr. Heckmann, in den letzten 15 Jahren in Deutschland substantiell verbessert. Dies liegt neben der Einführung von spezifischen Behandlungsmöglichkeiten wie medikamentöser Auflösung eines Gerinnsels vor allem an der Einführung von Stroke Unit´s. Seit 1. Juli 2008 ist eine derartige Stroke Unit mit sechs Behandlungsplätzen auch am Landshuter Klinikum angesiedelt. So ist es möglich, Schlaganfallpatienten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche kompetent und umfassend zu diagnostizieren und zu behandeln.

In der Akutbehandlung des diabetischen Schlaganfallpatienten sind Besonderheiten wie Unterzuckerungen, Infektionen der Atem- und Harnwege sowie Regulationsstörungen des vegetativen Nervensystems zu berücksichtigen. Durch Schlaganfall-Befunde wie Schluckstörung, Neuropathie, Halbseitenlähmung, Sehstörung, Depression, Bewusstseinsstörungen und kognitive Einbußen ist die Diabetesbehandlung erschwert. Prinzipiell gelten jedoch für den Diabetespatienten die gleichen Richtlinien zur modernen Schlaganfallbehandlung wie für Patienten ohne Diabetes. Dr. Heckmann hebt in seinem Referat die Bedeutung des Konzeptes der Schlaganfallbehandlung auf einer Stroke Unit hervor, damit sich Patienten bestmöglich von dieser Erkrankung erholen. Bestandteil dieses Behandlungsansatzes ist es zudem, mit wissenschaftlich belegten Methoden, die Ursache des Schlaganfalls herauszuarbeiten und stratifiziert eine medikamentöse Prävention weiterer Schlaganfallereignisse in die Wege zu leiten. Dabei gilt es aber immer auch, Maßnahmen zur Korrektur des Lebensstils zu berücksichtigen, d. h. Übergewicht zu reduzieren, auf reichlich Bewegung zu achten und mit Blick auf Alkohol und Ernährung Maß zu halten. Berücksichtigt man eine unlängst im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie aus Hessen zum Auftreten von Schlaganfallerkrankungen in den nächsten Jahrzehnten, so muss mit einer Zunahme um 50 Prozent bis 2050 gerechnet werden. Dr. Heckmann unterstreicht, dass es daher außerordentlich wichtig ist, Versorgungsstrukturen und Konzepte zu schaffen, um der Aufgabe und den Umfang der Schlaganfallversorgung in den nächsten Jahren optimal gerecht zu werden. Der Schritt, am Landshuter Klinikum eine Stroke Unit zu implementieren, ist daher unbedingt zu bejahen.

18.02.2009

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Chronische Verstopfung und Darmentleerungsstörung - ein zunehmendes Problem

Nahezu jeder vierte Deutsche wird von Darmbeschwerden geplagt. Im Alter nehmen diese Probleme zu und Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Verstopfung (Obstipation) ist durch veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu einem Zivilisationsübel geworden und gehört zu den häufigsten Darmstörungen. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung meint, an Darmträgheit zu leiden. Viele greifen deshalb voreilig zu Abführmitteln. Schuld daran sind häufig falsche Vorstellungen darüber, wie oft der Darm entleert werden muß. Tägliche "Sitzungen" sind kein Muß. Dreimal wöchentlich kann genauso normal sein wie zwei- bis dreimal täglich. Dabei ist unsere moderne Lebensweise mit der von Naturvölkern kaum noch zu vergleichen. Faserreiche Nahrungsmittel werden durch verfeinerte Kost - wie z. B. fein gemahlenes Brot, Süßigkeiten, Fett, Fleisch und Käse - ersetzt. Ballaststoffe sind aber kein unnützer Ballast - ganz im Gegenteil! Es sind vielmehr natürliche Quell- und Füllstoffe, die im Darm Wasser binden und dabei helfen, die Stuhlmenge zu erhöhen. Dadurch werden die Darmbewegung gefördert und die Stuhlentleerung erleichtert. Das macht sie zu einem der wirksamsten Heil- und Vorsorgemittel gegen Verstopfung und deren Folgeerkrankungen. Ballaststoffe sind vor allem reichlich in Vollkornprodukten (Vollkorn-, Leinsamen- und Knäckebrot, Vollkornmehl, Vollkornteigwaren, Naturreis), aber auch in Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Obst (vor allem Beerenobst) und Gemüse enthalten. Wichtig ist, sich Zeit für den Gang zur Toilette zu nehmen, denn Stuhlgang kann "erzogen" werden. Das Signal zur Stuhlentleerung sollte in jedem Fall wahrgenommen werden. Und vermehrt körperliche Aktivität bringt die untätige Verdauung ebenfalls wieder in Schwung.

Prof. Dr. med. Johannes Schmidt
Prof. Dr. med. Johannes Schmidt

Es gibt aber auch Menschen, die trotz "gesunder" Lebensweise unter Verstopfung leiden. Sie berichten häufig über ein Fremdkörpergefühl im Enddarm, über unverhältnismäßig starkes Pressen beim Stuhlgang, manchmal sogar über die Unfähigkeit, den Stuhl zu halten. Nicht selten ist es sogar erforderlich, mit den Fingern nachzuhelfen. In solchen Fällen kann eine Darmentleerungsstörung vorliegen, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Hierzu gibt es spezielle Enddarmsprechstunden, die von derart Betroffenen in Anspruch genommen werden können. Hier wird geklärt, ob es sich um eine Transportstörung des Darmes oder um eine Störung der Entleerung handelt. Bei Frauen kann es z.B. durch eine Senkung der Gebärmutter oder durch eine Beckenbodenerschlaffung zur gestörten Darmentleerung kommen. Der Enddarm kann sich auch ineinander schieben, und regelrecht einklemmen. Eine Stuhlentleerung ist dann nur noch unter extremer Anstrengung möglich.

Mit Hilfe spezieller Untersuchungstechniken kann man in den meisten Fällen eine Klärung herbeiführen. Für viele mechanisch verursachte Entleerungsstörungen gibt es heutzutage moderne, wenig eingreifende Operationstechniken, die eine hohe Erfolgsquote garantieren. Die Behandlung übernimmt in der Regel dann ein Team, das sich aus mehreren Fachdisziplinen (Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Urologie) zusammensetzt.

10.02.2009

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Aktuelle Therapie des Mammakarzinoms

In Deutschland erkranken im Jahr zwischen 55000 - 60000 Frauen an Brustkrebs. Die Chance die Erkrankung zu überleben ist aufgrund besserer Methoden der Früherkennung und Therapien deutlich gestiegen. Mit dem in Deutschland eingeführten Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren kann Brustkrebs in früheren Stadien festgestellt werden. "Je früher, desto besser!" Die chirurgische Entfernung des Tumorknotens ist fester Bestandteil der Therapie. Inzwischen können bei Erstdiagnose eines Mammakarzinoms von entsprechend ausgebildeten Operateuren 70 - 75% der Patientinnen brusterhaltend operiert werden. Mussten früher alle Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden, kann heute vielen Frauen durch die Wächter (Sentinel-)Lymphknotenmethode die komplette Ausräumung der Achselhöhle erspart werden.

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs: die Tumoren unterscheiden sich in ihrem Verhalten (Tumorbiologie) in Größe, in Anzahl befallener oder nicht befallener Lymphknoten, Hormonempfindlichkeit und im Vorhandensein bestimmter Wachstumsproteine (die sog. Her 2 neu Überexpression). Aufgrund dieser tumorbiologischen Eigenschaften kann für jede Patientin eine individuelle medikamentöse Therapie erarbeitet werden. Wenn überhaupt eine Chemotherapie notwendig ist, so unterscheidet sich diese je nach Risikoprofil der einzelnen Patientin in Dosis, Anzahl der Zyklen, Therapieintervall, Nebenwirkungen und ob man sie als Tabletten oder als Infusion bekommen kann. Alle Patientinnen, die einen hormonempfindlichen Tumor haben, erhalten für mindestens 5 Jahre die sogenannte "antihormonelle" Therapie. Gerade für Frauen nach den Wechseljahren hat es hier mit den sogenannten Aromatasehemmern eine deutliche Verbesserung für die betroffenen Frauen gegeben.

Einen weiteren Fortschritt gibt es derzeit mit den Antikörpertherapien: Hier werden durch Medikamente, die gezielt die wachstumfördernden "bösen" Eigenschaften des Brustkrebs angreifen, die Tumorzellen im Wachstum gehemmt. Ziel der Therapie muss sein, dass die Patientin zeitnah ihre individuelle, moderne operative und medikamentöse Therapie erhält. An der Erkennung und Behandlung von Brustkrebs sind viel medizinische Disziplinen beteiligt: Gynäkologie, Radiologie, Strahlentherapie, Hämato-Onkologie, Physikalische Therapie und Psychoonkologie. Idealerweise sind alle diese Fachdisziplinen in einem Zentrum organisiert, deren Kompetenz und Expertise von übergeordneten Gremien (z.B. Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Senologie) auf ihre Qualität überprüft und zertifiziert wurde. Ein solches zertifiziertes Brustzentrum bietet in der Region nur das Klinikum Landshut.

21.10.2008

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Herzinsuffizienz: Kooperation von Klinik und Hausarzt

Am 11.06.08 sprach Prof. Dr. med. H. Wollschläger, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Amberg, vor den Mitgliedern des Ärztliches Kreisverbandes Landshut im Rahmen der regelmässigen Fortbildung über das Thema: "Herzinsuffizienz: Kooperation von Klinik und Hausarzt"

Prof. Dr. med. H. Wollschläger
Prof. Dr. med. H. Wollschläger

Die Herzinsuffizienz oder Herzschwäche ist eine der häufigsten Todesursachen, besonders des älteren Menschen. Die Ursache dafür sind meist überlebte Herzinfarkte oder die Folgen eines langjährigen nicht ausreichend behandelten Bluthochdrucks. Die Muskelkraft des Herzens nimmt kontinuierlich ab und daraus resultieren die schweren Symptome: Atemnot, Wassereinlagerung und starke Minderung der körperlichen Leistungsfähigkeit bis hin zur andauernden Bettlägrigkeit. Sobald die Herzinsuffizienz sich manifestiert hat, muss die Erkrankung engmaschig ärztlich überwacht werden. In den fortgeschrittenen Stadien III und IV der Erkrankung kommt es häufig zu Krankenhauseinweisungen. Die Krankheit ist meist nicht mehr heilbar, es gibt jedoch gute Mittel und Wege sie so zu behandeln, dass eine deutliche Besserung eintritt und auf niedrigem Niveau ein normales Leben geführt werden kann.

Während früher versucht wurde, mit Medikamente die letzten Kräfte des geschwächten Herzmuskels zu mobilisieren, hat die moderne Arzneitherapie andere Wege gefunden. Heute wird das Herz nicht mehr angepeitscht und angetrieben, sondern es wird medikamentös von ihm die Last abgenommen. Dafür gibt es verbindliche Therapieleitlinien, die weltweit nerkannt sind und angewendet werden. Die Behandlung der Herzinsuffizienz ist immer eine Kombinationstherapie verschiedener Medikamente, die einerseits bewirken, dass die körpereigenen Stresshormone das Herz nicht mehr weiter antreiben und das Hormonsysteme wie das Renin-Angiotensin-System gehemmt werden, um das Herz von Kochsalz und Flüssigkeit entlasten. Darüberhinaus sind regelmässig auch entwässernde Medikamente, sogenannte Diuretika, notwendig, um die schwere Flüssigkeitseinlagerung im ganzen Körper zu bessern. Das Problem der medikamentösen Therapie ist aber oft, dass der niedrige Blutdruck durch die Medikamente weiter abgesenkt wird. Dies entlastet zwar das Herz deutlich, macht aber Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwindel.

Oberstes Therapieprinzip ist es deshalb, dass die einzusetzenden Medikamente zu Beginn sehr niedrig dosiert werden, damit der Körper über Wochen sich daran gewöhnt und der Blutdruck nicht zu stark abfällt. Patienten mit Herzschwäche müssen regelmässig zum Hausarzt, der die Medikation anpasst und ihre Blutwerte überwacht, die sich unter der Therapie verändern können. Von besonderer Wichtigkeit ist eine sehr einfache Maßnahme: die tägliche Gewichtskontrolle. Wenn der Patient diese Werte regelmässig in ein Kontrollbuch einträgt, kann man rasch erkennen wenn es wieder verstärkt zu einer Wassereinlagerung kommt und die Herzschwäche zunimmt. Darüber ist in dieser Situation besonders wichtig, dass Kochsalz eingespart wird. Die tägliche Trinkmenge muss oft begrenzt werden.

Ein weiterer wesentlicher Baustein der umfassenden Therapie ist die körperliche Akti-vität. In mehreren Studien konnte zweifelsfrei belegt werden, dass durch Bewegung, Aktivität und Sport auf niedrigem Niveau die Herzschwäche sich zusätzlich bessern lässt. Aber auch hier gilt, dass der Anfang langsam und behutsam erfolgen muss, jeweils im Rahmen der Grunderkrankung und der Möglichkeiten des Patienten. Durch die kombinierte Anwendung dieser Maßnahmen ist es in der Regel möglich, die Herzschwäche entscheidend zu bessern und einen lebenswerten Zustand trotz der schweren Erkrankung zu erreichen. Voraussetzung ist eine regelmässige ärztliche Kontrolle und die entsprechende Mitarbeit des Patienten in Bezug auf Medikation und Le-bensführung.

05.07.2008

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Notfallmedizin und Maßnahmen der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung

Im Rahmen der regelmässigen Fortbildungsreihe des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut referierte Priv. Doz. Dr. med. Carl-Michael Reng vom Kreiskrankenhaus Bogen über das Thema: Notfallmedizin und Maßnahmen der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung

Priv. Doz. Dr. med. Carl-Michael Reng
Priv. Doz. Dr. med. Carl-Michael Reng

Notfallsituationen mit Herzkreislaufstillstand kommen immer unverhofft und plötzlich. Die häufigsten Ursachen dafür sind Herzinfarkt, Lungenembolie, schwere Erkran-kung der Lungenwege mit Atemnot, aber auch allergische Schockreaktionen. Im ärztlichen Alltag sind diese Situationen selten, sodass nur durch regelmässige Fortbildung und Schulung diese Ereignisse fachgerecht beherrscht werden können. In der Regel treten Notfälle nicht in der ärztlichen Praxis und im Krankenhaus auf, sondern an verschiedenen Orten des täglichen Lebens. Hier ist die Diagnostik ohne weitere Hilfsmittel und unter oft ungünstigen Bedingungen für die Ärzte nicht einfach. Aber auch für Laien sind Grundkenntnisse der Herzkreislaufwiederbelebung empfehlenswert. Meist wird mit der Führerscheinprüfung ein entsprechender Kurs absolviert und danach nie wieder aufgefrischt. So kommt es, dass nur 10 bis 15 % der Laienhelfer in Notfallsituationen Maßnahmen der ersten Hilfe durchführen, in erster Linie die Aufrechterhaltung eines Minimalkreislaufes mit Druckmassage über dem Brustbein und falls beherrscht, auch die Atemspende. Die neuen Richtlinien der Fachgesellschaften haben gezeigt, dass in ersten Linie die Druckmassage über dem Herzen von größter Bedeutung ist und die Atemspende in den Hintergrund tritt. So ist es auch möglich, Hilfe zu leisten, wenn die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht beherrscht wird oder wenn davor eine gewisse Zurückhaltung besteht.

Priv. Doz. Dr. med. Carl-Michael Reng
Priv. Doz. Dr. med. Carl-Michael Reng

Im weiteren Verlauf wurden verschiedene Notfälle, sowohl von Kindern als auch Erwachsenen beispielhaft besprochen. Eindrücklich wies der Referent darauf hin, dass nicht die Theorie alleine weiterhilft, sondern dass auch regelmässige Übungskurse der Wiederbelebung erforderlich sind, um auch die manuellen Fähigkeiten zu trainieren. Dafür gibt es heute hervorragendes Übungsmaterial. Hier kann an nachgebildeten menschlichen Phantomen sowohl die Wiederbelebung als auch die Beatmung mit Intubation geübt werden, wobei der Erfolg dieser Maßnahmen auch elektronisch kontrollierbar ist. Die erste und wichtigste Maßnahme bei Notfällen ist jedoch, über die Rettungsleitstelle professionelle Hilfe anzufordern, damit der Erfolg der zunächst eingeleiteten Maßnahmen im weiteren Verlauf auch gesichert werden kann. Kleine tragbare Elektro-Schock-Geräte wurden in den letzten Jahren entwickelt, die nach Anbringen der Elektroden automatisch mit gesprochenen Anweisungen entsprechend den aktuellen Leitlinien durch die Reanimation führen. Auch medizinische Laien können mit diesen Geräten umgehen, falls sie zuvor dafür geschult wurden. An vielen öffentlichen Punkten (Flughäfen, Bahnhöfen, Fußballstadien, usw.) sind sie bereits aufgehängt und verbessern die Prognose der Wiederbelebungsmaßnahmen deutlich, wenn sie eingesetzt werden. Am Ende der Fortbildung beantwortete Priv. Doz. Dr. med. Reng noch alle Fragen aus der zahlreichen Zuhörerschaft.

07.06.2008

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Mitgliederversammlung 2008 des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut - Jeder Dank ist ein Neuanfang

Vorige Woche hielt der Ärztliche Kreisverband Landshut, dem mittlerweile 980 Mediziner angehören, seine jährliche Mitgliederversammlung mit Neuwahlen ab. Der erste Vorsitzende, Dr. med. Werner Resch war sehr erfreut, dass er dazu 108 Kolleginnen und Kollegen in den Bernlochner Stadtsälen begrüßen konnte. Die Anwesenheit so vieler Mitglieder zeige der Vorstandschaft doch auch das Interesse der Ärztinnen und Ärzte an ihrem Verband und an der Berufspolitik.

Vorstandsmitglieder AEKV Landshut
Vorstandsmitglieder ÄKV Landshut

Einem alten Brauch zufolge wurde zuerst der Verstorbenen des vergangenen Verbandjahres gedacht: Frau Dr. med. Doremarie Langer-Kraus war von 1953 bis 1991 als Allgemeinärztin in Landshut, Herr Dr. med. Josef Hürter von 1946 bis 1999 in Altfraunhofen und Herr Dr. med. Walter Hacker FA für Chirurgie war als Allgemeinarzt in Kumhausen von 1971 - 1993 tätig. Der vielen Landshutern noch gut bekannte Dr. med. Rudolf Zenker FA für Chirurgie war zunächst als Gast-, Hilfs- und Assistenzarzt im Städtischen Krankenhaus Landshut von 1954 bis 1966 und von 1966 bis zu seinem krankheitsbedingten Ruhestand 1989 als Oberarzt am Klinikum Landshut beschäftigt. Die Anwesenden hatten sich zu Ehren der Toten erhoben und gedachten ihnen im Stillen.

Vorstand AEKV Landshut

Im Bericht des 1.Vorsitzenden wurde die Entwicklung der Mitgliederzahl, die seit 2003 von 878 auf 980 Mitglieder anwuchs, sehr positiv aufgenommen. Der ÄKV veranstaltete im letzten Jahr 11 Fortbildungsveranstaltungen, die von 777 Mitglieder besucht wurden. Leider wurden die Vorjahreszahlen dabei nicht erreicht, so dass hier eine rückläufige Tendenz zu beobachten ist. Der Vorsitzende führte dies auf die zusätzlichen Veranstaltungen der Landshuter Krankenhäuser und auf zahlreiche kleinere Fortbildungen in Qualitätszirkeln zurück. Von einer allgemeinen Fortbildungsmüdigkeit wollte er noch nicht sprechen. Dem Fortbildungsbeauftragten, Herrn Prof. Dr. med. Axel Holstege, Chefarzt der Med I Klinik am Klinikum wurde für seine ausgezeichnete Arbeit herzlich gedankt, gelang es ihm doch immer wieder, interessante Themen zu finden und gute Referenten nach Landshut einzuladen. Gut gelaufen sind auch die in Zusammenarbeit mit der AOK Landshut durchgeführten 10 Laienfort-bildungen über verschiedenste medizinische Themen, die von insgesamt 518 Zuhörern besucht wurden. Der Kassenbericht und der Rechnungsabschluss wurden vorgetragen und nachdem seitens der Kassenprüfer eine einwandfreie Führung der Finanzgeschäfte bestätigt wurde, schloss sich eine einstimmige Entlastung der Vorstandschaft an. Der 1.Vorsitzende dankte allen Vorstandsmitgliedern, dabei besonders dem Protokollführer, Herrn Dr. P. Zolinski, für die in den letzten 5 Jahren geleistete Arbeit.

1. Vorstand AEKV Landshut
1. Vorstand ÄKV Landshut - Dr. Werner Resch

Als wichtigster Punkt der Tagesordnung standen nun die von Herrn Dr. H.W. Pausinger geleiteten Neuwahlen für den Zeitraum 2008 bis 2013 an:
Als 1. und 2. Vorsitzender mit jeweils großer Stimmenzahl wiedergewählt wurden Herr Dr. Werner Resch und Herr Dr. Klaus Timmer. Die zur Vorstandschaft gehörenden Beisitzer sind: Herr Josef Ausmann, Furth, Frau Dr. Maria E. Fick, Herr Dr. Dietmar Frommeld, Herr Dr. Johannes Greif, Frau Dr. Annette Hobelsberger, Herr Prof. Dr. Axel Holstege, Herr Dr. Franz Käser, Herr Dr. Erwin Neulinger-Wittmann, Frau Dr. Gabriele Pfann, Herr Dr. Reinhard Zimmermann, Herr Dr. Hans-Georg Zirngibl und Herr Dr. Peter Zolinski, alle Landshut.

In seinem Schlusswort wies der alte und neue 1.Vorsitzende auf die derzeit aktuellen Probleme hin, die 2008 und 2009 für die Ärzteschaft anstehen: die KV- Müdigkeit der Hauärzte und deren geplanter Systemausstieg, die vor allem auf dem Land schwindenden Arztzahlen und den die Ärzteschaft nicht nur finanziell massiv bedrohenden, für 2009 angesagten Gesundheitsfond. Er schloss die harmonisch verlaufende Versammlung mit dem Wunsch, alle Kolleginnen und Kollegen sollten auch in diesen turbulenten Zeiten ihre ärztliche Sicht der Dinge nicht verlieren.

26.4.2008

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Chronische virale Leberentzündungen: Eine häufige Ursache für Leberschädigungen - eine Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut

Herr Prof. Dr. Axel Holstege sprach im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes vor über 100 Ärzten über neue Erkenntnisse zur Erkennung und Behandlung dieser zu einer chronischen Lebererkrankung führenden Virusinfektion.

Prof. Dr. Axel Holstege
Prof. Dr. Axel Holstege

Chronische Virushepatitiden sind neben den alkoholbedingten Leberschädigungen die häufigsten Ursachen für eine Schrumpfleber (Leberzirrhose). Während eine Infektion mit dem Hepatitis B-Virus nur bei 10-15% der Betroffenen einen chronischen Verlauf nimmt, ist dieser Prozentsatz mit fast 80% nach einer Hepatitis C-Virusinfektion wesentlich höher. Man schätzt, dass etwa 300 Millionen Menschen auf der Erde mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sind. Das Hepatitis C-Virus wurde erst 1988/1989 entdeckt und serologische Testverfahren standen erst Anfang der 90er Jahre zur Verfügung. In Europa sind über 9 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert.

Einer der Hauptübertragungsrisiken des Hepatitis C-Virus war in der Vergangenheit die Transfusion von Vollblut, Blutbestandteilen oder Blutprodukten. Erst seit dem das Virus identifiziert werden konnte und entsprechende Nachweisverfahren zur Verfügung standen, werden sämtliche Blutkonserven strengen Testverfahren unterworfen, so dass heute eine Hepatitis C-Übertragung durch Blutkonserven weitgehend ausgeschlossen werden kann. Im Gegensatz zur Hepatitis C wird das Hepatitis B-Virus hocheffizient sexuell übertragen. Intravenöser Drogenkonsum ist ein weiterer ganz wesentlicher Risikofaktor für den Erwerb einer Hepatitis B-Virusinfektion und insbesondere für eine Hepatitis C. Während die Hepatitis B durch eine aktive Impfung, die heute bei allen Jugendlichen empfohlen wird, verhindert werden kann, steht trotz aller Anstrengungen kein Impfstoff für die Hepatitis C zur Verfügung.

Bei erhöhten Leberwerten oder dem Vorliegen eines entsprechenden Risikoprofils gehört die Testung auf eine Hepatitis B oder Hepatitis C zum Standardprogramm. Werden diese beiden Erkrankungen nicht erkannt, so führt die chronische Entzündung nach Jahrzehnten zur Ausbildung einer Leberzirrhose, aus der sich lebensbedrohliche Komplikationen oder ein Leberkrebs entwickeln kann.

Prof. Holstege wies darauf hin, dass es wichtig ist, die Virushepatitiden rechtzeitig zu erkennen, so dass unbeabsichtigte Übertragungen vermieden und ggf. eine Therapie eingeleitet werden kann.

Die aktive medizinische Forschung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass viele neue Medikamente zur Behandlung der chronischen Hepatitis B auf den Markt gekommen sind. Ähnlich wie bei einer HIV-Erkrankung muss die medikamentöse Therapie der chronischen Hepatitis B mit so genannten Nukleosidanaloga über viele Jahre erfolgen. Besteht die Möglichkeit zum Einsatz von Interferon, so kann bei 30 % der Patienten nach einer einjährigen Behandlung eine drastische Besserung der Erkrankung erzielt werden.

Die Fortschritte in der Therapie der chronischen Hepatitis C dagegen stagnieren in den letzten Jahren. Die Kombinationsbehandlung mit Interferon und Ribavirin in Tablettenform wird noch für einige Jahre der Standard bleiben.

26.4.2008

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Behandlung des Bluthochdruckes

Am 13.02.08 sprach Prof. Dr. med. Karl-Josef Osterziel aus Amberg vor den Mitgliedern des ärztlichen Kreisverbandes Landshut im Rahmen der regelmässigen Fortbildung über das Thema: Behandlung des Bluthochdruckes

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind nach wie vor die Todesursache Nr. 1 (800.000 Kreislauftote pro Jahr). Die Hälfte dieser Todesfälle ist durch den erhöhten Blutdruck und seine Folgen verursacht, die arterielle Hypertonie ist somit der bedeutenste Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, noch bedeutender als das Zigarettenrauchen und erhöhte Cholesterinwerte. Mit zunehmendem Alter steigt der Blutdruck kontinuierlich an, besonders der obere (systolische) Wert. Das führt dazu, dass 70% der Männer und 84% der Frauen ab dem 75. Lebensjahr an Bluthochdruck erkrankt sind. Besonders typisch ist es, dass erhöhte Blutdruckwerte über lange Zeit keine Symptome verursachen, sodass die Diagnose oft nicht rechtzeitig gestellt wird oder der Leidensdruck so gering ist, dass ärztliche Behandlung nicht in Anspruch genommen wird. Nur eine frühzeitige Behandlung des hohen Blutdrucks kann die katastrophalen Spätfolgen der Erkrankung verhindern (Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschädigung). Die Lebenserwartung eines 50-jährigen mit Bluthochdruck wird um 5 Jahre reduziert, wenn keine Behandlung einsetzt. Nicht medikamentöse Maßnahmen führen nur bei milden Formen zum Erfolg (Gewichtsreduktion, regelmässige körperliche Aktivität, kochsalzarme Ernährung). Fast regelhaft ist im weiteren Verlauf eine medikamentöse Behandlung nötig, oft müssen 2 – 3 Medikamente gleichzeitig eingesetzt werden. Die gute Blutdrucksenkung von Anfang an kann die Spätfolgen der Erkrankung wirksam verhindern. Dabei stehen bewährte alte und neue Medikamente zur Verfügung, sodass für jeden Patienten individuell eine verträgliche und nebenwirkungsfreie Einstellung gefunden werden kann. Die Obergrenze des normalen Blutdruckes ist bei gesunden Erwachsenen 140/90, bei Diabetikern und nierenkranken Patienten, sowie bei Patienten nach Herzinfarkt 130/80. Die blutdrucksenkende Behandlung muss immer lebenslang erfolgen, da die Erkrankung sich nicht spontan bessert, oft im Alter sich aber verschlimmert. Falls die Therapie rechtzeitig und ausreichend wirksam eingeleitet wird, ist die Prognose des Patienten gut und vergleichbar mit der Lebenserwartung eines Gesunden.

Im weiteren Verlauf ging der Referent auf die komplexen Wirkungsmechanismen der verschiedenen Medikamente ein.

22.2.2008

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Möglichkeiten der medikamentösen Therapie des Typ 2 Diabetes

Die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie des Typ 2 Diabetes war Thema einer gut besuchten Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbands Landshut (ÄKV) im Januar 2008 in den Bernlochner Stadtsälen. Es referierte Herr PD Dr. Bollheimer von der Medizinischen Klinik der Uniklinik Regensburg.

PD Dr. Bollheimer
PD Dr. Bollheimer

Nach neueren Erhebungen sind 6-8% der Bevölkerung in Deutschland zuckerkrank, dies entspricht ca. 5-7 Millionen Menschen. Dabei haben 90% einen Typ 2 Diabetes, der andere Therapieansätze erfordert, als der Typ 1 Diabetes, bei dem die Patienten gänzlich auf extern zugeführtes Insulin angewiesen sind. Aus früheren Untersuchungen weiss man, dass die Krankheitskosten für einen Diabetes-Patienten sich erheblich erhöhen, wenn Folgeschäden der Zuckerkrankheit auftreten. Wie die Zuhörer erfuhren, sterben 75% aller Diabetiker heutzutage an Herz- Kreislauferkrankungen. 75% aller Herzinfarktpatienten sind (unentdeckte ) Diabetiker. 50% der Diabetiker erleiden zudem eine Nierenschädigung. Das führt dazu, dass 50% aller Dialysepatienten wiederum Diabetiker sind. Aus diesem Grund ist die medikamentöse Therapie des Typ 2 Diabetes ein wichtiger Eckpfeiler in der Behandlung. Studien der letzten Jahre unterstrichen dabei die Wichtigkeit einer guten medikamentösen Blutdruckkontrolle, die Senkung erhöhter Fettwerte und die Gewichtsreduktion zusätzlich zur blutzuckersenkenden Therapie. Herr PD Bollheimer gab einen Überblick über die zur Verfügung stehenden oralen Antidiabetika. Hier ist das Medikament Metformin quasi der Klassenprimus mit guten blutzuckersenkenden Eigenschaften. Darüberhinaus führt es eher zu einer (erwünschten) Gewichts-abnahme und hat positive Auswirkungen auf die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei der Besprechung der übrigen Medikamente für Typ 2 Diabetes ging Herr PD Bollheimer insbesondere auf die sog. Glitazone ein. Von dieser Medikamentengruppe stehen in Deutschland Pioglitazon und Rosiglitazon zur Verfügung.

Eine kritische Durchleuchtung mehrerer Studien zeigte dabei im Jahr 2007 einen Trend zu vermehrten Herzkreislauferkrankungen und Übersterblichkeit bei Verwendung des Präparats Rosiglitazon, während für das Medikament Pioglitazon in einer früheren Studie eine positive Beeinflussung dieser Erkrankung festzustellen war. Herr PD Bollheimer riet aus diesem Grund von der weiteren Verwendung des Medikaments Rosiglitazon ab. Anschliessend wurden neue orale Medikamente für die Therapie des Typ 2 Diabetes wie das Sitagliptin und das Vildagliptin (DPP IV Hemmer) und das zweimal täglich subkutan zu applizierende (GLP 1 Analogon) Exenatide besprochen. Diese Medikamente gehen auf die langjährigen Grundlagenforschung zum sog. Inkretin Effekt der Gruppe um den deutschen Diabetologen Prof. Creutzfeldt zurück, der hierzu in den siebziger Jahren die weitere Entwicklung anstiess. PD Bollheimer riet allerdings zum jetzigen Zeitpunkt von der breiten Verwendung dieser Substanzen ab, bis weitere Erfahrungen aus Studien zur Auswirkung auf Herzkreislauferkrankungen publiziert seien.

Zum Schluss seines Vortrags verglich der Referent noch 2 Studien zur Insulintherapie bei Menschen mit Typ 2 Diabetes. Dabei wurde insbesondere die Frage untersucht, mit welchem Insulinregime und welchen Insulinzubereitungen die Insulintherapie gestartet werden soll. Es wurde klar, dass der Königsweg dabei noch nicht gefunden ist. Insbesondere traten methodische Mängel bei der Durchführung zu Tage. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte und kontroverse Diskussion.

16.1.2008

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Der Schlaganfall - die Herausforderung des Jahrzehnts in der Neurologie

Der seit 01.12.2007 neue Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Landshut Herr Professor Dr. med. Jürgen Winkler hielt am 12.12.2007 vor dem Ärztlichen Kreisverband Landshut den monatlichen Fortbildungsvortrag:

Prof. Dr. med. Jürgen Winkler
Prof. Dr. med. Jürgen Winkler

Der akute Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und trifft die meisten Patienten häufig ohne jede Vorwarnung. Was insbesondere sehr schwerwiegend beim Schlaganfall ist, dass er eine schwere, lebenslange Behinderung nicht nur im Bereich der Motorik sondern eben auch im Bereich der Sprache nach sich zieht.

Das wichtigste Prinzip bei der Behandlung jedes Schlaganfalles ist, dass frühzeitig die Symptome richtig eingeordnet werden und der Patient unverzüglich in der Klinik vorgestellt wird. Bei der Behandlung ist jede Minute kostbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die bisher effektivste Therapie nur innerhalb der ersten 180 Minuten einsetzbar ist. Somit ist jede Minute kostbar, beginnend von der Alarmierung des Rettungsdienstes, dem sofortigen Handeln des Notarztes, die rasche Aufnahme in einer interdisziplinären Notaufnahme mit einem Schlaganfallsteam, das dann gezielt die notwenigen Untersuchungen mit der erforderlichen Bildgebungsdiagnostik veranlasst, um rasch die Therapie einleiten zu können. Die radiologische Diagnostik mittels einer Computertomographie (Schnittbildgebung des Gehirns) sowie der Ausschluss der wesentlichen Kontraindikationen sind innerhalb kürzester Zeit zu bewältigen. Die Zeit zwischen Ankunftszeit im Krankenhaus und der Initiierung der effektiven "Lysetherapie" (Auflösung des Hirngefäßverschlusses) sollte nicht mehr als im idealen Fall 30 Minuten betragen. Dies erfordert ein enges Zusammenspiel zwischen Rettungsdienst, Notärzten, interdisziplinärer Notaufnahme, Neurologie, Kardiologie und Radiologie. Dieses integrierte Versorgungssystem wird im Rahmen einer Schlaganfallspezialstation (Stroke Unit) gebildet und vorgehalten. In großen internationalen Studien hat sich gezeigt, dass sich sowohl die Effektivität der Behandlung als auch die Gesamtprognose des Patienten deutlich verbessert, wenn diese in sich greifende Versorgungsstruktur etabliert wird. Diese Versorgungsstruktur muß für die Region Landshut dringend geschaffen werden. Das Motto "Zeit ist wertvoll... und das Gehirn noch mehr" muss für die moderne Diagnostik und Therapie bei Patienten mit Schlaganfall im besonderen gelten. Das häufig noch vertretene Konzept, dass auf Grund des fehlenden Schmerzes der Schlaganfallpatient Zeit hat, widerspricht somit dem aktuellen Wissensstand. Je früher die Lysetherapie begonnen wird, umso besser ist die Prognose für den Schlaganfallspatienten. Bei gut trainierten Schlaganfallteams sollte der Ablauf wie folgt aussehen:

Zeit der Alarmierung bis zum Eintreffen in die jeweilige interdisziplinäre Notaufnahme mit Neurologen innerhalb von 20 Minuten. Eintreffen des Arztes innerhalb von 10 Minuten, die Durchführung der notwendigen Laboruntersuchungen sowie der Bildgebung innerhalb von 25 Minuten, und dann innerhalb von 60 Minuten der Beginn der Therapie. Aus diesen Zeitabläufen ist ersichtlich, dass nur ein hochspezialisiertes Team das entsprechend in der Stroke Unit gebündelt wird, eine solche zeitnahe, jedoch viele Gehirnzellen rettende Therapie durchführen kann. Die Frage nach dem Nutzen einer Stroke Unit wird durch sehr große Studien an über 11 000 Patienten beantwortet, die eine deutliche verbesserte Überlebenschance sowie eine geringere Behinderung im Rahmen des erlittenen Schlaganfalls gezeigt haben. Aber nicht nur die verminderte Sterblichkeit und geringere Behinderung, auch die Verminderung der stationären Behandlungszeit mit einer überlegenen Funktionsverbesserung macht die Schaffung einer solchen Stroke Unit zum Gebot der Stunde. Diese Stroke Unit sollte immer in einer Schlaganfallsversorgungskette eingebunden werden, die mit der Aufklärung von Laien, Ärzten sowie medizinischen Hilfsberufen, Schwestern und Rettungspersonal beginnt, die Primärprävention mit der Kontrolle von Hochdruck, Fettstoffwechselstörung und Blutzuckererkrankungen einschliesst, die gezielte Therapie des akuten Schlaganfalls respektive der transienten ischämischen Attacke in der Stroke Unit und dann nach der Akutphase die Einleitung der entsprechenden gezielten Sekundärprävention sowie von rehabilitativen Maßnahmen.

Neben der medizinischen Akutversorgung gilt es eben auch, durch entsprechende Aufklärung des Rettungspersonals sowie der Bevölkerung, die Warnsymptome besser und früher zu erkennen. Nach einem Schlaganfallsereignis kommt der ambulanten Nachsorge durch die niedergelassenen Kollegen eine enorme Bedeutung zu, insbesondere um die Zweitereignisse (Prophylaxe) zu vermeiden. Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Hypertonie, Nikotin sowie Fettstoffwechselstörung steht dabei im Mittelpunkt. Es wird immer deutlicher, dass der Schlaganfall nicht nur eine Erkrankung des höheren Altes ist, sondern insbesondere auf Grund dieser Risiken sehr viele jüngere Patienten im Alter von 30 bis 50 Jahren betrifft. Eines der wesentlichen Warnsymptome stellt die sogenannte transitorische ischämische Attacke dar, die, obwohl bei ihr sich alle Symptome innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden zurückbilden, enorme prognostische Bedeutung zukommt. Jeder Patient, der eine entsprechende kurzfristige Symptomatik erlitten hat, hat ein deutlich erhöhtes Risiko einen Schlaganfall innerhalb der nächsten 90 Tage zu erleiden. Dieses Risiko liegt bei ca. 20%, wobei dieses Risiko bei höherem Lebensalter und dem Bestehen eines Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) noch weit höher liegt. Im Rahmen der stationären Versorgung kommt der Abklärung der jeweiligen Ursache für einen Schlaganfall enorme Bedeutung insbesondere für die Sekundärprophylaxe zu. Herzrhythmusstörungen, Veränderungen im Bereich des Herzmuskels und -wände, Klappenstörungen, Störungen der großen Hirnarterien sowie Gerinnungsstörungen sind die wesentlichen Ursachen für einen Schlaganfall.

Zusammenfassend sollte eine solche Schlaganfallsspezialstation im Sinne eines multidisziplinären und professionellen Teams organisiert sein, wobei die Notwendigkeit für die Stadt und den Landkreis Landshut insbesondere darin besteht, dass allen Patienten diese heute moderne Schlaganfalltherapie zur Verfügung steht. Dieses Konzept der Schlaganfallspezialstation wird von allen Fachgesellschaften gefordert, da nur so eine fachgerechte und Leitlinien kompetente Versorgung von Schlaganfallspatienten gewährleistet werden kann.

16.1.2008

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Möglichkeiten und Grenzen der Transplantationsmedizin

Herr Prof. Dr. med. Hans Jürgen Schlitt ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Universität Regensburg und ist Leiter des größten Transplantationszentrums in Bayern. Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes sprach er über Möglichkeiten und Grenzen der Transplantationschirurgie. Zu Beginn seines Vortrages berichtete er über eine 14jährige Patientin, die mit einer schweren Leberverletzung nach einem Verkehrsunfall nicht mehr unter Erhalt des eigenen Organs operiert werden konnte. Die zerstörte Leber wurde entfernt und die Patientin mit höchster Dringlichkeit für eine Leberspende gemeldet. Sie erhielt ein Organ und überlebte den schweren Unfall. An Hand dieses Beispiels wies Herr Prof. Schlitt darauf hin, dass jeder plötzlich auf ein fremdes Organ angewiesen sein kann. Leider übersteigt der Bedarf an Organen zur Transplantation bei weitem das Angebot an Spenderorganen. Im Jahre 2006 wurden in Deutschland 4646 Organe verpflanzt, wobei jedoch 12000 Patienten auf der Warteliste standen. Die Zahl der möglichen Organempfänger ist aber noch wesentlich höher. Bei etwa 63000 dialysepflichtigen Patienten ist anzunehmen, dass jeder 3. auf die chronische Blutwäsche angewiesene Patient prinzipiell ein Kandidat für eine Nierentransplantation ist. Da es kein künstliches Verfahren gibt, mit dem die Entgiftungsfunktion der Leber ersetzt werden könnte, sterben jedes Jahr 30% dieser Leberkranken auf der Warteliste.

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Schlitt, Poliklinik für Chirurgie der Universität Regensburg
Prof. Dr. med. Hans Jürgen Schlitt, Poliklinik für Chirurgie der Universität Regensburg

In Anbetracht der geringen Bereitschaft in der Bevölkerung für eine potentielle Organspende müssen eine Vielzahl von neuen Wegen beschritten werden. So wurden die Spenderkriterien erweitert, in dem z. B. ein "Old-for-old"-Programm ins Leben gerufen wurde. Dabei werden Organe von älteren Menschen für ältere verwandt. Auch werden Organe transplantiert, die nicht für jeden Patienten in Frage kommen, aber für bestimmte Patientengruppen gut geeignet sind. Im Bereich der Lebertransplantation ist man auch dazu übergegangen, eine Spenderleber zu teilen und für zwei Empfänger zu verwenden. Eine weitere Alternative stellt die Lebendspende dar, wobei eine Niere oder eine Teilleber dem Spender entnommen und dem Empfänger transplantiert wird. In Regensburg beträgt der Anteil der Nierenlebendspender 20% und der Leberlebendspender 10%.

Das Überleben der Patienten nach einer Organtransplantation hat sich mit den Fortschritten der chirurgischen Technik, der Intensivmedizin und insbesondere auch der medikamentösen Unterdrückung der Abstoßungsreaktion ganz wesentlich gebessert. Nach einer Lebertransplantation leben nach 5 Jahren 80 % der Patienten. Berücksichtigt man die Patienten, die eine bessere Ausgangsposition haben und sich nicht im fortgeschrittenen Endstadium einer Leberzirrhose befinden, kann man von 95 % 5-Jahres-Überleben ausgehen. Probleme stellen auch heute noch die Wiederkehr bestimmter Erkrankungen auch in der neuen Leber dar und Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie.

Die moderne Transplantationsmedizin macht es jedoch möglich, dass z. B. Erkrankungen der Leber langfristig überlebt werden können, die früher keine Überlebenschance gehabt hätten. In Anbetracht dieser Therapiechancen sollte jeder für sich prüfen, ob er nicht seine Bereitschaft zur Organspende durch einen Organspenderausweis dokumentieren möchte.

7.12.2007

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Moderne Strategien in der Reproduktionsmedizin bei unerfülltem Kinderwunsch.

Paare mit Kinderwunsch werden immer älter. Die Gründe sind bekannt: längere Ausbildung und berufliche Karriere führen zur Überschreitung der optimalen Fruchtbarkeitszeit (20-25 Jahre). Das Durchschnittsalter der ratsuchenden Frauen im Kinderwunschzentrum liegt bei 38 Jahren. In diesen Fällen (altersbedingte Abnahme der natürlichen Fruchtbarkeit) und anderen körperlich bedingten Fruchtbarkeitsstörungen können die modernen Strategien der Reproduktionsmedizin weiterhelfen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachdisziplinen wird die Ursache geklärt und eine entsprechende Behandlungsmethode angeboten.

Prof. Dr. med. Würfel, Kinderwunschzentrum München-Pasing
Prof. Dr. med. Würfel, Kinderwunschzentrum München-Pasing.

Die "künstliche Befruchtung" wie sie fälschlicherweise bezeichnet wird – nur der Ort (Glasschale) ist künstlich, nicht der Vorgang der Befruchtung – führt man im Falle der weiblichen Sterilität durch: bei der IVF (in-vitro-Fertilisation) werden nach hormoneller Stimulation Eizellen über die Scheide aus dem Eierstock entnommen. Die Punktion (unter Ultraschallkontrolle) kann entweder in leichter Narkose oder auch ohne Medikamente erfolgen. Dabei werden mehrere Eizellen entnommen, um die Chancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen und einen eventuellen erneuten Eingriff zu vermeiden. Die Eizellen werden im Reagenzglas mit den Samenzellen zusammengebracht. Nach 24 Stunden erfolgt eine mikroskopische Beurteilung der entstandenen sogenannten Vorkerneizellen, von denen einige für weitere Embryoübertragungen eingefroren werden (Kryokonservierung). In den nächsten 2 Tagen entwickeln sich die Zwei - bis Vierzeller, die ab dem 3.Tag über einen dünnen, weichen Katheter in die Gebärmutter eingebracht werden.

Es werden meistens 2 Embryonen transferiert, um die Schwangerschaftsrate zu erhöhen, die bei der Übertragung eines Embryos ca. 14 % bei einem zweiten ca. 31 % beträgt. Diese Zahlen entsprechen der natürlichen Befruchtung . Beim Menschen, im Gegensatz zu vielen Tieren, führt nicht jede Befruchtung zur Schwangerschaft. Die Schwangerschaftrate nach 3 Behandlungszyklen beträgt 50-60 %. Das wichtigste Behandlungsziel ist die Einlingsschwangerschaft und die Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften, die früher durch hohe Hormongaben häufig waren.

Durch neue immunologische Methoden kann zunehmend der Embryo, der am entwicklungsfähigsten ist, identifiziert, damit die Schwangerschaftsrate erhöht und eine Mehrlingschwangerschaft vermieden werden. Nach dem Transfer wird noch eine hormonelle Stützung der Gebärmutter durchgeführt und dadurch die Einnistung des Embryos verbessert.

Bei der männlichen Fruchtbarkeitsstörung liegen vor allem Mängel in Anzahl und Beweglichkeit der Spermien vor. Da die Befruchtung der Eizelle eine Art "Teamarbeit" ist, sind eine Vielzahl von Spermien notwendig, die die Eihülle "bearbeiten" müssen, damit eine Samenzelle eindringen kann. Daher ist verständlich, daß eine Mindestanzahl von Samenzellen vorhanden sein muß und die Befruchtung durch eine langsame und nicht durch die schnellste Samenzelle erfolgt. Bei einer Spermienzahl von weniger als 500000-600000/ml Samenflüssigkeit ist keine Befruchtung mehr möglich.

Durch die ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion) kann ein Spermium über eine Glaskanüle in die Eizelle platziert werden. Dieser Vorgang ist nicht in allen Schritten physiologisch, da aus technischen Gründen das schnellste Spermium gewählt wird und die Platzierung über eine Injektion und nicht über eine Membranfusion erfolgt. Für die ICSI können auch Spermien aus dem Hoden verwendet werden, die nicht fähig wären, die Eizelle auf natürlichem Weg zu befruchten. Bei diesen Fruchtbarkeitsstörungen ist die Zusammenarbeit mit dem Andrologen und den reproduktionsbiologischen Labors sinnvoll. Diese Organisationsform wird in der Literatur als "Münchner Modell" bezeichnet. Durch das Kryokonzept (Einfrieren) können wiederholte Behandlungszyklen auch ohne erneute Eingriffe durchgeführt werden.

Zur Fehlbildungsrate der geborenen Kinder, die so gezeugt wurden, gibt es eine Reihe von Untersuchungen. Die Quote der angeborenen Fehlbildungen ist bei IVF und ICSI ähnlich und im Vergleich mit der Normalbevölkerung gering erhöht, was eventuell mit dem durchschnittlich höherem Alter und der Fertilitätsstörung an sich zu tun haben könnte. Die Kryokonservierung (Einfrieren) von Eizellen, Spermien und Vorkerneizellen ist gesetzlich nach dem Embryonenschutzgesetz geregelt, der Präimplantationsembryo somit die bestgeschützte Lebensform. Eine Verwendung nach dem Tod von Spender oder Spenderin ist gesetzlich verboten.

Die Kryokonservierung wird aber auch genutzt, um Eizellen oder Spermien vor Beginn einer Krebstherapie zu schützen und die Fruchtbarkeit zu erhalten. Nach dem neuen Gesundheitsgesetz muß die eigentliche Fertilitätsbehandlung (nicht die vorausgehenden Untersuchungen) zu 50 % selbst bezahlt werden. Das stellt für einige Paare eine hohe Belastung dar. In Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung sollte von politischer Seite über Fördermöglichkeiten nachgedacht werden. Ein Beispiel aus unserem Nachbarland Österreich zeigt einen möglichen Weg auf: dort wird 1/3 von der Krankenkasse, 1/3 vom Staat und 1/3 vom Patienten bezahlt.

19.09.2007

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Bericht über die Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes vom 18.07.2007

Die letzte Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes vor der Sommerpause beschäftigte sich mit neuen Aspekten in der spezifischen Immuntherapie allergischer Erkrankungen. Als Referent konnte Prof. Dr. Albrecht Bufe, Leiter des Instituts für experimentelle Pneumologie der Universität Bochum, gewonnen werden.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) wird als Behandlungsmethode bei allergischen Erkrankungen eingesetzt und ist im Volksmund besser bekannt unter dem Begriff Hyposensibilisierung.

Seit 1911 wird die Hyposensibilisierungstherapie angewandt. Die Methode wurde über die Jahre hin immer mehr verbessert, aber über die Wirkungsweise im Immunsystem war wenig bekannt. Erst in den letzten Jahren wurde ein Einblick in die komplexe Welt der allergenvermittelten Immunglobulin E (IgE)- getriggerten Entzündungsreaktionen mit ihren immunstimulierenden Zellen und deren Botenstoffen möglich. Der Referent berichtete über diese sehr komplizierten Vorgänge einschließlich der Entwicklung der sogenannten T-Zellen, die zum Teil die Immunantwort auslösen, aber auch zu einer Toleranz gegenüber Allergenen beitragen. Eine Sensibilisierung gegen Fremdstoffe kann schon im 1. Lebensjahr einsetzen, ist aber auch in höherem Alter noch möglich.

Die im Rahmen der spezifischen Immuntherapie, z.B. bei Hyposensibilisierung gegenüber Gräserpollen, angewandten Therapieverfahren sehen im allgemeinen eine 3 Jahre lang anhaltende Behandlung mittels Injektionen in das Unterhautgewebe (subcutan)vor, wobei der Beginn über 3 Monate einschleichend durchgeführt wird und dann je nach gewähltem Verfahren vor der Allergensaison komplett unterbrochen bzw. auf eine Dosis von 10 % des Ausgangswertes vermindert wird. Auch eine Kurzzeittherapie von 3 bis 4 Monaten in einmaliger Dosierung wurde vom Referenten genannt.

Die verwendeten Allergenpräparationen beruhen auf wässrigen Lösungen und erreichen durch zugeführte Verzögerungsstoffe eine Depotwirkung, die zu erhöhter Stabilität, reduzierter Allergenität und erhöhter Immunantwort führen. Dazu gehören auch die sogenannten Allergoide, die über Depigmentierung und Polymerisation hergestellt werden und eine hohe Reinheit aufweisen. Mit den Allergoiden sinkt die Rate schwerwiegender systemischer Nebenwirkungen im Vergleich zu der konventionellen Therapie deutlich bei besserer Wirksamkeit der Hyposensibilisierung und dadurch bedingter deutlicher Reduktion der allergiebedingten Begleitmedikation, wie z.B. inhalativer Antiallergika.

Neuentwicklungen werden die Herstellung gentechnisch hergestellter Allergene beinhalten. Dieses Prinzip wird derzeit jedoch nur für die Forschung, für die Standardisierung von Allergenpräparaten und für die Diagnostik verwendet und erst langfristig in der spezifischen Immuntherapie zum Einsatz kommen.

Zum Schluß nahm der Referent noch Stellung zur sublingualen Immuntherapie, d.h. der Einnahme von Tropfen bzw. Tabletten zur Hyposensibilisierung . Hier läuft der Vorgang der Immunisierung über die Zellen der Mundschleimhaut ab. Es besteht hierfür eine eindeutige Vorgabe im Rahmen einer Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, die den Nachweis einer IgE-vermittelten Sensibilisierung und einen eindeutigen Zusammenhang zu Pollenallergenen mit klinischen Symptomen einer allergischen Rhinokonjunktivitis fordern, deren Behandlung mit einer klassischen Hyposensibilisierung durch Injektionen nicht in Frage kommt. Desweiteren wird die Verfügbarkeit von derartigen Allergenextrakten gefordert sowie der Wirkungsnachweis für die jeweilige Indikation. Das Alter der Patienten sollte vorzugsweise mehr als 18 Jahre betragen, was von der Tatsache herrührt, daß die Studienlage für Erwachsene besser ist als für Kinder und Jugendliche. Die Therapieergebnisse sind aber uneinheitlich, so daß sich kein Vorteil der sublingualen Immuntherapie zur Standardimmuntherapie ergibt, auch die Wirkung ist nicht gleichzusetzen. Dies gilt auch für die neueste Art der sublingualen Therapie in Tablettenform. Hier bringt die relativ hohe Dosis, die durch die Tablette zugeführt wird, eine gute Wirkung mit Senkung der Symptomhäufigkeit und Senkung der Notwendigkeit von Begleitmedikationen, die Wirksamkeit der sublingualen Therapie im Langzeitverlauf ist aber auch hier noch unsicher.

Eine weitere Neuerung stellt die Kombination der spezifischen Immuntherapie mit einem Antikörper gegen Allergieantikörper (anti-Ig E) dar. Diese Therapie zeigt eine deutlich bessere Wirkung, ist jedoch momentan noch sehr teuer und auch sehr aufwendig, so daß die Anwendung in der Routinetherapie derzeit noch nicht möglich ist.

Zusammenfassend riet der Referent dazu, derzeit bei entsprechender Notwendigkeit die hergebrachte subcutane Immuntherapie mittels Injektionen durchzuführen und die weitere Studienlage zu Alternativverfahren wie der sublingualen Therapie , sei es als Tropfen oder in Tablettenform, abzuwarten.

18.07.2007

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Ärztliche Fortbildung über neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie und Therapie des Reizdarmes

Im Rahmen der regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut referierte Herr Privatdozent Dr. Christian Pehl, Chefarzt der Medizinischen Klinik Vilsbiburg, zu neuen Erkenntnissen zur Pathophysiologie und Therapie des Reizdarmes. Herr Dr. Pehl präsentierte Daten, dass das Reizdarm eine weltweit vorkommende Funktionsstörung bzw. Erkrankung ist und mindestens 6% aller Menschen betrifft. Allerdings sind nur etwa ein Viertel der Betroffenen so stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, dass sie ärztliche Hilfe benötigen. Dennoch leiden aufgrund der Häufigkeit der Symptomatik 12% aller Patienten beim Hausarzt und sogar bis zu einen Drittel der Patienten beim Magen-Darm-Spezialisten an einem Reizdarm.

PD Dr. Christian Pehl
PD Dr. Christian Pehl

Den zahlreichen anwesenden Ärztinnen und Ärzten aus dem Raum Landshut legte Herr Dr. Pehl dar, dass die Diagnose eines Reizdarmes anhand der Symptomkonstellation von chronisch (>6 Monate) rezidivierenden (>2Tage/Woche) Bauchschmerzen in Verbindung mit Stuhlunregelmäßigkeiten gestellt werden kann. Weitergehende Untersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen sind zumeist nur bei Vorliegen von Alarmsymptomen (z.B. Blut im Stuhl, Gewichtsabnahme) oder einem Alter über 50 Jahren notwendig. Herr Dr. Pehl führte weiter aus, dass das Reizdarm-Syndrom anhand der vorherrschenden Störung des Stuhlverhaltens eingeteilt werden kann in einen Durchfall-Typ, einen Verstopfungs-Typ, einen Typus mit wechselndem Stuhlverhalten sowie einen Typus mit Vorherrschen von Schmerz und/oder Blähungen.

Im weiteren Verlauf des Vortrages stellte Herr Dr. Pehl vor, wie man sich die Entstehung des Reizdarm aufgrund der neuen Erkenntnisse vorstellt. Während man früher von einer Störung der muskulären Transportfunktion ("Motilitätsstörung") ausging, weiß man nun, dass auch Störungen der Wahrnehmung der Darmbewegungen, des Gastransportes sowie eine Verarbeitungsstörung von Meldungen aus dem Darm im Gehirn eine Rolle spielen. Umgekehrt können psychische Faktoren u.a. Stress über nervale und hormonelle Einflüsse störend auf die Darmfunktionen einwirken. Bei einem Teil der Patienten mit Reizdarm-Syndrom entwickeln sich die Störungen nach einer durchgemachten Magen-Darm-Grippe. Hier finden sich u.a. Störungen im Mikrokosmos des Darmes mit einer Persistenz erhöhter Entzündungszellen (u.a. Lymphocyten, Mastzellen). Zum Mikrokosmos des Darmes gehören auch die im Darm lebenden Bakterien, die vielfältige Wechselwirkungen mit dem Darm bzw. dem Immunsystem des Darmes eingehen. Hierauf beruhen Therapieversuche des Reizdarmes mit Antibiotika oder Probiotika ("nützliche" Bakterienstämme).

Herr Dr. Pehl legte ferner dar, dass Patienten mit Reizdarm sehr häufig über Beschwerden im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme klagen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um echte Allergien, sondern um Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dabei spielen spezifische Unverträglichkeiten z.B. gegen Milchzucker (Laktose-Intoleranz), Fruchtzucker (Fructose-Intoleranz) oder Getreidebestandteile (Sprue) nur selten eine Rolle. Es ist daher sehr wichtig, den Patienten mit Reizdarm ernährungsmedizinisch kompetent zu beraten, damit es nicht zu einer Mangeldiät kommt. Noch nicht ausreichend belegt sind Diätempfehlungen, die auf dem Nachweis von Immunglobulin G Reaktionen auf Nahrungsmittel beruhen.

Eine entscheidende Rolle in der Kontrolle der Darmbewegungen und deren Wahrnehmungen spielt gemäß den Ausführungen von Herrn Dr. Pehl das Darmhormon Serotonin. Neue Forschungsergebnisse weisen auf Störungen in der Ausschüttung (verminderte Wirkspiegel) oder im Abbau (erhöhte Wirkspiegel) dieser Substanz bei Patienten mit Reizdarm-Syndrom hin. Diese Befunde können eine Erklärung dafür sein, dass bei einem Reizdarm sowohl Durchfall als auch Verstopfung – und nicht so selten im Wechsel – vorkommen können. Große Hoffnungen wurden daher auch in Medikamente gesetzt, die in den Serotonin-Haushalt eingreifen. Tatsächlich waren diese Substanzen in großen Studien effektiv, sind aber aufgrund zwar sehr seltener, aber ernster Nebenwirkungen aktuell in Deutschland nicht verfügbar.

Abschließend gab Herr Pehl noch einen Überblick über die möglichen Therapieoptionen bei Vorliegen eines Reizdarmes. Wichtig ist zunächst eine Aufklärung des Patienten über die Ursache seiner Beschwerden, die in einer Funktionsstörung des Darmes aufgrund einer neuro-humoralen-immunologischen Dysregulation begründet sind. Weiterhin sind realistische Therapieziele anzusprechen – eine komplette Symptombefreiung ist nicht zu erwarten, vielmehr ein Leben ohne Beeinträchtigung der Lebensqualität anzustreben. Die Art der Therapie richtet sich dabei stark nach der im Vordergrund stehenden Beschwerdesymptomatik (Durchfall, Verstopfung, Blähungen und/oder Schmerz) und reicht von pflanzlichen Präparaten und Probiotika über medikamentöse Therapiemaßnahmen bis hin zu psychologisch orientierten Therapieverfahren und Hypnosebehandlung.

Der informative Abend endete mit einer angeregten Diskussion, in der der Referent Herr PD Dr. Pehl den zahlreichen anwesenden Kolleginnen und Kollegen für weitere Fragen zum Thema zur Verfügung stand.

4.07.2007

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Ärztliche Fortbildung über Bewegungsstörungen, Tics, Tremor und Parkinson`sche Krankheit.

Im Rahmen der monatlichen Fortbildungen des Ärztlichen Kreisverbands Landshut sprach Herr Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann aus der Neurologischen Klinik München zu den zahlreich erschienenen, interessierten Ärzten. Der Referent habilitierte an der TU München und ist Spezialist für Bewegungsstörungen des zentralen Nervensystems.

Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann
Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann

Er demonstrierte in seinem Vortrag anhand anschaulichen Videomaterials verschiedene Bewegungsstörungen, wobei er anfangs unterschiedliche Arten des Zitterns (Tremor) zeigte. Physiologischerweise hat jeder Mensch einen mehr oder weniger ausgeprägten Tremor, der in der Regel keiner Behandlung bedarf. Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Tremor gleichbedeutend ist mit Parkinsonkrankheit, stellt der essenzielle (angeborene) Tremor die häufigste Form dar. Dabei handelt es sich oft um vererbte rhythmische Bewegungsstörungen, denen keine neurologische Erkrankung zugrunde liegt und die, wenn notwendig, mit Medikamenten in der Regel gut zu behandeln sind. Weitere Tremorursachen können in unerwünschten Wirkungen von Medikamenten oder auch Stoffwechselstörungen begründet sein. Bei starkem und einseitig störendem Zittern, das auf Medikamente nicht anspricht, kann das Leiden auch mittels Tiefenhirnstimulation deutlich gemindert werden. Bei der Parkinsonkrankheit und parkinsonähnlichen Störungen dagegen ist der Tremor nur eines von weiteren Symptomen wie Muskelsteifigkeit, Bewegungsverlangsamung und Standunsicherheit. Auch hier muss zunächst eine medikamentöse Ursache ausgeschlossen werden, wie z. B. Einnahme bestimmter Psychopharmaka, aber auch von Mitteln gegen Übelkeit und gegen Durchblutungsstörungen.

Bei der komplexen Störung einer Parkinsonerkrankung werden vornehmlich Mittel eingesetzt, die im Stande sind, die vorliegende Störung des Botenstoffes Dopamin zu regulieren. Dabei wurden auch neue Medikamente vorgestellt: Ein Agonist (Förderer), des Dopamins, wobei die Tagesdosis des Wirkstoffs über ein Hautpflaster, ähnlich einem Schmerzpflaster, über die Haut aufgenommen wird und eine alternative Behandlung mit Apomorphin, das über eine Medikamentenpumpe verabreicht, oft im Spätstadium bei Wirkungsverlust anderer Medikamente wirkt.

Ein weiteres Thema waren Tic-Erkrankungen und Dyskinesien. Tics sind unwillkürliche, stereotype Bewegungen, die häufig bei Buben im Alter zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr auftreten und mit zunehmendem Alter spontan abklingen. Nur selten ist hier eine medikamentöse Behandlung nötig. Dyskinesien sind lang anhaltende, sich ständig wiederholende Muskelkontraktionen, die oft verzerrende Bewegungsmuster mit sich bringen. Hier ist fast immer therapeutische Intervention notwendig, da sie Kontrakturen und Fehlhaltungen verursachen können und die Betroffenen durch zum Teil bizarre Bewegungsmuster behindern und sozial isolieren. Zu ihnen zählen z. B. der Schiefhals, der Schreibkrampf und der Lidkrampf. Bekannte, aber auch neue Therapieverfahren, wie Tiefenhirnstimulation sind in diesen Fällen angezeigt, daneben aber auch physikalische Therapieformen, insbesondere bei Schluck- und Sprechstörungen.

Wie immer wurden viele der in der täglichen Praxisarbeit anfallenden Probleme abschließend diskutiert.

22.05.2007

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Gelenk- und Muskelschmerzen – was ist zu tun?

Im Rahmen der monatlichen ärztlichen Fortbildungen des Ärztlichen Kreisverbands sprach am 14.03.2007 Herr Professor Dr. med. Martin Fleck, Chefarzt der Rheumatologischen Klinik des Asklepios Klinikums in Bad Abbach zu Landshuter Ärzten.

Professor Dr. med. Martin Fleck
Professor Dr. med. Martin Fleck

Gelenk- und Muskelschmerzen gehören zu den Beschwerden, von denen fast jedermann irgendwann einmal betroffen ist. In den meisten Fällen sind diese Beschwerden harmlos und verlaufen selbstheilend. Allerdings können sie auch die ersten Symptome einer akuten bzw. chronischen entzündlichen Erkrankung sein, die nicht nur auf den Bewegungsapparat beschränkt bleiben. Warnsymptome sind Gelenkschwellungen, die über mehrere Wochen anhalten. Kommen dann auch noch eine sogenannte "Morgensteifigkeit" sowie allgemeines Krankheitsgefühl hinzu, sollte unbedingt eine gründliche ärztliche Abklärung erfolgen. Insbesondere ist dann an eine rheumatoide Arthritis als Ursache der Beschwerde-symptomatik zu denken, die mit einem Auftreten von 0,5 bis 1 % neben der Gicht die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung darstellt. Aber auch andere, weniger häufig vorkommende rheumatische Erkrankungen wie z. B. die Schuppenflechtenarthritis (Psoriasisarthritis) oder der Morbus Bechterew sowie seltene Kollagenosen (Bindegewebs-erkrankungen) und Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) kommen dann in Betracht.

Gerade in der Rheumatologie wurden in den letzten Jahren neue Therapiestrategien entwickelt und umgesetzt, die zu einer wesentlichen Verbesserung in der Behandlung geführt haben. Deshalb ist die Früherkennung entscheidend für die Krankheitsprognose und alle Patienten, bei denen eine nicht verletzungsbedingte Schwellung eines oder mehrerer Gelenke über 6 Wochen anhält, sollten einem Rheumatologen vorgestellt werden. Weitere wichtige Leitsymptome für eine rheumatoide Arthritis sind eine Morgensteifigkeit von mehr als 30 min. Dauer, ein symmetrischer Gelenkbefall sowie der nächtliche oder Ruheschmerz von Gelenken. Hinter chronischen Rückenschmerzen verstecken sich auch manchmal entzündliche rheumatische Erkrankungen. Insbesondere wenn diese vor dem 40. Lebensjahr mit schleichendem Beginn auftreten, ein morgendliches Schmerzmaximum aufweisen und sich auf Bewegung bessern, sollte eine weitergehende rheumatologische Abklärung erfolgen.

Neu entwickelte Blutuntersuchungen helfen, die Ursachen der Gelenkbeschwerden weiter einzuordnen. Eine Untersuchung auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen sogenannte "citrullinierte Peptide" ist neben der Bestimmung des Rheumafaktors bei der Diagnose einer rheumatoiden Arthritis hilfreich, weshalb ab Juli 2007 die Kosten für die Durchführung dieses Testes von den Krankenkassen übernommen werden. Sinnvoll kann auch eine diagnostische Punktion entzündeter Gelenke mit einer gründlichen Analyse der Gelenkflüssigkeit sein, die immer bei Verdacht auf eine Gelenkinfektion durchgeführt werden sollten. Darüberhinaus kann durch Anfertigung konventioneller Röntgenbilder das Ausmaß von bereits vorhandenen Gelenkschädigungen und ggf. der Verlauf der Erkrankung abgeschätzt werden. Röntgenuntersuchungen sind jedoch ungeeignet, frühe Gelenkläsionen nachzuweisen, es lassen sich damit nur fortgeschrittene entzündliche Gelenkschäden erfassen. Deshalb mussten neue Untersuchungstechniken entwickelt werden, die insbesondere zum Nachweis früher entzündlicher Veränderungen geeignet sind. Durch den Ultraschalluntersuchungen von Gelenken lassen sich Gelenkergüsse, Entzündungen der Gelenkinnenhaut sowie frühe Knochen- und Knorpelschäden sicher feststellen. In unklaren Fällen ist die Durchführung einer Magnetresonanztomographie sinnvoll, die aktuell als der "Goldstandard" bei der Abklärung entzündlicher Gelenkveränderungen eingesetzt wird.

Entzündliche rheumatische Erkrankungen müssen jedoch nicht auf den Bewegungsapparat beschränkt bleiben. Bei verschiedenen Erkrankungen können auch innere Organe wie z. B. die Nieren, die Leber, die Lungen, das Herz, die Augen oder auch das Nervensystem betroffen sein, was für den betroffenen Patienten sogar lebensbedrohlich verlaufen kann. Um solche schweren Krankheitsverläufe zu verhindern ist die Früherkennung dieser Erkrankungen so wichtig, dass in vielen rheumatologischen Zentren (z.B. Klinik für Rheumatologie des Asklepios Klinikums Bad Abbach und die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I der Universität Regensburg) eigene Früharthritis-Sprechstunden eingerichtet wurden, die auf die Diagnostik und Therapie von Patienten im Frühstadium rheumatischer Erkrankungen spezialisiert sind.

Häufig werden diese Erkrankungen erst als Zufallsbefund bei einer Einstellungsuntersuchung oder bei einem Gesundheitstest entdeckt. Wegen der in den letzten Jahren zunehmend bei chronischen Lebererkrankungen gegeben guten Behandlungsmöglichkeiten sollte bei allen Lebererkrankungen eine weitere Abklärung erfolgen.

26.03.2007

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Chronische Lebererkrankungen: Häufig unerkannt

Im Rahmen der monatlichen Fortbildungsveranstaltungen des >Ärztlichen Kreisverbandes Landshut sprach Frau Oberärztin Dr. Cornelia Gelbmann von der Medizinischen Klinik I der Universität Regensburg über Fortschritte in der Erkennung und Behandlung chronischer Lebererkrankungen. Sie sprach zunächst über die sehr häufigen chronischen viralen Leberenzündungen. Während man davon ausgeht, dass weltweit 300 Millionen Menschen mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sind, nimmt man an, dass allein in Deutschland eine halbe Million Menschen Träger des Hepatitis C-Virus sind.

Dr. Cornelia Gelbmann
Dr. Cornelia Gelbmann

Hepatitis B wird durch Kontakt mit infiziertem Blut übertragen. Dies kann während der Geburt von der Mutter auf das Kind und durch Geschlechtsverkehr erfolgen. Die Übertragung durch operative Eingriffe oder Bluttransfusionen kommt heute praktisch nicht mehr vor.

Die Hepatitis C wurde Ende der 80er Jahre entdeckt, so dass erst seit 1990 Blutkonserven auf dieses Virus untersucht werden. Nachdem dieser Übertragungsweg heutzutage eine absolute Rarität geworden ist, ist die Hepatitis C die typische Erkrankung des Drogenabhängigen, da über die Verwendung einer infizierten Nadel die Infektion stattfinden kann. Für die Behandlung der chronischen Hepatitis C stehen zunehmend Medikamente zur Verfügung, was die Behandlungsergebnisse verbessert, aber ihre Durchführung sehr kompliziert hat. Bei dem Hepatitis C-Virus kennt man 6 unterschiedliche so genannte Genotypen, die ganz wesentlichen den Therapieerfolg beeinflussen. So muss z. B. der Genotyp I des Hepatitis C-Virus länger behandelt werden, während dies bei einem Genotyp II nur über 24 Wochen notwendig ist. Zukünftig wird die Intensität der Behandlung bei der Hepatitis C wesentlich von Genotyp und Viruslast bestimmt werden.

In den letzten beiden Jahrzehnten sind zunehmend neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen der so genannten nicht-alkoholischen Fettleber und Übergewicht gemacht worden. Die hochkalorische Ernährung in der westlichen Welt mit Bewegungsarmut hat zu einer Zunahme von Übergewicht geführt. Das Fett lagert sich dabei nicht nur an den bekannten typischen Stellen im Unterhautbindegewebe und im Bauchbereich an, sondern auch in der Leber ein. Häufig geht die nicht-alkoholische Fettleber mit Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus einher. Behandlungsmöglich-keiten mit Medikamenten sind praktisch nicht gegeben. Nur die Risikofaktoren können behandelt werden. So kann eine allmähliche Gewichtsreduktion alle Symptome bessern.

Erkennt das Immunsystem des Körpers die Leber als fremdes Organ, so kommt es zu einer so genannten Autoimmunhepatitis, von der man heutzutage unterschiedliche Typen kennt. Durch Nachweis spezifischer Antikörper können diese Sonderformen voneinander unterschieden werden. Die Behandlung erfolgt mit Cortison und/oder Immunsuppressiva.

Häufig werden diese Erkrankungen erst als Zufallsbefund bei einer Einstellungsuntersuchung oder bei einem Gesundheitstest entdeckt. Wegen der in den letzten Jahren zunehmend bei chronischen Lebererkrankungen gegeben guten Behandlungsmöglichkeiten sollte bei allen Lebererkrankungen eine weitere Abklärung erfolgen.

25.10.2006

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Multiple Sklerose Therapie 2007: Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven

Zu diesem Thema sprach Herr PD Dr. Andreas Steinbrecher, Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Regensburg, Leiter der dortigen Neuroimmunologischen Ambulanz und seit Jahren klinisch und experimentell in der MS forschung tätig am 14. Februar 2007 bei der monatlichen Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes in den Bernlochner Stadtsälen, zu der der Vorsitzende Dr. Werner Resch geladen hatte. Frau Dr. Brigitte Wittmann stellte das Thema und den Referenten kurz vor.

PD Dr. Andreas Steinbrecher
PD Dr. Andreas Steinbrecher

MS betrifft in Deutschland etwa 120 000 Menschen. Die Bedeutung der Erkrankung für die Gesellschaft ist groß, der Krankheitbeginn liegt meist im jungen Erwachsenenalter, einem Lebensabschnitt von Plänen und Produktivität, MS ist in diesem Alter nach den Unfällen die zweithäufigste Ursache für bleibende körperliche Behinderung. Auch wenn noch viele Fragen zu den Ursachen ungeklärt sind, sind die Zeiten eines therapeutischen Nihilismus vorbei.

Herr Dr. Steinbrecher stellte zu Beginn das aktuelle Wissen über die Entstehung dieser Autoimmunkrankheit dar. Eine genetische Disposition und noch nicht bekannte und möglicherweise auch verschiedene Umwelteinflüsse führen zur einer Aktivierung von Lymphozyten die dann die Bluthirnschranke überwinden können, im Zentralnervensystem antigenpräsentierende Strukturen erkennen und eine myelinzerstörende Immunantwort in Gang setzen. Bei der Multiplen Sklerose ist nach neueren Forschungsergebnissen jedoch nicht nur Entmarkung und gleichzeitig partielle und unvollständige Remyelinisierung, sondern auch bereits in frühen Stadien der Erkrankung eine direkte Schädigung von Nervenaxonen vorhanden. Letztere ist wohl besonders für schwere und anhaltende Symptome verantwortlich. Lange hielt man MS für eine rein T-zell bedingte Autoimmunkrankheit, in den letzten Jahren kommt jedoch erneut eine B-Zell vermittelte Immunreaktion mit Antikörper- und Komplementaktivierung als ursächlicher Mechanismus in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die bahnbrechenden immunhistologischen Forschungen der Arbeitsgruppen um Lassmann in Wien, Brück in Göttingen und Frau Lucchinetti in Rochester, Minnesota konnten 4 verschiedene Arten von MS-läsionen identifizieren, die in unterschiedlicher Häufigkeit aber beim selben Individuum stets gleichartig vorhanden sind. In einzelnen Fällen können klinische Erscheinungsbilder den immunpathologischen Läsionstypen zugeordnet werden, meist fehlen jedoch dazu noch die Möglichkeiten Während Lasionstyp eins und zwei vor allem durch Entzündungsreaktion geprägt sind, dominieren in den Läsionstypen 3 und 4 degenerative Vorgänge.

Aktuell wird für den akuten Krankheitsschub die Cortisonpulstherapie empfohlen, wobei verschiedene Variationen von Dosierung und Dauer gebräuchlich sind. Wissenschaftlich gesichert ist die, durch diese Therapie erfolgende, schnellere Rückbildung von Schubsymptomen, nicht eindeutig wissenschaftlich belegt sind Langzeiterfolge.

Von den verlaufsmodifizierenden Basistherapien müsse man gute Verträglichkeit, Schubratenreduktion, geringere Behinderungsprogression und Verminderung von Entzündungsaktivität fordern. Diese Forderungen seien, sagte Dr. Steinbrecher, im Wesentlichen durch die seit Mitte der 90er Jahre verfügbaren Betainterferone Glatirameracetat erfüllt. Diese Medikamente haben sich als sicher erwiesen. Lästig bleiben allerdings für die Patienten lokale Hautreaktionen und grippeähnliche Beschwerden als Nebenwirkung und die Notwendigkeit, sich häufig selbst zu injezieren. Es kann eine Schubratenreduktion um 30% erreicht werden sowie signifikant verringerte Entzündungsaktivität im MRT. Auch das Fortschreiten der Behinderung wird, allerdings in einem weniger ausgeprägten Maß. Der Wirkmechanismus der Interferone ist bis heute nicht voll bekannt.

An weiteren, für eine Standardtherapie noch nicht genügend untersuchten, jedoch interessanten immunmodulierenden Substanzen erwähnte Herr Dr. Steinbrecher die als Lipidsenker in der internen Medizin weitverbreiteten Statine und das Antibiotikum Minocyclin.

In der Eskalation der Therapie bei schweren schubförmigen Verläufen und Versagen der immunmodulatorischen Basistherapie aber auch bei sekundär chronischer Progredienz mit drohender relevanter Behinderungsprogression werden immunsuppressive Strategien eingesetzt. Standard ist hier die Mitoxantrontherapie, die allerdings durch ihre Kardiotoxizität in ihrer kumulativen Dosis begrenzt ist, so dass diese Therapie in der Regel nicht viel länger als 2-3 Jahre gegeben werden kann. Eine weitere Eskalation in schwersten Verläufen ist dann Cyclophosphamid.

Experimentelle Therapieverfahren wie die Knochenmarkstransplantation sind aufgrund der hohen Risiken eher theoretisch interessant, mit ihr ließe sich möglicherweise eine bislang sonst ja nicht mögliche echte Heilung erzielen. Stammzelltherapien sind noch weit von einer realen Anwendung entfernt.

Eine neuartige und vielversprechende Substanz ist das 2006 in Europa zugelassene Natalizumab. Es handelt sich um einen Antikörper gegen ein Adhäsionsmolekül der Bluthirnschranke. Bei Blockade dieses Adhäsionsmoleküls heften sich die im Blut zirkulierenden aktivierten Lymphozyten nicht mehr an der Endothelmembran an, können nicht mehr ins ZNS eindringen. Natalizumab bewirkte in den Studien eine Schubratenerniedrigung von 68% und einen Rückgang der Entzündungsaktivität im MRT um 83% . Die Substanz wird monatlich intravenös infundiert. Sie ist nicht immunsuppressiv und zeigte sich gut verträglich, wobei auf allergische Reaktionen geachtet werden muss. Bei der kombinierten Therapie von Interferon in einem Fall auch andererer immunsuppressiver Substanzen und Natalizumab trat in 3 von > 3000 Fälle in den USA eine seltene schwerwiegende opportunistische Infektion des Gehirns auf. Dies führte in USA zu einer Rücknahme des bereits zugelassenen Medikaments 2005, das erst nach umfangreichen Nachuntersuchungen von >90% aller mit der Substanz behandelter Patienten, wobei kein weiterer Fall gefunden wurde, wieder zur Verfügung steht. Eine gewisse Unsicherheit bezüglich in der Langzeit möglicher noch unbekannter Folgen selektiver Immuninterventionen bleibt jedoch bestehen. Daher ist dieses Medikament aktuell nur für schwere schubförmige Verläufe oder bei Versagen der Basistherapien (Interferon, Glatiramerazetat) einzusetzen.

Als weitere interessante kurz vor der Zulassung stehende Substanz erwähnte der Referent Fingolimod. Diese Substanz zeigte sich in den Studien ähnlich effektiv wie Natalizumab, sie wirkt im Lymphknoten, indem sie die aktivierten Lymphozyten dort zurückhält. Bei guter Verträglichkeit ist diese Substanz ein orales Medikament, was für viele "spritzenmüde" Patienten eine große Erleichterung bedeuten würde.

Behandlungsstrategien für die nicht-entzündliche Komponente der Krankheit, Substanzen, die Nervenaxone schützen oder deren Regeneration fördern sind aktuell noch in einem wesentlich früheren Forschungsstadium.

Zusammenfassend verdeutlichte Herr Dr. Steinbrecher, dass trotz großer therapeutischer Fortschritte und Perspektiven die Problematik bestehen bleibt, dass man einerseits möglichst im aktiven anfänglichen Stadium der Erkrankung intensiv intervenieren möchte, um erfolgreich zu behandeln, andererseits in diesem Stadium oft schwer einzuschätzen ist wie schwer oder leicht der Krankheitsverlauf sein wird. Zahlreiche Fragen zeigten das große Interesse am Thema und vertieften einzelne Aspekte, Herr Dr. Steinbrecher beantworte viele praktische Fragen mit der Souveränität seiner großen klinischen Erfahrung.

25.02.2007

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Früherkennung des Herzinfarktes im EKG und frühzeitige Maßnahmen in der ärztlichen Praxis

Im Rahmen der monatlichen Fortbildungen des Ärztlichen Kreisverbands Landshut referierte der Chefarzt der Medizinischen Klinik I Herr Prof. Dr. Helmut Wollschläger vom Klinikum St. Marien in Amberg. Mit großer Erfahrung und Sachkunde demonstrierte der Referent, wie auch kleine EKG-Veränderungen schon auf einen beginnenden Herzinfarkt hinweisen können und unverzügliches ärztliches Handeln erfordern. "Zeit ist Muskel", nämlich Herzmuskel: Dieses plakative Schlagwort sollte deutlich machen, dass mit zunehmender Dauer eines Herzinfarktes ab Symptombeginn immer mehr Herzmuskelgewebe unwiderruflich zugrunde geht und die Prognose des Patienten sich damit dramatisch verschlechtert. Andererseits kann bei frühzeitigem Eingreifen ein dauerhafter Schaden vom Herzen abgewendet werden.

Prof. Dr. Helmut Wollschläger
Prof. Dr. Helmut Wollschläger

Die Ursache eines Herzinfarkts ist ein plötzlicher Verschluss eines Gefäßes (Herzkranzgefäß oder Koronararterie), das den Herzmuskel selbst mit Blut versorgt. Er ist meist durch eine Gerinnselbildung in einer vorgeschädigten Arterie bedingt und führt sofort durch die Sauerstoffarmut im betroffenen Teils des Herzmuskels zum Funktionsverlust und bald auch zum Absterben von Herzmuskelgewebe. Er bedroht das Leben des Patienten durch ein Pumpversagen des Herzens und durch Herzrhythmusstörungen und kann (nahezu 50 % der Fälle) vor allem in den ersten Stunden zum plötzlichen Herzstillstand führen.

Die wichtigste Maßnahme ist das Erkennen der Situation und die unverzügliche Einweisung des Patienten in ein kardiologisches Zentrum mit Herzkatheterlabor. Hier können die verschlossenen Herzkranzgefäße bei einem akuten Herzinfarkt mit einem Ballonkatheter innerhalb kurzer Zeit aufgedehnt und somit wieder eröffnet werden. Anschließend erfolgt die Implantation eines Stents (Gefäßstütze), um das Ergebnis der Aufdehnung zu sichern. Nur mit diesen Maßnahmen kann die lebensbedrohliche Situation, die bei abgelaufenem Infarkt in nahezu 50% zum Tode führt, rasch beseitigt werden. Auch wenn der Herzinfarkt überlebt wird, verbleibt oft eine dauerhafte Herzschädigung mit Herzschwäche, Atemnot und Verminderung der Lebensqualität sowie der Lebensdauer. Der Patient kann alles gewinnen, wenn er selbst und der erstbehandelnde Arzt rasch und richtig handeln, aber auch alles verlieren, wenn zu viel Zeit verstreicht. "Die goldene Stunde ist die erste Stunde", beendete der Referent seine Ausführungen und stellte sich dann den vielen Fragen der zahlreich erschienenen Ärzte, die die Auswirkungen dieser gefährlichen Volkskrankheit täglich in ihren Praxen erleben.

31.01.2007

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Chronische Obstipation – Ursachen, Diagnostik und Behandlung
Fortbildungsveranstaltung des ÄKV Landshut am 15.12.2006

Der ärztliche Direktor der Medizinischen Klinik I der Universitätsklinik in Regensburg Herr Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich sprach auf der letzten Fortbildungsveranstaltung des ärztlichen Kreisverbandes über ein Leiden, das insbesondere in der älteren Bevölkerung weit verbreitet ist: die Verstopfung. Einführend erläuterte er den normalen Ablauf der Verdauung. Die mit den Mahlzeiten zugeführten Nährstoffe gelangen über den Magen in den oberen Dünndarmabschnitt, wo sie mit Hilfe von Säften aus dem Dünndarm selbst, der Bauchspeicheldrüse und Galle aufgeschlossen und schließlich in die Blutbahn aufgenommen werden. Die unverdaulichen Bestandteile gelangen zusammen mit Dünndarmsekret in den Enddarm, wo dem Stuhl Wasser und wichtige Salze entzogen werden. Durch vorwärtsschiebende Bewegungen des Dickdarms gelangt der eingedickte Stuhl in den Mastdarm, wodurch der Stuhldrang und die Stuhlentleerung ausgelöst werden. Dies stellt ein sehr komplexes Geschehen dar, an dem die Beckenbodenmuskulatur, die glatte Muskulatur des Darmes und eine Vielzahl von Nerven beteiligt sind.

Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich
Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich

Man spricht von einer Verstopfung, wenn höchstens 3 Stuhlentleerungen pro Woche vorliegen oder regelmäßig die Notwendigkeit zum Pressen besteht. In der gesunden Bevölkerung leiden bis zu 10 %, bei älteren Menschen ca. 20 %. an einer Obstipation. In dieser Altersgruppe tragen viele Faktoren zu einer Verstopfung bei. Hierzu gehört die Ernährung mit einer ballaststoffarmen Kost und insbesondere die ungenügende Flüssigkeitszufuhr. Weitere Faktoren sind ein Mangel an körperlicher Bewegung und die Muskelschwäche bei der Bauchpresse. Auch psychische Erkrankungen, wie eine Depression, können sich ungünstig auswirken. Gelegentlich sind es auch Medikamente, die zu einer Darmträgheit führen können. Dem Arzt stehen verschiedene Möglichkeiten zur Diagnostik zur Verfügung. Hierzu gehören neben der Befragung des Patienten auch endoskopische und radiologische Methoden. Eine Störung des Ablaufs der Stuhlentleerung kann durch spezielle Druckmessungen im Bereich des Enddarms weiter abgeklärt werden.

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung der Verstopfung ist die Aufklärung über die Natur des Leidens. Wichtig ist neben einer ausreichenden körperlichen Bewegung die Zufuhr von einer ballaststoffreichen Ernährung (Weizenkleie), von Quellstoffen oder von nicht verdaubaren Zuckern wie zum Beispiel Lactulose. Andere Substanzen dienen der Anregung der Aktivität des Darmes. Häufig eingesetzte Abführmittel sind so genannte Quellmittel, die über eine Flüssigkeitsansammlung im Dickdarm zu einer Verkürzung der Passagezeit und zu einer weicheren Konsistenz des Stuhles führen. Wichtig ist eine ausreichende gleichzeitige Flüssigkeitszufuhr bei Einnahme dieser Medikamente. Seltene Ursachen finden sich für eine Obstipation im Enddarm. Hierzu gehören Störungen, die den normalen Entleerungsmechanismus beeinträchtigen und zum Beispiel durch moderne röntgenologische Verfahren zur diagnostizieren sind. Im täglichen Alltag ist die Verstopfung ein häufiges und den Patienten sehr belästigendes Problem. Die zahlreichen Zuhörer konnten von diesem interessanten Vortrag viele Erkenntnisse mitnehmen, die unmittelbar im täglichen Praxis-Alltag umzusetzen sind.

12.01.2007

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Schlafbezogene Atmungsstörungen

Schlafbezogene Atmungsstörungen(SBAS) treten in einer Häufigkeit von 4% bei Männern und 2% bei Frauen meist in Verbindung mit Übergewicht auf. Häufigste SBAS ist das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom. Hinweise darauf sind lautes Schnarchen in Verbindung mit beobachteten Atempausen, morgendliche Müdigkeit, Tagesmüdigkeit und ggf. Einschlafen beim Autofahren mit erhöhter Unfallgefahr. Durch die Atemstörungen kommt es zu regelmäßigen Abfällen des Sauerstoffgehaltes im Blut. Daraus resultieren eine Begünstigung von Arteriosklerose , damit das Auftreten von Durchblutungs-störungen am Herzen einschließlich des Herzinfarktes, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Hochdruck im Lungenkreislauf und Schlaganfall. Auch besteht eine Verbindung zwischen Diabetes und Schlaf-Apnoe. Gerade der schlecht einstellbare Hochdruck sollte zu einer Abklärung bezüglich einer Atemstörung führen, entsprechende Empfehlungen sind mittlerweile in der Hochdruckdiagnostik fest verankert.

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Die Abklärung erfolgt bei entsprechendem Verdacht mittels eines Screeninggerätes, das Atmung, Sauerstoffgehalt, Herzfrequenz, Lage, Atembewegung misst, bei einem hierfür ausgebildeten und zugelassenen Arzt (Lungenärzte, Kardiologen, Neurologen, HNO-Ärzte). Sollte sich hierdurch der Verdacht erhärten, ist die anschließende Untersuchung im Schlaflabor mittels der Polysomnographie als dem Goldstandard in der Schlafmedizin notwendig. Hierdurch wird die Verdachtsdiagnose bestätigt oder ausgeschlossen. Bei Bestätigung erfolgt die weitere Beratung über die notwendige Therapie. Die einzig sinnvolle Therapie ist hierbei die kontinuierliche Beatmung über eine Nasenmaske mit einem Positivdruckverfahren, der CPAP-Beatmung. Alternative Behandlungsverfahren wie Operation, Unterkieferschienen oder Medikamente werden nach Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin nur in sehr ausgewählten Fällen bzw. gar nicht empfohlen. Bei optimaler Einstellung der CPAP-Therapie im Schlaflabor und regelmäßiger Anwendung durch den Betroffenen selbst wird ein eindeutig positiver Einfluß auf die oben erwähnten Erkrankungen mit dtl. Verringerung der hierdurch hervorgerufenen gesundheit-lichen Risiken ausgelöst. Dies ist mittlerweile auch wissenschaftlich in zahlreichen Untersuchungen eindeutig belegt worden.

31.11.2006

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Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen

Eine Nacht mit schlechtem Schlaf hat jeder schon einmal erlebt. Für viele Menschen aber sind Schlafstörungen ein tägliches Problem. Wenn sich Schlafstörungen einmal entwickelt haben, neigen sie sehr dazu, chronisch zu werden, das heißt, über Monate oder Jahre bestehen zu bleiben. Zahlreiche Patienten haben sich schon mit ihren Schlafstörungen abgefunden, so dass sie ihr Problem gegenüber ihrem Arzt überhaupt nicht mehr ansprechen. Dabei bietet sich aber durch den Einsatz von spezifischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in vielen Fällen die Möglichkeit von wirksamer Hilfe. Die Schlafmedizin hat sich in den letzten Jahren als eine eigenständige medizinische Fachdisziplin entwickelt. Sie unterscheidet über 80 verschiedene Formen von Schlafstörungen, die jeweils eine spezielle Behandlung erfordern. Besonders häufig sind Ein- und Durchschlafstörungen anzutreffen, die verschiedenste Ursachen haben können.. Neben akuten Ursachen, wie psychische Belastungen, Lärm oder Schmerzen gibt es auch eine "gelernte Schlaflosigkeit", bei der sich die Schlafstörung von dem ursprünglichen Auslöser abgekoppelt hat und sich selbst unterhält. Hier muss der Patient durch spezielle Trainingsprogramme wieder "lernen" zu schlafen. Besonders schwierig ist es, wenn der Patient seinen an und für sich guten Schlaf nicht mehr wahrnimmt und sich selbst Tag und Nacht als wach erlebt. Dieser Zustand kann nur im Schlaflabor sicher erkannt werden.

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Eine häufige Ursache für einen gestörten Schlaf sind auch die "unruhigen Beine, das Restless-Legs-Syndrom (RLS)". In Ruhesituationen, vor allem abends und nachts, tritt in den Beinen ein intensiver Bewegungsdrang auf, der den Betroffenen förmlich zwingt, aufzustehen und herumzulaufen. Da diese Missempfindungen mehrfach im Lauf einer Nacht auftreten können, ist an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken. Nahezu jeder zehnte Mensch ist in mehr oder weniger schwerer Form vom RLS betroffen. Mit zunehmendem Alter wird die Erkrankung häufiger und intensiver. In den meisten Fällen lässt sich keine Ursache für die Erkrankung finden. Glücklicherweise gibt es inzwischen mehrere Medikamente, mit denen die Symptome des RLS effektiv behandelt werden können. Die Diagnose kann in vielen Fällen allein schon anhand der Angaben des Patienten gestellt werden. Bei Unsicherheit über die Diagnose schafft eine Untersuchung im Schlaflabor Klarheit.

pg - 30.11.2006

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Supportive Therapie bei Patienten mit malignen Erkrankungen

Bei der kürzlich stattfindenden monatlichen Fortbildungsveranstaltung des ÄKV Landshut sprach die Ltd. Ärztin der Abteilung Hämatologie/Onkologie am Klinikum Landshut, Frau Barbara Kempf über das Thema: "Supportive Therapie bei Patienten mit malignen Erkrankungen."

Frau Barbara Kempf
Frau Barbara Kempf

In den letzten Jahren ist es zu einem deutlichen Anstieg der Tumorerkrankungen gekommen, in Deutschlang werden derzeit ca. 400.000 Neuerkrankungsfälle pro Jahr gezählt. Die Fortschritte, die in der Behandlung bösartiger Erkrankungen erzielt wurden, sind jedoch unübersehbar und spiegeln sich mittlerweile auch in einer deutlich verbesserten Prognose für viele Patienten wieder.

Dabei ist ganz wichtig, dass die Behandlung der Tumorerkrankung inzwischen besser verträglich geworden ist. Die unterstützende (supportive) Therapie erfolgt begleitend zur eigentlichen Krebstherapie und hat zum Ziel, den allgemeinen Zustand und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, Nebenwirkungen der Krebstherapie zu vermindern und deren Erfolgschancen zu erhöhen.

Ein großer Teil der Patienten kann durch diese unterstützenden Maßnahmen eine auch längerfristige Tumortherapie inzwischen fast vollständig ambulant durchführen lassen. Dabei bleibt der Patient in seinem sozialen und familiären Umfeld verankert. Die unterstützenden Therapiemaßnahmen umfassen im Wesentlichen die Behandlung von Symptomen und/oder Störungen von Organfunktionen die durch die Krebserkrankung verursacht sind, sowie die Vorbeugung und Verminderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie. Weiterhin Ernährung bzw. Ernährungstherapie sowie psychologischen und psychosoziale Betreuung und nicht zuletzt Rehabilitationsmaßnahmen. Beispielsweise stellte noch vor ca. 15 – 20 Jahren die durch Chemotherapie verursachte Übelkeit und das Erbrechen eine von den Patienten gefürchtete Nebenwirkung dar. Inzwischen stehen zahlreiche Substanzen zur Prophylaxe und Behandlung der durch Chemotherapie ausgelösten Übelkeit zur Verfügung. Eine weitere bedeutende Nebenwirkung der Chemotherapie ist die Schädigung des blutbildenen Knochenmarks. Dies führt zu einer Verminderung der Anzahl weißer Blutkörperchen mit der Folge einer deutlich erhöhten Infektionsgefahr. Ein vollständig bestehender Impfschutz sollte bei Tumorpatienten daher immer angestrebt werden. Zudem ist es möglich, durch den Einsatz von Wachstumsfaktoren Therapieverläufe zu verbessern.

Viele Tumorerkrankungen, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, gehen mit z. T. starker Schmerzsymptomatik einher. Daher steht die Schmerztherapie bei der Behandlung von Beschwerden, die durch die Erkrankung verursacht werden, im Vordergrund. Ziel ist es, mit Hilfe der modernen Schmerztherapien individuell und nach vorgegebenen Leitlinien die Symptome der Patienten effektiv zu behandeln.

Die supportive Therapie zur Milderung der Nebenwirkungen der tumorspezifischen Behandlung auf (Chemo/Strahlentherapie//Operation) sind heutzutage integraler Bestandteil der Tumortherapie und setzen die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen mit entsprechender fachlicher Kompetenz voraus.

Dem von den zahlreichen Zuhörern gut aufgenommen Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an.

22.9.2006

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ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Kürzlich fand in den Bernlochner Stadtsälen die monatliche Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbands Landshut statt. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Landshut, Herr Dr. med. Matthias von Aster, sprach dabei über die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) im Kindes- und Erwachsenenalter.

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ADHS bezeichnet einen, wie oft fälschlich gedacht, nicht nur bei Kindern sondern auch bei Erwachsenen auftretenden Symptomkomplex und ist gekennzeichnet durch erhebliche Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Daueraufmerksamkeitsfähigkeit sowie durch Störungen der Impulskontrolle, durch Hyperaktivität oder innere Unruhe. Das Krankheitsbild ist schon seit über 160 Jahren bekannt: der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann beschrieb es sehr anschaulich in seinem 1845 erschienenen Kinderbuch "Struwwelpeter" in der Geschichte des "Zappelphillipp". Der englische Kinderarzt Still hat zu Beginn des 20. Jhd. die Störung erstmals wissenschaftlich dargestellt.

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen stellt ADHS eine genetisch mitbedingte, neurobiologische Störung dar, wobei die Stammganglien und das Frontalhirn betroffen sind, Gehirnabschnitte, die für Aufmerksamkeit, Ausführung und Planung, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind. Hinweise auf eine genetische Veranlagung liefert das häufig zu beobachtende gleichzeitige Auftreten der Erkrankung bei Geschwistern, Eltern oder näheren Verwandten. Man nimmt an, dass bei der Erkrankung Botenstoffe nicht optimal wirken können. Diese so genannten Neurotransmitter, zur Familie der Katecholamine gehörend, leiten Informationen (Reize) von einer Nervenzelle zur nächsten weiter. Die Störung im Frontalhirn geht auf einen Mangel oder eine verminderte Wirkung von Dopamin (Antriebs- und Motivationsteuerung) und Noradrenalin (Steuerung der Aufmerksamkeit) zurück. Zudem kann das Gehirn von ADHS-Patienten unwichtige innere und äußere Reize und Impulse schlecht hemmen und filtern, so dass es schnell zu einer Reizüberflutung mit den typischen Symptomen kommen kann. Neuerdings wird auch eine Beteiligung des Neurotransmitters Serotonin diskutiert, der die Impulsivität und Angemessenheit des Verhaltens steuert. Bei gestörter Reizweiterleitung kommt es deshalb zu einer erhöhten Impulsivität, zu niedrigerer Frustrationstoleranz und damit zu Problemen bei der Anpassung des Sozialverhaltens. Sicher ist, dass ADHA nicht wie früher vermutet durch psychosoziale Störungen, Fehler in der Erziehung oder ein niedriges Intelligenzniveau ausgelöst wird. Ob Faktoren wie Erziehungsfehler, Vernachlässigung, kindliche Traumata und psychosoziale Faktoren die Ausprägung des Erscheinungsbildes verstärken können, wird weiter diskutiert.

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass in der BRD etwa 2 bis 10 Prozent aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen an ADHS leiden, nach Angaben von Kinder- und Jugendärzten sind etwa 3 bis 4 Prozent aller Kinder im Grundschulalter und 2 Prozent aller Jugendlichen betroffen. Jungen leiden etwa 3 bis 9 mal häufiger an der Störung als Mädchen. Vermutungen, die Erkrankung habe heute zugenommen und sei ein Zeichen unserer Zeit, sind nicht sicher belegt. Dem ADHS wird sicher derzeit größere Beachtung zuteil, was einerseits auf neuere, frühere, genauere und bessere Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie zurückzuführen ist, andererseits gab es einschneidende Veränderungen in der Familienstruktur und Erziehung. In den auf 1 – 2 Kindern geschrumpften Familien wird jedem einzelnen Kind ein größerer Stellenwert eingeräumt, als dies noch in den früheren kinderreichen Großfamilien der Fall war. Es werden aber auch größere Anforderungen an die Kinder gestellt, die sie manchmal überfordern. Kinder mit ADHS sind im besonderen Maße durch Stress- und Stimulation erregbar und störbar. Die letzten Jahrzehnte sind durch eine Zunahme an Stress und Hektik gekennzeichnet, so treten die Symptome der Erkrankung möglicherweise deutlicher hervor und werden häufiger diagnostiziert.

ADHS - Patienten werden schon im Kleinkindesalter auffällig. Es sind dabei Symptome erkennbar, die über mindestens 6 Monate anhalten und sich in späteren Lebensbereichen (Kindergarten, Schule, Freizeit, Arbeitsplatz) mehr oder weniger verstärken. Bei Mädchen werden Anzeichen einer ADHS oft erst in der Pubertät sichtbar. Die Erkrankung dauert bei manchen Patienten mit veränderter Symptomatik bis ins Erwachsenenalter. Begleitend kommen manchmal Depressionen, Sucht- und Angsterkrankungen hinzu. Hinweise auf eine Aufmerksamkeitsstörung erhält man, wenn ein Kind Mühe mit Daueraufmerksamkeit hat (z.B. Wegtriften bei uninteressanten Tätigkeiten, Tagträumen, unvollständiges Arbeiten, Sorgfaltsfehler), wenn es Arbeiten vermeidet, die ein geistiges Durchhaltevermögen erfordern (z.B. Schulaufgaben), wenn es Konzentrations-schwächen aufweist oder rasch ermüdet, wenn es nicht zuhören kann, wenn es Schwierigkeiten gibt mit der Organisation von Aufgaben (Dinge beginnen und zu Ende führen), wenn es übermäßig vergesslich ist und wenn es häufig etwas verliert oder Gegenstände verlegt. Scheinbar fehlende Reaktionen bei Ermahnungen und mangelnde Fähigkeit mit Stimmungsschwankungen umzugehen, erhöhte Kritikempfindlichkeit und chronische Entmutigung sind weitere Anzeichen. Hyperaktivität äußert sich beim Erwachsenen eher als innere Unruhe, beim Kind als gesteigerter Bewegungsdrang (z.B. Unruhe in Händen und Füßen, Mühe, ruhig sitzen zu bleiben), mit grobmotorischen Koordinationsstörungen sowie mit Schwierigkeiten mit leisen Freizeitbeschäftigungen, durch über-mäßige Lautstärke beim Spielen und mit Problemen, Gefahren richtig einzuschätzen. Vermehrte Impulsivität zeigt sich durch große Ungeduld, Nichtwartenkönnen, planloses, unberechenbares Handeln, vorschnelles Antworten, noch bevor die Frage fertig gestellt ist, rücksichtsloses Stören und Unterbrechen im Schulunterricht (Klassenclown) oder wenn andere sich unterhalten oder ruhig spielen, durch Streitsüchtigkeit, Schlagen und Raufen, übermäßig lautes Reden und mit Problemen des Verhaltens im Alltag. Es besteht eine niedrige Frustrationstoleranz, es kommt oft deshalb zu ungesteuerten, überzogenen Reaktionen bei Wut aber auch Freude, einerseits sind die Kinder rücksichtslos, andererseits besteht ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Diese Symptome sind nicht bei jedem ADHS-Patienten gleichermaßen ausgeprägt, die Erkrankung kann sich auf sehr unterschiedliche Arten bemerkbar machen. Vor allem bei Mädchen ist häufig von einer Bewegungs-steigerung nichts zu bemerken, sie können sogar eher einen verminderten Bewegungsdrang haben und sich völlig zurückziehen (Transuse).

Eltern, die vermuten ihr Kind könnte eine ADHS haben, sollten sich an einen auf diesem Gebiet erfahrenen Kinder- und Jugendarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen oder an ein sozialpädiatrisches Zentrum wenden. Der Weg zur exakten Diagnose von ADHS ist zeitaufwändig und schwierig, Laborwerte fallen normal aus, die Leitsymptome Aufmerksamkeitsdefizit, Hyper-aktivität und Impulsivität sind unterschiedlich ausgeprägt. Diese Leitsymptome müssen in einem Zeitraum von mindestens 6 Monaten beobachtet werden und werden mit Hilfe von Fragebögen erfasst. Neurologische und neuromotorische Untersuchungen, computergestützte Aufmerksam-keits-, psychologische Intelligenz- und Persönlichkeitstests helfen weiter. Die Symptome des ADHS sind nicht sehr spezifisch, deshalb sind Erkrankungen des Gehirns und neurologische Erkrankungen sowie organische Störungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen) durch Blutuntersuchungen, ein EEG und evtl. ein Kernspintomogramm des Kopfes auszuschließen. Abzugrenzen sind psychische Krankheiten, wie Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie oder Borderline-Persönlichkeiten, sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Fragen nach Familienverhältnissen z.B. nach Konflikten, Trennung, Misshandlung, schwerer Erkrankung der Eltern und nach dem sozialen Umfeld sollten nicht außer Acht gelassen werden. Das frühzeitige Erkennen der Erkrankung ist sehr wichtig, eine auf der Diagnose aufbauende, gezielte Therapie kann bereits bestehende Entwicklungsdefizite ausgleichen und die angespannte familiäre Situation wieder ins Lot bringen.

ADHS ist eine Störung, die die Eltern eines betroffenen Kindes täglich an den Rand ihrer Belastungsgrenzen führen kann. Den Leidensdruck, dem sie ausgesetzt sind, kann nur einer verstehen, der wenigstens einen Tag mit einem hyperaktiven und aufmerksamkeitsgestörten Kind verbracht hat. Belastend hinzu kommt die Stigmatisierung durch die Gesellschaft. Eine "ADHS-Familie" wird von Verwandten und Freunden nicht gerade gerne eingeladen. Sie gilt als störend oder gar unzumutbar. Meist werden für das ungezogene Verhalten des ADHS-Kindes die Eltern verantwortlich gemacht, die sich dadurch in doppelter Weise belastet fühlen. Oft ist es so, dass Mütter betroffener Kinder zunehmend verzweifeln, während sich die Väter in die Arbeit flüchten. Durch ein ADHS-Kind ist der gesamte "Hausfrieden" in Gefahr und Partnerschaft und Ehe werden auf eine harte Probe gestellt. Kinder mit ADHS brauchen aber eine ihren Bedürfnissen angepasste Erziehung. Dabei sollten vor allem Geduld und Ausdauer und die richtige Einstellung zum Kind und seiner Erkrankung gegeben sein. Der erste Schritt zu mehr Verständnis sind Information und Aufklärung über das Krankheitsbild. Alle betroffenen Eltern müssen wissen, dass dem Verhalten ihres Kindes keine böse Absicht, keine Provokationsabsicht zu Grunde liegt. ADHS-Kinder brauchen ein konsequentes, klar erkennbares Erziehungskonzept mit regelmäßigem Tagesablauf und realistischem Anforderungsprofil. Bestrafung sollte vermieden werden, "Auszeiten" werden geschaffen, um Ruhe einkehren zu lassen. Eltern müssen das richtige Maß für Anforderungen und Lob finden und Selbstvertrauen bei ihrem Kind aufbauen.

Leider gibt es noch keine Möglichkeiten das ADHS direkt zu heilen. Mit geeigneten Therapieansätzen ist es Patienten dennoch möglich ein weitgehend "normales" Leben zu führen. Zur Bewältigung der Alltagsschwierigkeiten bei ADHS bedarf es meist an einer Kombination aus medikamentöser, psychologischer und pädagogischer Behandlung durch Experten unterschiedlicher Fachrichtungen. Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Psycho-therapeuten bzw. Nervenärzte sowie Pädagogen, Lehrer und nicht zuletzt Eltern müssen eng zusammen arbeiten, um einen dauerhaften Therapieerfolg zu gewährleisten. Für den Erfolg einer Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen ist entscheidend, dass sie gut über ihre Erkrankung informiert, aufgeklärt und für die Behandlung offen und bereit ist. Auch Kinder sollten altersgerecht über ihre Erkrankung aufgeklärt werden. Wenn sich die ADHS-Symptome durch Veränderungen im Umfeld oder durch andere begleitende Maßnahmen nicht hinreichend vermindern lassen, ist auch eine medikamentöse Therapie angezeigt. Man unterscheidet dabei kurzwirksame Medikamente, die in der Regel nur 2 bis 4 Stunden wirken und daher häufig mehrmals am Tag gegeben werden müssen, von Medikamenten mit denen die Schulzeit und Hausaufgaben abgedeckt werden können, oder von Medikamenten die den ganzen Tag wirken. Generelles Ziel der Behandlung sollte sein, Fähigkeiten bei dem ADHS-Patienten zu entwickeln, die es ihm ermöglichen, besser mit der Erkrankung und deren Symptomen zu Recht zu kommen. Langfristig wird sich dabei eine individuell abgestimmte Kombination aus medikamentöser, psychologischer und bei Kindern und Jugendlichen auch pädagogischer Behandlung am vorteilhaftesten auswirken.

8.8.2006

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Mitgliederversammlung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut am 26.04.2006 in den Bernlochner Stadtsälen

Der 1. Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut, Dr. med. Werner Resch begrüsste die zahlreich zur jährlichen Mitgliederversammlung erschienenen Ärztinnen und Ärzte und berichtete über die Aktivitäten des Verbandes im vergangenen Jahr. Beim Totengedenken wurde der 6 verstorbenen Mitglieder gedacht. Die Mitgliederzahlen stiegen im selben Zeitraum von 920 auf 934 an. 11 monatliche Fortbildungsveranstaltungen mit Themen quer durch alle Interessen- und Fachgebiete der Medizin wurden von 948 Teilnehmern besucht. Dem Fortbildungsbeauftragten des ÄKV Landshut, Herrn Prof. Dr. med. Axel Holstege wurde für seine geleistete Arbeit gedankt und der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass er sein Amt trotz vieler anderweitiger Verpflichtungen weiterhin so engagiert ausüben möge. Ergänzt wurden die monatlichen Fortbildungen durch zahlreiche Qualitätszirkelveranstaltungen, deren Moderatoren der Vorsitzende ebenfalls für ihre Arbeit dankte. Gesellschaftlichen Veranstaltungen, die den Kontakt zwischen Ärzten und ihren Familien sowie anderen Medizinalberufen (Apothekern und Zahnärzten) in der Stadt und dem Landkreis fördern und erhalten sollen, wurden ebenfalls gut angenommen. Zum Kriegsende vor 60 Jahren las Dr. med. Beischl aus seiner Dissertation über den SS Arzt Dr. Eduard Wirths im Kleinen Theater. Zur Landshuter Hochzeit hielt Frau Prof. Dr. Dr. Christa Habrich vor 230 Zuhörern im Axthaler Keller einen Vortrag über "Doctores, Apotheker und Feldscherer- Heilwissen und Heilkunst um 1475".

Dr.med. Werner Resch - 1. Vorsitzender des AEKV Landshut
Dr.med. Werner Resch - 1. Vorsitzender des AEKV Landshut

Im Herbst fand die von Frau Dr. med. Maria E. Fick jährlich organisierte Ethiktagung im alten Rathaussaal in Straubing mit dem Thema "Transplantation um jeden Preis" statt. In einer literarischen Matinee im November im Friessaal der VHS Landshut trug Herr Holger Hildmann vom Stadttheater Landshut Lyrik und Prosa verfasst von Ärzten und Apothekern vor. Bei einer musikalischen Soiree im März konzertierte der Nachwuchs von Apothekern, Ärzten und Zahnärzten mit Herrn Peter Röckl vom Hans Carossa Gymnasium in der Hlg. Kreuz Kirche. Nach Erstattung des Kassenberichts, des Rechnungsabschlusses, des neuen Haushaltsplanes und dem Bericht der Kassenprüfer konnte die Vorstandschaft einstimmig entlastet werden. Der Vorsitzende dankte allen Mitgliedern für ihr Kommen, wünschte ihnen ein erfolgreiches Jahr in beruflicher und privater Hinsícht und schloss die Versammlung mit der Aufforderung an alle Kolleginnen und Kollegen, durch den zunehmenden Bürokratismus in unserem Land, Gängeleien seitens der Regierung oder drohende finanzielle Einbussen sich nicht die Freude und den Idealismus an ihrer Arbeit nehmen zu lassen.

An die Mitgliederversammlung schloss sich eine Fortbildung an.

Herr Dr.med. Reiner Riezler aus Münster, Westfalen, berichtete über "Die Rolle des Homocystein bei der Entstehung der Arteriosklerose".1969 wurde erstmals nachgewiesen, dass ein vermehrtes Vorkommen von Homocystein, einer schwefelhaltigen, giftigen Aminosäure im Blut, einen unabhängigen Risikofaktor für Gefässverkalkungen und – verschlüsse und für Demenz bedeutet. Die Ursache liegt meist an einem Mangel der Vitamine B6, B12 und Folsäure. Aber auch genetische Mutationen von Enzymen des Homo¬cysteinstoffwechsels oder ein Abfall der Nierenleistung führen zur Erhöhung des Stoffes im Blut. Diese Personen haben dann ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen (Demenz) oder erleiden frühzeitig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, erkranken an einer Thrombose oder an einem durch eine Erkrankung der Nierengefässe ausgelösten Bluthochdruck.

Dr.med. Reiner Riezler
Dr.med. Reiner Riezler

Homocystein befindet sich an der biochemischen Schnittstelle zweier metabolischer Stoffwechselwege, an der die Anwesenheit von Vitamin B6, B12 und Folsäure gegeben sein muss. Die Konzentration von Homocystein im Blut steigt mit zunehmendem Alter an. Der kritische Grenzwert von >= 10 µmol/l wird bei Männern um die 40 Jahre erreicht, Frauen erreichen diesen Schwellenwert erst nach den Wechseljahren. Der in vielen Studien gefundene Zusammenhang zwischen einer erhöhten Homocysteinkonzentration im Blut und häufigeren kardio-vaskulären Ereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefässverschluss) beweist aber noch nicht eine ursächliche Beziehung. In kleineren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine Behandlung mit B-Vitaminen und Folsäure zu einer nachweisbaren Verringerung von Kalkbeeten in der Halsschlagader, zu einer Verminderung der Innenschichtdicke von Gefässen (JAVIS - Studie) und zu Verminderung der Anzahl von Wiederverschlüssen nach Gefässaufdehnungen (PTCA) führt. Die kürzlich abgeschlossene, grosse, multizentrische NORVIT-Studie sollte diesen Zusammenhang klären und den Nutzen einer Homocystein - senkenden Vitamin B - Therapie an Patienten, die kürzlich einen Herzinfarkt erlitten (also in der Sekundärprävention), beweisen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Presse sehr unkritisch interpretiert und kulminierten in der Behauptung, die These, Homocystein sei ein ursächlicher Risikofaktor, müsse ein für alle mal verworfen werde. Dr. Riezler bezeichnete diesen Schluss als voreilig und forderte, sich mit den ungereimten, widersprüchlichen und teilweise statistisch falsch gewonnen Ergebnissen der Studie auseinanderzusetzen und über die Rolle des Homocysteins und der B-Vitamine bei kardiovaskulären Erkrankungen neu nachzudenken. Eine kritische, teils konträr geführte Diskussion schloss sich den Ausführungen des Referenten an.

1.5.2006

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Männerkrankheiten

Im gut besuchten Bernlochnersaal referierte kürzlich der Chefarzt der Urologischen Klinik am Klinikum Landshut, Herr Prof. Asociat/Oradea Dr.med. Karl-Heinz Rothenberger im Rahmen der monatlichen Fortbildung des ärztlichen Kreisverbandes Landshut über "Männerkrankheiten".

Prof. Asociat/Oradea Dr.med. Karl-Heinz Rothenberger
Prof. Asociat/Oradea Dr.med. Karl-Heinz Rothenberger

Üblicherweise gliedern sich die verschiedenen Fachgruppen nach Organsystemen oder wie in der Kinderheilkunde und Geriatrie nach dem Lebensalter. Aber wir finden auch eine Einteilung nach dem Geschlecht, wie uns die Frauenheilkunde lehrt. Manche glauben nun, Urologen wären reine Männerärzte. Dass dies nicht der Fall ist belegt die Tatsache, dass die Nebennieren und die Harnorgane beiden Geschlechtern zuzuordnen sind und die Inkontinenz der Frau zu den Kernkompetenzen des Urologen gehört. Dies bezeugt der Frauenanteil stationärer Patienten von nahezu 40%. Urologische Erkrankungen werden nicht am Alter der Patienten definiert.

Männerkrankheiten sind einzuteilen in entzündliche Erkrankungen des Urogenitaltrakts(z.B. Entzündungen der Vorsteherdrüse oder des Nebenhodens), sexuell übertragbare Erkrankungen, Hodentumoren, die gutartige Prostatavergrößerung ("Prostata-Adenom"), das Prostatakarzinom, Verletzungen (z.B. Penisfraktur) und den Priapismus.

In Kindheit und Jugend führen Fehlbildungen, Mumps (mit Hodenentzündung), die Varicocele (Krampfaderbruch) und die Hodentorsion (Hodenverdrehung) zum Urologen. Letztere fällt durch extreme Schmerzen, zum Teil mit Erbrechen auf und muss innerhalb von 4 Stunden operiert werden, um einen Hodenverlust zu vermeiden.

Einen gesonderten Platz nehmen heute Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) und PADAM (Hormonmangelerscheinungen) ein, Erkrankungen, die früher gerne verschwiegen wurden und als schicksalhaft nicht änderbar galten. Nach entsprechender Diagnostik stehen heute erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Ausführlich eingegangen wurde auf das Prostata-Adenom und –karzinom. Während die gutartige Prostatavergrößerung zur Harnabflussbehinderung führt (bis hin zu Nierenstau und Harnsperre), bleibt der Prostatakrebs lange unerkannt, so dass möglicherweise eine heilende Therapie nicht mehr möglich ist. Es kann nicht oft genug betont werden wie wichtig die Vorsorgeuntersuchung ist. Sie belastet den Mann nicht und sollte, laut Rothenberger, die Abtastung der Prostata, eine Urinkontrolle, die Bestimmung des PSA-Spiegels und eine Ultraschalluntersuchung des Organs beinhalten. Diese Untersuchung setzt ein hohes Maß an Erfahrung voraus, gibt es doch keinen fixen, für jeden Mann verbindlichen Normalwert. In Amerika und in Tirol laufen große Studien, die den Wert der Vorsorgeuntersuchung mit dem PSA-Screening deutlich machen. Der Erfolg der Vorsorge konnte eindrucksvoll bewiesen werden, da durch die rechtzeitige Behandlung die Sterblichkeit am Prostatakrebs erheblich zurückging. Die operative Entfernung der kranken Drüse ist der Goldstandard. Ob und wann eine Strahlentherapie eingesetzt wird, muss im Einzelfall diskutiert werden, zumal sich unerwünschte Folgen gleichen. Die Schlüsselloch-Chirurgie (laparaskopische Prostatektomie, EERPE) erzielt auf besonders schonende Weise hervorragende Ergebnisse. Auf diese Operationsmethode hat sich die Urologische Klinik Landshut seit 2001 als eine der ersten Kliniken in Deutschland spezialisiert.

Die Palette von Therapiemöglichkeiten der "Altherrenkrankheit" (gutartige Prostata-vergrößerung) reicht von pflanzlichen Mitteln über definierte Medikamente bis hin zu verschiedenen Operationsverfahren, die in der Regel minimal invasiv über die Harnröhre durch die Harnblase erfolgen. Der Goldstandard ist hier weiterhin die sog. Elektroresektion (TUR P) zur Gewebeabtragung. Thermische Verfahren durch Laser, Mikrowelle, Gefrierverfahren und ähnliche Methoden führen zur Gewebeschrumpfung und damit zeitverzögert ebenfalls zum gewünschten Ergebnis. Die TUR P ist ein sehr sicheres und schonendes Verfahren mit einem wenige Tage dauernden Krankenhausaufenthalt.

20.03.2006

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Die Schmalkammerkomplextachykardie
FORTBILDUNGSVERANSTALTUNG des Ärztlichen Kreisverbandes am 15.2.2006

Am 15.2.2006 fand in Landshut eine Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes zum Thema "Die Tachykardie mit schmalem Kammerkomplex: Differentialdiagnose und Therapieoptionen" statt, bei der Prof. Dr. Stephan Holmer, Kardiologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Landshut, referierte. Die Fortbildung befasste sich in erster Linie mit Rhythmusstörungen, die in den Vorkammern des Herzens entstehen und in der Regel nicht lebensbedrohlich sind, aber den Patienten erheblich belasten können. Solche in der Praxis häufigen Rhythmusstörungen äußern sich oft in plötzlichem Herzrasen.Die Art der Rhythmusstörung kann sehr vielfältig sein und die Behandlung ist stark davon abhängig, welche spezielle Rhythmusstörung im Einzelnen gefunden wird. Manchmal kann die Diagnose schon aus der Anamnese gestellt werden. Meist ist aber die Aufzeichnung eines EKG zur Diagnosestellung erforderlich. Daher ist es wichtig, so Holmer, dass Patienten, die eine Rhythmusstörung (z.B. plötzlich einsetzendes Herzrasen) bemerken, sofort einen Arzt aufsuchen und ein EKG schreiben lassen. Mit dem im Anfall aufgezeichneten EKG kann der Ursprung der Rhythmusstörung oft zuverlässig diagnostiziert werden.

Prof. Dr. Stephan Holmer
Prof. Dr. Stephan Holmer

Vor allem im Anfall können spezielle Maßnahmen wirksam sein, die vom Patienten selbst angewandt werden können. So kann mit vagalen Manövern (z.B. Luft anhalten, Pressen, kaltes Wasser trinken) vorübergehend die Herzschlagfolge verlangsamt oder nicht selten die Tachykardie beendet werden. Wird gleichzeitig vom Arzt ein EKG geschrieben, kann häufig die Diagnosestellung erleichtert werden. Akut wirksame Medikamente werden in der Regel unter EKG-Kontrolle intravenös gespritzt und führen ebenfalls zu einer Frequenzverlangsamung oder einer Wiederherstellung des regulären Herzrhythmus. Häufig verwendete Medikamente im Anfall sind Adenosin, beta-Blocker oder Calzium-Antagonisten.

Zur Prophylaxe solcher Rhythmusstörungen stehen auch rhythmusspezifische Medikamente zur Verfügung, die aber wegen ihrer Nebenwirkungen nur unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden sollten.Die häufigste derartige Rhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, dessen Auftreten im Alter drastisch zunimmt. Bei etwa 25% aller über 80-jährigen kann diese so genannte "Absolute Arrhythmie" zumindest vorübergehend auftreten. Hierbei besteht ein erhöhtes Embolie- und Schlaganfallrisiko, so dass bei Patienten mit gleichzeitig erhöhtem Gefäßrisiko in der Regel eine Blutverdünnungsbehandlung (z.B. Marcumar) erforderlich ist. Ausführlich wurde mit dem Referenten diskutiert, wann die Blutverdünnung erforderlich ist und mit welchen Medikamenten der reguläre Rhythmus wiederhergestellt und erhalten werden kann. Welches Medikament eingesetzt wird, ist in der Regel von den begleitenden Krankheiten abhängig. Für eine Reihe von Patienten, insbesondere mit phasenweise Vorhofflimmern kommt heutzutage auch die Radiofrequenzablation mittels eines speziellen Herzkatheters in Frage. Diese Prozedur ist bei Vorhofflimmern aufwändig und dauert regelhaft mehrere Stunden. Die dauerhafte Erfolgsrate liegt nach der bisherigen Literatur zwischen 60 und 75%.

Anders ist dies bei Rhythmusstörungen wie Vorhofflattern, fokaler Vorhoftachykardie oder Reentrytachykardien, die oft mittels EKG im akuten Anfall direkt diagnostiziert werden können: Hier ist die Ablationsbehandlung einfacher durchzuführen und weist eine hohe Erfolgsrate von deutlich über 90% auf. Prof. Holmer zeigte einige Beispiele für diese Behandlung, die bei bestimmten Tachykardien als Mittel der ersten Wahl bezeichnet werden kann. Sie führt meist zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit, ohne dass permanent Rhythmus-Medikamente eingenommen werden müssen.

06.03.2006

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Medikamentenabhängigkeit – die heimliche Erkrankung
Dr. Holger Schmidt-Endres beim Ärztlichen Kreisverband

In Deutschland sind ebenso viele Menschen von Medikamenten abhängig wie von Alkohol. Dennoch "nimmt nur etwa jeder tausendste Medikamentenabhängige eine angemessene Behandlung in Anspruch." Beim Alkohol sind es hundert mal so viele. Das liegt nach Meinung von Dr. Schmidt-Endres, Oberarzt des Suchtbereichs im Bezirkskrankenhaus Landshut und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, daran, dass "Patienten und Fachleute wenig über medikamentenabhängige Mitmenschen wissen."Die häufigsten Abhängigkeit auslösenden Medikamente sind die sog. "Benzodiazepine", die eine beruhigende, schlaffördernde, angstreduzierende und muskelentspannende Wirkung haben.Ärzte und Betroffene schätzen die Symptome der Abhängigkeit oft falsch ein: Antriebslosigkeit, Lebensunlust, Versagensängste – alle diese Symptome können sowohl Folgen der längeren Einnahme dieser Medikamente sein, als auch bei jenen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorkommen, die zum Anlass einer BenzodiazepinVerordnung werden. Arzt und Patienten sind so in einem Teufelskreis der Abhängigkeit gefangen: jede Reduktion des Medikamentes führt zur Verschlechterung der Symptomatik, so dass Patient und Arzt überzeugt sind, es gehe nicht ohne. Es ist sehr schwer, die Abhängigkeit als solche wahrzunehmen und die richtigen Schritte zu ihrer Überwindung einzuleiten. Wegen der Ähnlichkeit der Symptome der Abhängigkeit und anderer psychischer Erkrankungen wird die Medikamentenabhängigkeit auch oft übersehen: Nach einer Untersuchung an einem Bezirkskrankenhaus waren bei Aufnahme nur 0,5% aller Patienten vom aufnehmenden Arzt als medikamentenabhängig eingestuft worden. Als man bei zukünftigen Aufnahmen genauer hinschaute, wuchs die Gruppe der Medikamentenabhängigen schlagartig auf fast 20%."Wir müssen es schaffen, unseren Blick dafür schärfen, was eine Medikamentenabhängigkeit ist, wie sie entsteht, und wie sie behandelt werden kann" so der Referent.

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Ein großes Problem besteht darin, dass Menschen vom Arzt schnelle Heilung erhoffen und jeder Arzt sich auch wünscht, dem Patienten sofort zu helfen. Das funktioniert bei psychischen Erkrankungen wie z.B. Angsterkrankungen aber nicht. Bis Psychotherapie oder sinnvolle nicht-abhängigkeitserzeugende Medikamente wie die sog. Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSR) wirken, vergeht einige Zeit. Die Versuchung nach Soforthilfe, wie sie die Benzodiazepine versprechen ist groß. Schon Minuten nach Einnahme bemerkt der Betroffene eine deutliche Wirkung: die Angst lässt nach, er entspannt sich, Schlaf wird wieder möglich. Das ist auch gut so in akuten und lebensbedrohlichen Situationen. Áber nach spätestens 6 Wochen sollte das Medikament abgesetzt werden, wenn der Patient nicht abhängig werden soll.

Und wie erkennt man eine Abhängigkeit? Die Betroffenen nehmen die Medikamente bereits über viele Wochen oder Jahre, ohne sie absetzen zu können. Typisch ist z.B., dass viel Energie daran gesetzt wird, an das Medikament zu kommen. Wenn der Hausarzt es nicht mehr verschreiben will, geht man zum nächsten. Oder man schickt Freunde oder Angehörige los, um sich das Medikament verschreiben zu lassen. Andere Interessen verlieren zunehmend an Bedeutung. Manchmal wird auch die Dosis immer höher, aber nicht immer: man kann auch von einer an sich sinnvollen, niedrigen Dosis abhängig werden, wenn man sie länger als 6 Wochen einnimmt. Medikamente wie die angstlösenden "Benzos" sollten ausschließlich bei akuten Krisen verordnet werden, in einer möglichst geringen Dosierung und nur für eine vorher vereinbarte Behandlungsdauer von ein bis zwei Wochen. Um den Betroffenen auch danach helfen zu können, müssen diese Verordnungen Teil eines Gesamtbehandlungsplans sein. Der Arzt muss den Patienten informieren, dass das Medikament abhängig machen kann, wenn es länger eingenommen wird.Schätzungsweise 30 – 40% aller Patienten eines Hausarztes bekommen Medikamente mit Suchtpotenzial. Eine generelle Lösung gibt es nicht. Patienten, die seit Jahren überzeugt sind, ohne diese Medikamente nicht leben zu können, kann man nicht über Nacht ihre Medikamente wegnehmen. F. Kanfer, einer der bedeutendsten Verhaltenstherapeuten des 20. Jahrhunderts, schrieb: "Säge nicht den Ast ab, auf dem die Patienten sitzen, bevor Du ihnen geholfen hast, eine Leiter zu bauen!". Vielleicht ist der erste Schritt, dass die Ärzte in der längerfristigen Verordnung dieser Medikamente keine Therapie sehen sondern eine Substitution. Gemeinsam mit dem Patienten können dann Alternativen zur Abhängigkeit erarbeitet werden. Meist ist der Weg lang, weil der Entzug anders als bei allen anderen Suchtmitteln - meist Monate, manchmal über ein Jahr dauert. Dr. Schmidt-Endres beschrieb diese oft viele Monate dauernde Entzugsbehandlung. Das menschliche Gehirn braucht nämlich bis zu über einem Jahr, um sich wieder auf ein neues Gleichgewicht einzustellen. Die Zusammenarbeit zwischen Klinik und niedergelassenem Arzt ist in diesem langen Zeitraum von großer Bedeutung. Manchmal braucht der Patient mehrere Anläufe, um in vielen Zwischenschritten wieder zu einem suchtmittelfreien Leben zu finden. Es gibt viele Wege zur Abstinenz, und es gibt viele Methoden, die Entzugssymptome zu lindern. Dabei ist es wichtig, die bei Reduktion der Medikamente auftretenden Symptome richtig zu deuten. Manche Patienten denken: "jetzt werde ich verrückt!", denn Stimmung, Antrieb und Wahrnehmung verändern sich: Gerüche, Berührung, Geschmack, alles kann hochsensibel werden – oder das genaue Gegenteil: Alles schmeckt fad, riecht nicht mehr. Auch das Hören, Sehen oder Bewegungsabläufe können deutlich beeinträchtigt sein- normale Symptome eines Benzodiazepin-Entzugs. Wichtig ist die gleichzeitige Behandlung der Erkrankung, die der Einnahme zu Grunde liegt.

19.02.2006

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Diagnostik und aktuelle Therapie des Herpes Zoster
Referent: Dr. med. Volker Kunzelmann, Dermatologe im Hautzentrum Wosterwitz

Die Gürtelrose ist eine Erkrankung an den eigenen Viren. Das Windpockenvirus hat nach einer Infektion mit Windpockenviren in der Kindheit in den Nervenknoten und zum Teil auch in den Nervenbahnen geruht. Durch Schwächung der körpereigenen Abwehr, z.B. durch Stress, schwere Erkrankungen oder auch das Alter an sich, kann das Virus reaktiviert werden und verursacht dann eine Gürtelrose. Das bedeutet auch, dass der Patient seine Gürtelrose nicht übertragen kann, also bezüglich seiner Gürtelrose nicht absteckend ist. Er kann aber bei allen Kontaktpersonen, die noch keine Windpocken durchgemacht haben, eine frische Windpockenerkrankung auslösen.

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Die Diagnose baut sich im Wesentlichen auf den charakteristischen Hauterscheinungen auf, denen häufig einige Tage ein typischer Schmerz vorausgeht. Da die Nervenfasern ein begrenztes Hautareal versorgen, kommt es nur in diesem Teilbereich zu dem typischen Hautausschlag und nicht am ganzen Körper. Anfangs besteht eine Rötung dann entwickeln sich Knötchen, daraus Bläschen, die dann verkrusten und schließlich abschuppen.

Die Differentialdiagnose kann in der frühen Phase schwierig sein, da andere Hauterkrankungen ähnliche Bilder machen können. Dr. Volker Kunzelmann betonte besonders die Rolle des Ersttherapeuten: "Die Zeit, die bei Beginn der Erkrankung verloren geht, ist nicht mehr aufzuholen". Um den Komplikationen , insbesondere dem Schmerz, der oft nach der akuten Phase der Erkrankung nach Abheilung der Hauterscheinungen auftritt (Postherpetischer oder Zosterschmerz) vorzubeugen , sollte so früh wie möglich, also auch schon beim Verdacht auf Herpes Zoster behandelt werden, vor allem bei Patienten über 50 Jahre, die ein deutlich höheres Risiko haben, Komplikationen zu erleiden.

Zur Behandlung stehen verschiedene Medikamente (Virustatika) zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf deutlich abkürzen können. Eine Lokaltherapie des Hautausschlages ist meist nicht unbedingt notwendig. Eine konsequente Schmerztherapie ist erforderlich zur Verhinderung einer Sensibilisierung peripherer und zentraler Nerven. Bei der Gürtelrose im Bereich des Auges oder des Ohres ist eine hochdosierte Therapie sowie eine Lokaltherapie besonders wichtig, um eine Schädigung der Sinnesorgane zu vermeiden.

Pro Jahr erkranken in Deutschland ca. 400 000 Menschen an einem Herpes zoster. Davon erleiden 10 % eine postzosterische Neuralgie (das sind 40 000 schmerzgeplagte Menschen!). Risikofaktoren für eine Postzosterneuralgie sind das Alter des Patienten, ein verspäteter Therapiebeginn und eine vorher bestehende Schwächung des Immunsystems. Falls sich eine schwere Neuralgie entwickelt, muss so früh wie möglich eine ausreichende, suffiziente Schmerztherapie erfolgen, ggf. ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden, damit es nicht zu einer Chronifizierung des Schmerzes kommt (der dann besonders schwer zu behandeln ist).

18.12.2005

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Atemtraining für Patienten mit Asthma oder COPD sinnvoll
Der Qualitätszirkel Asthmaschulung referierte bei der Fortbildung des ärztlichen Kreisverbandes

Vor einigen Tagen veranstaltete der ärztliche Kreisverband erneut seine regelmäßige, ärztliche Fortbildung in den Bernlochnersälen. Dabei stellte sich der Qualitätszirkel Pneumologie und Asthmaschulung der Flughafenregion Erding – Freising – Landshut vor. Der Qualitätszirkel besteht aus Ärztinnen und Ärzten, die regelmäßig Seminare für Patienten durchführen, die das Thema Asthma u. COPD behandeln, sowohl in der Kinderheilkunde als auch in der Erwachsenenmedizin. Die diversen Inhalte des Schulungsprogrammes wurden dabei von den Referenten den anwesenden Ärztinnen und Ärzten theoretisch und praktisch nahe gebracht. Die Moderation des Abends hatte Herr Prof. Emslander inne, internistisch- pneumologischer Chefarzt am Kreiskrankenhaus Erding.

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Den Einstieg übernahm Hr. Dr. Suabedissen aus Landshut. Er erläuterte verschiedene Untersuchungen, in denen die Sinnhaftigkeit von Patiententrainingsmaßnahmen für die obstruktiven Atemwegserkrankungen Asthma und COPD bewiesen wurden. Insbesondere konnte er aufzeigen, dass entsprechend geschulte Patienten durch Verminderung der Symptome, vermehrter Sicherheit im Umgang mit der Krankheit und erheblich verminderten Krankenhaustagen profitierten.

Im Anschluss daran stellte Fr. Dr. Bisping-Arnold aus Freising ein einfaches Messgerät für die häusliche Anwendung, das sog. "Peak-Flow-Meter" vor, welches Teilnehmer der Asthmaschulung erhalten und in dessen Gebrauch Sie unterwiesen werden. Regelmäßige Messungen damit helfen, die medikamentöse Therapie zu steuern und sich ankündigende Asthmaanfälle rechtzeitig zu erkennen. Nicht zuletzt erhält der Patient dadurch zusätzlich die Möglichkeit zur Selbstkontrolle und gewinnt Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung.

Spezielle Aspekte der Peak-Flow-Messung bei Kindern stellte anschließend Hr. Dr. Rohland, Kinderarzt aus Erding, vor. Diese wurden dabei durch praktische Übungen der anwesenden Zuhörerschaft untermauert und bereitete allen Teilnehmern viel Vergnügen. Insbesondere hilfreich hierfür die vielen Tipps und Kniffe im Umgang mit dem Gerät und das Aufzeigen möglicher Fehlerquellen.

Als nächstes stellte Hr. G. Steinkirchner, Internist mit Schwerpunkt Lungen- und Bronchialheilkunde in Landshut, die Einteilung des Asthma bronchiale in verschiedene Schweregrade dar und zeigte mit dieser Tabelle auf, wie dadurch die Therapie des Asthmas anhand der neuesten fachspezifischen Leitlinien beeinflusst wird (Stufentherapie des Asthma bronchiale). Insbesondere wurde Wert gelegt auf die Wichtigkeit der Anwendung inhalierbarer Cortikosteroide zur Kontrolle der Entzündung der Bronchialschleimhaut beim Asthma.

Dies wurde dann ergänzt durch die Vermittlung des Stufenschemas zur Asthmatherapie bei Kindern. Erneut Hr. Dr. Rohland aus Erding stellt hier vor allem anhand anschaulicher, praktischer Beispiele die Besonderheiten dar, wie Kinder und deren begleitenden Eltern das Wissen um die Einschätzung der Schwere des Asthmas und der sich darauf aufbauenden Therapie nah gebracht wird.

In einem weiteren, eher praktisch gehaltenen Teil zeigte Hr. Dr. Marschall, Internist mit Schwerpunkt Pneumologie in Erding verschiedenste, zur Inhalationstherapie gedachten Medikamente auf und stellte deren Anwendung mit Hilfe der diversen vorhandenen Inhalationsgeräte vor. Der Zuhörerschaft wurde so ein Überblick über die Vielzahl der am Markt befindlichen Inhalationssysteme vermittelt.

Zur Auflockerung trug dann die Vorstellung atemgymnastischer Übungen durch Fr. Mittermeier (Krankengymnastin in Erding) bei, die nicht nur durch das theoretische Aufzeigen der Übungen, sondern vor allem durch Animation der Zuhörerschaft zum Mitmachen einzelner Übungen zur Auflockerung beitrug.

Im Anschluss daran stellte Hr. Dr. Mayerthaler, Psychotherapeut aus Freising, psychologische Aspekte der Asthmaschulung vor, wie sie vor allem bei der Durchführung entsprechender Maßnahmen bei Kindern wichtig sind. Hier wurde besonderer Wert darauf gelegt, wie der Teufelskreis aus anfallsweiser Luftnot, Angst, sich immer weiteren Zurückziehen und dadurch verminderter körperlicher Fitness durchbrochen werden kann, anhand einzelner psychologischer Aspekte.

Nochmals Fr. Dr. Bisping-Arnold aus Freising brachte der Zuhörerschaft dar, wie während der Asthmaseminare auf das Erlernen von Notfallmaßnahmen, die die Patienten selbständig durchführen können, Wert gelegt wird.

Insgesamt wurde der Abend von der teilnehmenden Landshuter Ärzteschaft sehr positiv aufgenommen und erweckte reges Interesse. Weitere Informationen zur Teilnahme an Patientenschulungen für Asthma, sowohl für Kinder als auch Erwachsene sind für den Raum Landshut über den Hausarzt sowie die am Qualitätszirkel beteiligten Lungenarztpraxen Hr. Dr. H. Prelicz und Hr. G. Steinkirchner sowie in Landshut auch über das Kinderkrankenhaus St. Marien zu erhalten, ebenfalls über das Internet unter www.team-atem-trainer.de.

Zum Ende der Veranstaltung wurde von Fr. Dr. Bisping-Arnold auch noch eine weitere Neuerung betreffend Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen vorgestellt: Es befindet sich derzeit eine Lungensportgruppe für den Raum Landshut im Aufbau, wie sie in Freising bereits seit 2 Jahren sehr erfolgreich betrieben wird. Hier sind besonders Patienten angesprochen, die an schwereren chronischen Atemwegserkrankungen leiden und sich ihre körperliche Belastungsfähigkeit und Möglichkeit zur Selbstversorgung erhalten wollen. Nähere Informationen für den Raum Landshut hierzu sind ebenfalls über die Praxen von Hr. Dr. H. Prelicz und Hr. G. Steinkirchner bzw. auch unter Anruf von Handynr. 01 74/ 625 64 70 ( Fr. Szumylowycz) zu erhalten.

08.12.2005

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Was haben Depression und Schmerz gemeinsam?

Bei der regelmäßigen ärztlichen Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut konnte der Kreisverbandsvorsitzende Dr. Werner Resch zahlreiche Kollegen im Bernlochnersaal begrüßen. Der Fortbildungsbeauftragte, Herr Prof. Dr. Axel Holstege stellte den Referenten des Abends, Herrn Prof. Dr. Goran Hajak von der Uniklinik Regensburg vor, der sich von der hohen Zahl der Interessenten überrascht zeigte.

Prof. Dr. Goran Hajak
Prof. Dr. Goran Hajak

Herr Prof. Hajak, der selbst über Erfahrung aus einer Allgemeinpraxis verfügt, stellte einige epidemiologische Studien vor, in denen nachgewiesen wurde, dass depressive Patienten häufiger wegen körperlicher Beschwerden als mit dem Bewusstsein, an einer Depression zu leiden, beim Hausarzt vorstellig werden, z.B. mit Störungen des Schlafes, des Appetits, mit Rücken-, Kopf- oder Brustschmerzen. 10% verneinen sogar jegliche psychische Beschwerden. Diese körperlichen Störungen führen in der Regel zu einer umfangreichen organischen Abklärung, bei der häufig kein, den Beschwerden entsprechender körperlicher Befund, erhoben wird.

Damit blieben nach einer Studie in der hausärztlichen Praxis ca. 56% von Depressionen unerkannt, 15% würden zwar erkannt, aber nicht behandelt, 29% würden ambulant, 5.6% stationär behandelt. Dabei sei die Anzahl der adäquat behandelten Patienten in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch recht hoch. Man könne davon ausgehen, dass mit der Anzahl diverser körperlicher Symptome die Wahrscheinlichkeit steige, dass hinter den Beschwerden eine psychische (depressive) Erkrankung stecke. Ca. 75% der Patienten mit typischen Depressionen hätten auch körperliche Symptome, und 90% der Patienten mit therapieresistenten Depressionen hätten auch anhaltende körperliche Beschwerden. Die Anzahl körperlicher Symptome sage etwas über die Schwere der Erkrankung und die Schwere des Verlaufs der Erkrankung aus. Depressive Patienten mit mehreren körperlichen Symptomen setzten häufig die vom Arzt empfohlene Medikation ab.

Andererseits würden auch körperlich Kranke deutlich mehr als Gesunde unter schweren Depressionen leiden, z.B. nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall, bei Parkinsonerkrankung und bei Krebserkrankungen, auch geriatrische Patienten seien häufig depressiv. Studien hätten ergeben, dass die Überlebensrate von Patienten nach Herzinfarkt bei depressiven Patienten dreimal niedriger sei als bei Patienten, die nach dem Herzinfarkt keine Depression entwickelten. Daraus ergäbe sich die dringende Empfehlung, auch die Patienten, die auf Grund körperlicher Erkrankungen unter Depressionen leiden, mit Antidepressiva zu behandeln.

Depression und Schmerz seien überdurchschnittlich häufig vergesellschaftet. 50% der chronischen Schmerzpatienten sowie 70% der stationär behandelten chronisch Schmerzkranken litten unter einer Depression: Es überlappen und verstärken sich organische und psychische Symptome.

Die Behandlung von chronisch Schmerzkranken sei oft erst durch den Einsatz von Psychopharmaka erfolgreich. Prof. Hajak zeigte auf, wie durch Balancestörungen von Botenstoffen Schmerzen über das Rückenmark in das Gehirn weitergeleitet werden und wie es dann dort zu einer verstärkten, anhaltenden Schmerzwahrnehmung komme.

Eine Behandlung durch selektive Medikamente aus dem Bereich der Antidepressiva bewirke eine Verminderung der permanenten Schmerzwahrnehmung im Gehirn und somit eine Besserung des Befindens, ohne dass diese Medikamente zu einer Dosissteigerung oder zu einer Abhängigkeit führten. Die medikamentöse Behandlung stelle natürlich nur einen (allerdings wichtigen) Baustein in der Behandlung schmerzkranker Menschen dar, notwendig sei auch eine psycho- und physiotherapeutische Begleitung.

Bei der anschließenden regen Diskussion wurde von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, einer Chronifizierung von Schmerzkrankheit vorzubeugen: Nach einer gründlichen organischen Abklärung muss rasch eine fachgerechte neurologisch-psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begonnen werden.

Dr.med. Erwin Neulinger-Wittmann - 10.11.2005

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Arthritis
"Es ist selten zu früh..."

Bei der monatlichen Fortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut referierte kürzlich Herr Prof. Müller-Ladner, Direktor der Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim über das Thema: "Entzündliche Gelenkveränderungen, Diagnostik und Therapie". Im Mittelpunkt seines Vortrags standen exemplarisch die Rheumatoide Arthritis sowie die Psoriasis-Arthritis. Die Kernaussage des erfahrenen Rheumatologen war: "der wertvollste Fortschritt der letzten Jahre ist die Erkenntnis, dass eine früh einsetzende, aggressive Therapie die Langzeitprognose der Erkrankung entscheidend beeinflusst".Prof. Müller-Ladner stellte daher die Forderung auf, frühest möglich die Diagnose zu stellen, um auf gesicherter Grundlage mit einer effektiven Therapie beginnen zu können. In der Frühphase sind allerdings andere entzündliche Gelenkerkrankungen von der rheumatoiden Arthritis bzw. Psoriasis Arthritis gelegentlich schwer abzugrenzen. In diesem Zusammenhang steht ein Laborwert (hochspezifische Anti-CCP-Antikörper) der bis zu 10 Jahre vor dem Vollbild der Erkrankung nachweisbar sein soll, derzeit in der Diskussion. Die rheumatoide Arthritis ist stets als Systemerkrankung zu betrachten, die neben den Gelenken und gelenknahen Strukturen auch sämtliche Organsysteme des Körpers in unterschiedlichem Ausmaß in Mitleidenschaft ziehen kann. Der Gelenkbefall im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis ist ebenfalls ein multidimensionales Geschehen, das sich nicht nur in Form von Gelenkschmerz zeigt, sondern langfristig vor allem in Knorpel- und Knochenzerstörung sowie einem progressiven Funktionsverlust resultiert. Aus dieser klinischen Problematik leiten sich auch die drei wichtigsten Therapieziele bei der Behandlung ab: die Verminderung des Gelenkschmerzes, die Verhinderung der Knorpel-, Knochenzerstörung und das Aufrechterhalten der Gelenkfunktion.Ein effektives Therapieregime muss daher darauf angelegt sein, nicht nur die Schmerzen wirksam zu mindern, sondern parallel hierzu die Gelenkzerstörung aufzuhalten.

Mülle-Ladner
Mülle-Ladner

Für die Diagnose sind sowohl die klinische als auch die Laboruntersuchung von Bedeutung. Wichtige Krankheitshinweise sind die Morgensteifigkeit von Gelenken für mind. 1 Stunde, eine Beschwerdedauer von mehr als 6 Wochen und ein symmetrischer Gelenkbefall. Neben Laboruntersuchungen ist auch eine radiologische Untersuchung obligatorisch. Bei Befall stehen die Hände eindeutig im Vordergrund.

Frühzeitige Diagnose und entsprechende Therapie reduzieren die Gelenkszerstörungen, die ansonsten nach 1 Jahr bereits zu ca. 60 % vorliegen. Bei der Psoriasarthropathie ist eine zusätzliche dermatologische Untersuchung erforderlich. Es finden sich an der Haut unübersehbare, klassische Zeichen, so z.B. an den Finger und Zehennägeln. Zwingend notwendig vor Einleitung einer entsprechenden Therapie muss eine allgemeine Untersuchung des Patienten hinsichtlich Begleiterkrankungen, seiner sozialen Situation, der Krankheitsaktivität, des Funktionsstatus aller Gelenke, Manifestationen außerhalb von Gelenken und bereits radiologisch fassbarer Veränderungen erfolgen. Wichtig ist nachfolgend eine ausführliche Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, ihren möglichen Verlauf und die Gefahr des Funktionsverlustes, trotz Besserung der unmittelbar wahrnehmbaren Gelenkschmerzen. Im multimodalen Therapiekonzept dürfen natürlich krankengymnastische und ergotherapeutische sowie physiotherapeutische Maßnahmen, die Informationen über Selbsthilfegruppen sowie potenzielle operative Interventionsmöglichkeiten nicht fehlen.

Inzwischen ist therapeutisches Gemeingut, dass eine frühe und aggressive medikamentöse Intervention nach Diagnosestellung wesentlich günstiger für den Verlauf ist, als eine langsame Stufentherapie. Basis ist die Nutzung der Synergie aus nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Steroiden und den sogenannten immunmodulatorischen Basistherapeutika. Durch die Einführung von neuen, wirksamen Medikamenten hat sich das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten nämlich nachhaltig erweitert, insbesondere sind hier die Cox-2-Hemmer und die so genannten Biologics zu nennen, vor allem in Bezug auf potentielle Nebenwirkungen. Auch Prof. Müller-Ladner wies daraufhin, dass bei den intensiv in der Diskussion stehenden Cox-2-Hemmern ebenso wie bei den nicht-steroidalen Antirheumatika bei Langzeittherapie auch in therapeutischer Dosis eine Nebenwirkungsrate von 10 % besteht.Nach dem Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen unter Cox-2-Therapie in klinischen Studien wurde dieses Risiko nicht nur sehr intensiv und kontrovers diskutiert, es führte auch zu der Marktrücknahme fast aller dieser Medikamente.

Die Gabe der sogenannten Basistherapeutika umfasst Präparate, die den Verlauf steroidsparend im Sinne einer Entzündungs- und Zerstörungshemmung positiv beeinflussen können.Zu betonen ist, dass jede Basistherapie nicht nur einer intensiven Aufklärung des Patienten bedarf, sondern vor allem einer engmaschigen, interdisziplinären Überwachung hinsichtlich der Effektivität und der möglichen Nebenwirkungen. Da eine Heilung nicht möglich ist, liegen die Ziele der Behandlung in einer Frühremission sowie einer weitestgehenden Symptomfreiheit und Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Patienten.

20.10.2005

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Impfen eine Chance für die Gesundheit
AEKV-Landshut Fortbildungsveranstaltung vom 20. Juli 2005

Impfen heißt Immunisieren, also "stark machen" gegen oft sonst tödliche Krankheiten. Durch regelmäßiges Impfen können Krankheiten eingegrenzt und besiegt werden. Die uns allen bekannte und auch noch sichtbare Impfung war die Pockenimpfung. Es gab eine Impfpflicht bis in die 70er Jahre des vergangenen 20. Jahrhunderts. Jetzt gibt es keine Impfpflicht mehr, sondern nur noch dringende Empfehlungen. Inzwischen aber hat uns die medizinische Wissenschaft mit ihren fortschreitenden Erkenntnissen zahlreiche Impfungen übergeben, mit denen wir die Bevölkerung vor schweren Krankheiten bewahren können

Dr. Ursula Lindlbauer-Eisenach
Dr. Ursula Lindlbauer-Eisenach

Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie (Würgeengel d. Kinder), Polio (Kinderlähmung), Pertussis (Keuchhusten), Masern und Röteln haben nur durch Impfungen ihren Schrecken verloren. Der größte Teil der Impfungen wird durch die Krankenkassen finanziert. Schändlicherweise wird diese präventive Maßnahme von der Bevölkerung nicht angemessen in Anspruch genommen.Bayern erscheint in der Statistik der Durchimpfungsrate als Schlusslicht und das sollte nicht so sein, bemerkte Frau Dr. Ursula Lindlbauer-Eisenach auf der Monatsfortbildung des Ärztlichen Kreisverbandes. Sie ist Kinderärztin in München und Mitglied der STIKO (Ständige Impfkommission Deutschlands). Diese Kommission setzt sich aus Infektiologen und Ärzten verschiedener Fachgruppen zusammen, überprüft und bestimmt die Standards für Impfungen und macht Empfehlungen.

Zu einer Masernepidemie, wie sie vor kurzem in einer ungeimpften Bevölkerungsgruppe kam, mit schwersten Erkrankungsbildern besonders bei Erwachsenen, dürfte es bei regelrechter Durchimpfung der Bevölkerung nicht mehr vorkommen.

Wir wissen, dass in vielen Ländern der Dritten Welt ohne Zugang zu Impfungen die sogenannten "Kinderkrankheiten" noch immer zum Tode führen, wie bei uns früher auch.

Dr. Ursula Lindlbauer-Eisenach

Es wird deshalb in Deutschland und der übrigen westlichen Welt der Impfkalender immer auf den neuesten Stand gebracht und die Forschung zur Verbesserung von Impfstoffen weiterbetrieben.

Der Impfkalender zeigt die Standardimpfungen vom Säugling bis zu den Senioren auf. Impfen ist ein Thema für das ganze Leben, nicht nur für die Kindheitsphase. Für Risikogruppen sind auch sogenannte "Indikationsimpfungen" notwendig, um z.B. chronisch Kranke oder medizinisches Personal zu schützen. Mit Impfungen gegen Influenza (echte Grippe) und Pneumokokkenpneumonie können bei Risikopatienten diese aufgepfropften Infektionskrankheiten vermieden werden, die sonst bei immungeschwächten Personen leicht tödlich enden können.Bayern ist zusätzlich ein Risikogebiet für FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis). Diese Impfung wird daher empfohlen. Alle Standardimpfungen werden in Bayern von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Insbesondere sollte bei Jugendlichen an die Meningokokken- und Masernimpfung gedacht werden. Die bereits erwähnte Masernimpfung wird in den USA von Schülern und Studenten verlangt, die dort einen längeren Aufenthalt als 3 Monate planen. Vor einer Reise in exotische, tropische Länder empfiehlt es sich, seinen Impfpass herauszusuchen und vom Hausarzt überprüfen zu lassen, welche Impfungen noch gültig sind und welche zusätzlichen Indikationsimpfungen für das jeweilige Land notwendig sind. Dies wäre oft Hepatitis A (bereits am Mittelmeer) oder Gelbfieber (Südamerika und tropisches Afrika, Typhus und Japanische Enzephalitis in einigen Ländern Ostasiens, sowie die Tollwut vor allem für Rucksackreisende bei Reisen durch Indien.

"Bei einem Gesundheits-Checkup sollten Impfungen immer angesprochen und entsprechend aufgefrischt oder neu durchgeführt werden." Dies war ein Ratschlag der Referentin.Eine lebhafte Diskussion unterstrich die Bedeutung dieses Themas in der Prävention von Krankheiten.

29.07.2005

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Stellungnahme des ÄKV Landshut zur Kolumne "Spiritualität im Alltag"
von Frau Barbara Reithmayer im Landshuter Wochenblatt am 15.06.2005

Eigentlich ist dem Leserbrief von Dr. Marquart vom 22.06.05 nichts hinzuzufügen, sondern nur zu bestätigen, dass es unverantwortlich ist, einen solchen Artikel zu verfassen und ihn zu veröffentlichen. Man verunsichert mit nicht untermauerten, ja falschen Aussagen Eltern, aber auch erwachsene Bürger dieses Landes. Wir, d.h. die kurz nach dem zweiten Weltkrieg Geborenen, haben es oft selbst am eigenen Leib oder an Klassenkameraden miterlebt, was Polio/Kinderlähmung, Masern, Diphterie und Keuchhusten als Krankheit und Schicksal bedeuten.

Frau Reithmayer, scheint wohl in einer heilen Welt zu leben, in der es keine Masern- und Polioepidemien mehr gibt, wie im Jemen, oder in anderen Ländern Afrikas und Asiens, wohin viele reisen, besonders auch unsere Jungend. Wir haben neue Kontakte zu Ländern im Osten Europas wie Ukraine und Russland, von wo gut und gerne Diphterie, Pertussis und Tbc durch Reisende und Aussiedler wieder bei uns eingeführt werden und wo wir neuerdings aufpassen müssen, dass wir nicht unsere nicht geimpften Mitmenschen als Patienten mit den ausgerotteten Infektionskrankheiten sehen und erleben werden.

Fälle von Impfschäden sind sicher für einen Betroffenen schlimm und auch durch den Staat abgesichert, aber im Verhältnis zum Nutzen der Impfung für Tausende nicht oder abgeschwächt Erkrankte sicher zu vernachlässigen. Es ist im Leben immer eine Nutzen und Risikoabwägung notwendig, da nichts 100% zu verhindern ist. Aber zu verhindern, dass beinahe alle vollständig ausgerotteten Infektionskrankheiten wieder aufleben können, nur weil man eine Ideologie aufbaut und die genauen Kenntnisse über Infektionsvorgänge und -abläufe ablehnt, ist mehr als fahrlässig, es ist sogar sträflich.

Zu behaupten, dass durch Massenimpfungen eine Epidemie ausbricht, ist eine bodenlose Dummheit und spricht für Unkenntnis der Sachlage bei der Verfasserin des Artikels. Es werden bei Epidemien sog. "Riegelungsimpfungen" durchgeführt, um eine weitere Ausbreitung hochansteckender Erkrankungen zu verhindern. Gerade bei der Grippeimpfung wird darauf hingewiesen, dass Risikogruppen geimpft werden sollen, deren Immunsystem durch Alter und schwerwiegende Erkrankungen beeinträchtigt oder geschwächt ist. Es kann ein solcher Risikopatient sonst einem sog. "Zweifrontenkrieg" von Krankheiten erliegen.

Mittlerweile werden Konservierungsstoffe in Impfstoffen höchst gereinigt und verfeinert angewandt. Der Schaden, den rauchende Eltern ihrem Nachwuchs zufügen, ist erheblich höher und kann mehr Allergien und sonstige Gesundheitsstörungen, besonders der Atemwege nach sich ziehen. Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen sind vielmehr auf Schlafdefizite, Lärmbelästigung und Dauerkonsum von Fernsehen und Computerspielen zurückzuführen, als auf Impffolgen. Alle Kinder- und Allgemeinärzte, die sich viel mit Impfungen beschäftigen, sind gerne bereit mit Leuten wie Frau Reithmayer die Problematik und ihre Tragweite der Infektionskrankheiten und entsprechende Impfungen zu diskutieren.

PS: Der Artikel wurde als Leserbrief an das Landshuter Wochenblatt geschickt, dort aber nicht veröffentlicht.

Verfasst von Frau Dr. med. Maria E. Fick - 09.07.2005

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Die Behandlung der Beinvenenthrombose mit Blutverdünnungsmitteln

PD Dr. M. Spannagel
PD Dr. M. Spannagel

Am 22.06.05 sprach PD Dr. M. Spannagel vor den Mitgliedern des ärztlichen Kreisverbandes Landshut im Rahmen der regelmäßigen monatlichen Fortbildung über dieses Thema. Beinvenenthrombosen sind eine häufige Erkrankung. Durch krankhafte Gerinnungsvorgänge oder durch auslösende Ursachen kommt es zu einer Gerinnselbildung innerhalb des venösen Rückflusssystems, welches das Blut vom Körper zum Herzen zurückleitet. Dieses Gerinnsel (Thrombus) verlegt die Strombahn, es kommt zur Abflussbehinderung des Blutes und das entsprechende Bein schwillt an. Dies kann mit Schmerzen verbunden sein, was jedoch nicht immer der Fall ist. Auch die Beckenstrombahn kann durch Gerinnsel verlegt werden.

Publikum

Besonders bedrohlich wird die Erkrankung, wenn diese Gerinnsel sich loslösen, mit dem Blutstrom zur rechten Seite des Herzens und von dort in den Lungenkreislauf schwimmen und dort stecken bleiben. Es kommt zur gefürchteten Lungenembolie, die auch tödlich verlaufen kann, wenn größere Bezirke des Lungenkreislaufs ausfallen. Die Beinvenenthrombose hat einige auslösende oder begünstigende Faktoren: orthopädische Eingriffe an den Beinen mit Ruhigstellung, Gipsverband, Schwangerschaft, bösartige Tumorerkrankungen, zehrende Krankheiten mit Bettlägerigkeit. Auch angeborene, bisher unbekannte Gerinnungsstörungen können die Thrombose auslösen.

Tagungsort: Bernlochner Landshut
Tagungsort: Bernlochner Landshut

Für die Behandlung der Beinvenenthrombose gibt es zwei Therapiesäulen: zum einen den sofortigen Kompressionsverband, der eine Fixierung der Blutgerinnsel in den Venen bewirkt, zum anderen muß rasch auch mit einer Blutverdünnungstherapie begonnen werden, damit die bestehenden Gerinnsel günstigerweise aufgelöst werden oder damit die Gerinnselbildung selbst zum Stillstand kommt und nicht weiter anwächst. Bei der Blutverdünnungstherapie erfolgt der rasche Beginn zunächst mit Heparin. Dieses Mittel wird mit einer dünnen Nadel ins Unterhautgewebe gespritzt. Die Anwendung ist leicht erlernbar und kann auch vom Patienten selbst durchgeführt werden. Überlappend dann auch der Beginn mit einer medikamentösen Hemmung der Blutgerinnung in Tablettenform. Je nach Grunderkrankung muß diese Blutverdünnungstherapie über 3, 6 oder 12 Monate durchgeführt werden, bei häufiger auftretenden oder wiederkehrenden Thrombosen auch lebenslang. Durch die hohe Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Medikamente hat die Beinvenenthrombose ihren Schrecken verloren, wirksame Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Im Gegensatz zu der früher herrschenden Meinung ist es besonders wichtig, dass der Patient nach Anlegen des Druckverbandes rasch mobilisiert wird. In den meisten Fällen ist es somit auch möglich, dass die Behandlung ambulant erfolgen kann.

Dr.med. Johannes Greif - Achdorfer Weg 5 - D-84036 Landshut - 04.07.2005

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Neue Entwicklungen in der Endoprothetik
Was ist tatsächlich "state of the art"?

Priv. Doz. Dr.med. Lerch
Priv. Doz. Dr.med. Lerch

Bei der monatlichen Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut am 11.05.2005 berichtete Herr Priv. Doz. Dr. Lerch, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Landshut den ca. 150 interessierten, meist ärztlichen Zuhörern über neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Endoprothetik.

Zunächst erläuterte der Fortbildungsbeauftragte, Herr Prof. Dr. A. Holstege in seinen einführenden Worten allgemeine Therapiemöglichkeiten der Volkskrankheit "Arthrose", an deren Ende oft ein operativer Gelenkersatz steht. Herr Dr. Lerch demonstrierte an vielen klinischen Beispielen, dass der Gelenkersatz für die Patienten vor allem Lebensqualität bedeutet. Die Prothese könne heutzutage an die Ansprüche des Einzelnen angepasst werden, wobei Alter, Aktivität, Hobbies und evtl. Beruf dabei eine große Rolle spielen. Die zu operierenden Patienten werden jünger. Angeborene Fehlbildungen werden auf Grund neuer Prothesensysteme früher operiert. Minimal invasive Chirurgie bedeutet nach Meinung von Dr. Lerch nicht nur einen kurzen Hautschnitt, sondern vielmehr Respekt haben vor Knochen, Muskeln und Weichgewebe. Schonende Operationsverfahren ermöglichen eine frühzeitige Rehabilitation. Neben Hüft- und Kniegelenksersatz können heutzutage auch Schulter- Ellbogen- und Sprunggelenke erfolgreich durch Kunstgelenke ersetzt werden. Es handle sich dabei um absolut etablierte Operationsmethoden, die für den Patienten Schmerzfreiheit und Zugewinn oder Erhalt von Beweglichkeit bedeuten. Der Patient und Mensch müsse auch im Zeitalter von Kostendruck und Wirtschaftlichkeit immer noch im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns stehen. Nicht marktschreierisches Marketing durch Anzeigen in der Boulevardpresse, sondern Vertrauen und Aufklärung seien gefragt. Mit Hilfe von speziellen Kathetern und Pumpensystemen könne die Angst des Patienten vor großen postoperativen Schmerzen erfolgreich begegnet werden.Eine rege Diskussion schloss sich den Ausführungen von Dr. Lerch an.

11.06.2005

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Das metabolische Syndrom an Hand eines Fallbeispiels

Prof. Dr.med. Gernot Autenrieth
Prof. Dr.med. Gernot Autenrieth

An die Mitgliederversammlung schloss sich die monatliche ärztliche Fortbildung an mit Prof. Dr.med. Gernot Autenrieth – ehemals Chefarzt der II. Med. Klinik des Klinikums Landshut als Referenten über das Thema:

Das metabolische Syndrom an Hand eines Fallbeispiels

Herrn Prof. Dr. Autenrieth wurde zunächst unter dem allgemeinen Beifall des Auditoriums vom Fortbildungsvorsitzenden und Chefarztkollegen Prof. Dr. Holstege gedankt für seine am Klinikum Landshut geleistete Arbeit und seine Verdienste um die Kranken in Stadt- und Landkreis.

Das "metabolische Syndrom" auch "tödliches Quartett" genannt ist relativ einfach zu diagnostizieren. Es besteht aus:
Abdomineller Fettsucht (Taillenumfang > 102 cm bei Männern "Apfelform" und > 88 cm bei Frauen Birnenform"). Ursächlich ist die Fettansammlung im Bauchraum, wobei dieses Fett wie eine "innere Drüse" wirkt und gefährliche Stoffe produziert. Dadurch wird die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber dem Hormon Insulin verringert, die Bauchspeicheldrüse steigert die Insulinausschüttung zu träge, der Blutzucker steigt an und bleibt zu lange zu hoch. Entzündungen werden begünstigt und die Insulinempfindlichkeit dadurch vermindert. Stoffe zur Appetit-zügelung im Gehirn werden unwirksam.

Insulin-Resistenz (erhöhter Nüchternblutzucker >/= 110 mg/dl). Sie bedeutet einen am Blutzuckerspiegel gemessen zu hohen Insulinbedarf. Die Bauchspeicheldrüse kommt mit der Insulinproduktion nicht mehr nach, ist eines Tages vollends erschöpft und kann selbst normale Insulinmengen nicht mehr produzieren. Insulin-Therapie wird notwendig.

Fettstoffwechselstörung (Triglyceride/Neutralfette >/=150 mg/dl und HDL-Cholesterin < 40 bei Männern, < 50 bei Frauen). Das "gute" Cholesterin nimmt ab, schädliches Cholesterin nimmt zu. Der Fetteinbau in die sonst unschädlichen Fettspeicher ist gestört.

Arteriellem Hochdruck (Blutdruckwerte >/=130/85 mmHg).Seine schädlichen Auswirkungen auf Herz, Niere und Gefäße sind bekannt.

Zusätzlich besteht manchmal auch oft eine Erhöhung der Harnsäure (Neigung zur Gicht). Die Wirkung anderer Stoffe und Hormone mit Begünstigung der Insulinresistenz wird verstärkt.

In den USA leidet nach dem 40. Lebensjahr nahezu jeder Zweite am Metabolischen Syndrom. In der BRD sind 50 % der Bevölkerung übergewichtig, 20 % sind fett. Der Prozentsatz dicker Kinder steigt. Die an metabolischem Syndrom leidenden Kranken sind etwa doppelt so häufig von der koronaren Herzkrankheit, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall bedroht.

Auswege? Bekämpfung der "3 F" – Fresslust, Faulheit, Familie
Ohne Einschränkung und Umstellung der Ernährung geht nichts. Weiterfuttern wie bisher mit zusätzlichem Schlucken irgendwelcher Mittel gibt es nicht. Bisherige Appetitzügler waren gefährlich, kommende sind noch nicht als sicher anzusehen. Keine Stressbewältigung durch orale Befriedigung mit Essen.

Mildes Ausdauertraining (= 45 min. Marschieren –nicht Spazieren) (3-) 5 mal/Woche reicht zur Gesundheitsförderung beim Metabolischen Syndrom aus. Ohne Fleiß kein Preis! Bereits 10 % Gewichtsreduktion wirken sich günstig aus.

Gegen das ererbte Verhalten der "guten Futterverwerter" lässt sich nichts ausrichten, aber man kann wirksam vernünftig leben. Vor allem an Kindern soll man sich nicht "versündigen" durch Belohnen oder Trösten mit Essen und Trinken, Duldung von langem und häufigem Fernsehen oder Computerspielen (< als 1. Stunde tgl.!). Besser ist mit gutem Beispiel voranzugehen und mit ihnen Sport zu treiben oder die Freizeit körperlich aktiv zu gestalten.

Am Beispiel eines 63 jährigem, offensichtlich sehr folgsamem Patienten erläuterte Prof. Autenrieth seine Thesen.

06.05.2005

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Ernährung bei Diabetes mellitus: Vom Jäger und Sammler zum Typ II-Diabetiker
Eine kontroverse Diskussion

Dr. Nicolai Worms

Dr. Nicolai Worms

Vortrag von Dr. Nicolai Worms im Bernlochner Saal in Landshut am 16.03.2005

Im Rahmen der Veranstaltung des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut stand im März ein besonderes Schmankerl auf dem Programm.Der bekannte Ernährungswissenschaftler und Autor Dr. Nicolai Worms stellte vor einem zahlreich erschienenen Auditorium seine teils provokanten Thesen zur optimalen Ernährung insbesondere in Hinblick zur Vermeidung und Behandlung des Übergewichtes vor.

Die bekannte Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurde von ihm buchstäblich auf dem Kopf gestellt. Grundlage einer – wie er sich ausdrückte – artgerechten Ernährung des Menschen sei eine proteinreiche, somit fleisch- und fischhaltige Kost ergänzt mit reichlich Gemüse, mäßig Obst teilweise Milchprodukte und nur in geringen Mengen Kohlenhydrate.

Damit stellte er das seit 20 Jahren geltende Prinzip der kohlenhydratreichen Ernährung mit Schwerpunkt auf Vollkornprodukte in Zweifel, insbesondere bei Menschen, die zu Übergewicht neigen. Kohlenhydrate benötigen bekanntlicherweise Insulin zur Verdauung benötigen.

Am Beispiel der sog. glykämischen Last (hier handelt es sich um den sog. glykämischen Index bezogen auf die jeweilige Menge des verzehrten Nahrungsmittels) versuchte er aufzuzeigen, dass kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel durch die daraus resultierende Insulinanregung in der Folge zu einer verstärkten Fetteinlagerung führen.

Demgegenüber würden proteinreiche Nahrungsmittel, z.B. mageres Fleisch und Fisch, durch den fehlenden Insulinbedarf bei der Verdauung dem Problem Übergewicht entgegenwirken.

Anhand von zahlreichen, meist aktuellen Studien, vorwiegend aus dem angloamerikanischen Raum versuchte er seine These zu untermauern, wobei es bei der Kürze der Zeit nicht möglich war, auf einzelne Details dieser Studien einzugehen.

Nach seiner Theorie ist eine kohlenhydratreiche Ernährung nur sinnvoll bei gleichzeitig hoher Bewegungsfrequenz, wie es ethnologisch bei den Naturvölkern früher immer der Fall war (hoher Kalorienverbrauch bei reichlich Bewegung). Im Zeitalter von Auto und Aufzug wird die Bewegung immer weniger, der Kalorienverbrauch pro Person immer höher, was eine Kaskade von Übergewicht und vermehrter Diabetesinzidenz auslöst.

In der sich anschließenden regen Diskussion zeigten sich dann doch einzelne Punkte, die im Vortrag verallgemeinert worden waren in der Einzeldiskussion dann auch vom Referenten differenzierter betrachtet wurden. Insbesondere im Hinblick auf Menschen mit Begleiterkrankungen, z.B. Nierenerkrankungen, gab er unumwunden zu, dass eine proteinbetonte Ernährung mit Problemen behaftet sei.

Konsens bestand darüber, dass eine extrem kohlenhydratbetonte Ernährung nur sinnvoll sei bei gleichzeitig reichlicher Bewegung, günstigerweise bei regelmäßigem Sport.

Ob eine kohlenhydratrestriktive Ernährung das weltweit zunehmende Problem der Überernährung und des Übergewichtes besser bekämpfen kann als die derzeit geltenden Ernährungsrichtlinien, muß sich erst in den nächsten Jahren zeigen uns insbesondere durch wissenschaftliche Studien untermauert werden. Der Referent hat zu diesemThema zahlreiche Publikationen und Büchern veröffentlicht, die bei Interesse einer Vertiefung des Themas erlauben.

18.04.2005

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Arterielle Hypertonie – eine weit verbreitete Volkskrankheit.
Harmloser Beginn – fatales Ende

Prof. Dr. med. Bernhard Krämer
Prof. Dr. med. Bernhard Krämer

Im Rahmen der regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut referierte am 16.02.05 Prof. Dr. med. Bernhard Krämer von der Medizinischen Klinik II der Universität Regensburg vor den Landshuter Ärzten über das Thema Hochdruck. Der Referent wies eindrücklich darauf hin, wie harmlos diese gefährliche Erkrankung beginnt und welche verhängnisvollen Folgen sie nach sich zieht, wenn sie nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt wird. Nach wie vor sind die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die Todesursache Nr. 1. Bluthochdruck ist hier der führende Risikofaktor für Herzschwäche, Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Beginn der Erkrankung ist oft schleichend und zeitlich nicht genau festlegbar, da erhöhte Blutdruckwerte im Anfangsstadium keinerlei Symptome verursachen. Oft werden erhöhte Blutdruckwerte als Zufallsbefund festgestellt. Die Erkrankung ist weit verbreitet und tritt vorwiegend, aber nicht ausschließlich, im mittleren bis höheren Lebensalter auf. Oft lassen sich begünstigende Faktoren für Bluthochdruck feststellen: Zigarettenrauchen, Streß, Übergewicht und ungesunde, kochsalzreiche Ernährung. Auch hormonelle Störungen (krankhafte Neubildung von körpereigenen Stresshormonen) oder Nierenerkrankungen können Bluthochdruck begünstigen. In der überwiegenden Anzahl der Fälle findet sich jedoch keine eindeutige auslösende Ursache, außer dem Lebensalter und einer möglichen genetischen Veranlagung. So ist es wichtig zu wissen, ob bereits die Eltern an Bluthochdruck erkrankt waren.

Der Referent führte im Weiteren aus, dass Zigarettenrauchen den Blutdruck ungünstig beeinflusst, bereits nach dem Konsum von einer Zigarette steigt der Blutdruck messbar an. Die Hormonersatztherapie führte früher bei Frauen zu erhöhten Blutdruckwerten, die neueren Präparate weisen diese Nebenwirkungen aber nicht mehr auf. Dabei sind beide Blutdruckwerte gleich wichtig, sowohl der obere (systolische) als auch der untere (diastolische) Wert sollten nicht über 140 bzw. 90 liegen. Unbehandelt führt der Bluthochdruck unweigerlich zu einer deutlichen Verkürzung der Lebenserwartung und eine besondere Gefährdung besteht für Schlaganfall. Bedeutsam ist, dass bei vielen Menschen ein bestehender Hochdruck nicht bekannt und dass trotz bekannten Bluthochdruck die Therapie oft nicht ausreichend durchgeführt wird. Dies hängt oft damit zusammen, dass bei Beschwerdefreiheit die regelmäßige Einnahme von einem oder mehreren Medikamenten von den Patienten abgelehnt wird. In der Regel ist eine medikamentöse Therapie aber unumgänglich, um die entsprechenden Zielwerte des Blutdruckes zu erreichen. Nicht medikamentöse Therapiemaßnahmen (Gewichtsabnahme, Kochsalzvermeidung, Sport) sind ebenfalls wirksam, können den Blutdruck aber maximal bis 10 mmHg senken, was oft nicht ausreichend ist. Bedeutsam ist auch, dass zu Beginn einer medikamentösen Therapie das Wohlbefinden des Patienten sich verschlechtern kann, bis er sich an die ihm ungewohnte Medikation gewöhnt hat und auch die erwünschte Blutdrucksenkung ausreichend toleriert. Hier ist sowohl seitens des Arztes als auch des Patienten Geduld erforderlich. Dabei muß die medikamentöse Behandlung für den einzelnen immer maßgeschneidert sein, je nach Verträglichkeit und Begleiterkrankungen. Besonders günstig ist die tägliche Einmalgabe eines Medikamentes, da hier die Einnahme besser akzeptiert und nicht so oft vergessen wird. Oft kommt man aber mit einer einzigen Substanz nicht aus, so dass auch Kombinationspräparate hier einen sinnvollen Einsatz finden. Ist ein Präparat unverträglich, so gibt es noch weitere Substanzgruppen zur Blutdrucksenkung, so dass man in der Regel immer zum Ziel kommt: ausreichende Blutdrucksenkung und gute Verträglichkeit. Nebenwirkungen der Medikamente sind selten und meist harmlos, Nebenwirkungen des unbehandelten Bluthochdrucks treten zu 100% ein und sind immer tödlich. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute so gut, dass auch in schweren Fällen wirksame Hilfe geleistet werden kann.

01.04.2005

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Was gibt es Neues auf dem Gebiet der Schmerzmedikamente?

Prof. Edgar Pscheidl
Prof. Edgar Pscheidl

Zu diesem Thema referierte der Chefarzt der Anästhesie am Klinikum Landshut, Prof. Edgar Pscheidl im Rahmen der Fortbildungsreihe des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut.Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der medikamentösen Schmerztherapie ging der Referent genauer auf die einzelnen Substanzen ein, beschrieb ihre Wirkungsweisen, mögliche Nebenwirkungen und Risiken.Ausführlich befasste sich Prof. Pscheidl mit den sog. Coxiben, einer neuartigen Präparategruppe, die vor allem bei rheumatischen Beschwerden und Schmerzen des Bewegungsapparates eingesetzt wird und deutlich seltener Magenblutungen verursachen soll, als die bisher dafür verwendeten Schmerzmittel.

Allerdings traten unter der Behandlung mit Coxiben deutlich mehr Erkrankungen des Herz– Kreislauf-Systems auf, so dass im vergangenen Herbst das bekannteste Präparat, Vioxx-, vom Markt genommen wurde. Diese Nebenwirkungen waren zwar schon länger bekannt, die enormen Umsätze, die mit diesem Mittel erzielt wurden, allein in den USA mehrere Milliarden Dollar pro Jahr, hatten, so meinte Prof. Pscheidl, den Hersteller aber davon abgehalten, allzu deutlich darauf hinzuweisen.Prof. Pscheidl, der selbst Mitarbeiter der Schmerzambulanz der Universitätsklinik in Erlangen war, bereicherte seine Ausführungen mit vielen praktischen Hinweisen zum Umgang mit den verschiedenen Medikamenten und Darreichungsformen, wie z. B. dem Schmerzpflaster. Diese Erfahrungen will er auch in die bestehende, von Oberarzt Dr. Niederauer geleitete Schmerzambulanz am Klinikum einbringen, die in den kommenden Monaten erweitert werden soll.Am Ende des interessanten und gut besuchten Vortrages, merkte Prof. Pscheidl an, dass die Kooperation zwischen den beiden Landshuter Anästhesieabteilungen auf dem Gebiet der Schmerztherapie bereits vor geraumer Zeit intensiviert wurde. Im Wechsel findet ein monatliches Schmerzkolloquium für Klinikärzte und niedergelassene Kollegen in beiden Häusern statt.

17.02.2005

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Wenn einer eine Reise tut...
Aktuelles aus der Reisemedizin beim Ärztlichen Kreisverband Landshut

Prof. Dr. Thomas Löscher
Prof. Dr. Thomas Löscher

...dann sollte er gut beraten werden, um wieder gesund und munter aus dem Urlaub zurückzukehren, meinte Prof. Dr. Thomas Löscher, Leiter der Infektions- und Tropenmedizin der LMU München, als er auf die notwendige rechtzeitige Planung der medizinischen Prophylaxe einer Reise hinwies. Oft vermeiden Reisebüros auf gesundheitliche Probleme bei Reisen hinzuweisen, vor allem bei Reisen "in letzter Minute", warnt der Referent, da man notwendige Impfungen oder Prophylaxe für Malaria nicht mehr rechtzeitig durchführen kann.Bei noch gültigen Impfungen ist die "last minute – Reise" kein Problem. Hilfreich wäre für den Reisenden ein Hinweis des Reiseunternehmers, einen in Reisemedizin bewanderten Arzt vor der Reise aufzusuchen.Die "Ständige Impfkommission" (STIKO) in Deutschland spricht für alle Impfungen nur Empfehlungen aus, da in Deutschland augenblicklich keine Impfpflicht besteht.Manche Länder verlangen zu ihrem eigenen Schutz vor Einschleppungen von Krankheiten bestimmte Impfungen, z.B. Gelbfieber, Meningitis (in Saudi Arabien wegen der Pilgerfahrt nach Mekka) oder bei einigen Ländern Südamerikas, die von der WHO nicht mehr empfohlene Cholera-Impfung.In den USA wird von Studenten oder Touristen, die länger als 3 Monate im Land bleiben, eine Masernimpfung oder der Nachweis einer durchgemachten Masernerkrankung gefordert.Je nach Reisestil (organisierte Gruppenreise oder selbstgeplante Rücksackreise) muss bei einer medizinischen Reiseberatung individuell auf die hierfür notwendigen Impfungen oder deren Auffrischungen hingewiesen werden, wie z.B. Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung.

Impfungen für Hepatitis A und B sind bereits im mediterranem Europa und den angrenzenden Ländern in Nordafrika und dem vorderen Orient notwendig.Bei Reisen, noch mehr bei Arbeitsaufenthalten besonders in asiatischen Ländern, ist es empfehlenswert, sich gegen Tollwut und die japanische Enzephalitis impfen zu lassen. Im sogenannten Gelbfiebergürtel Afrikas südlich der Sahara bis in die nördlichen Grenzgebiete Südafrikas und in Südamerika sollte man sich besonders bei Teilnahme an Safaris mit der Gelbfieberimpfung zu schützen.

Mückenschutz wird allgemein empfohlen, da Mücken außer Gelbfieber und Malaria auch das Dengue-Fieber und manch andere Krankheiten übertragen können. Außerdem sind juckende Mückenstiche in den Tropen äußerst lästig und können sich durch Kratzen mit "unsterilen" Fingernägeln in Geschwüre verwandeln.Cholera ist eine Krankheit, die eigentlich nur bei erheblichem Hygienemangel auftritt, z.B. in Kriegssituationen und Flüchtlingslagern. Eine Cholera-Impfung, die jetzt in Neuauflage angeboten wird, ist in Deutschland nicht zugelassen und wird von der WHO auch nicht empfohlen.Für Normaltouristen ist eine Typhusimpfung nur unter besonderen Bedingungen erforderlich, was individuell abgeklärt werden muss.

Prof. Dr. Thomas Löscher

Zu den Krankheiten, über die wir durch exzessive Berichterstattung sehr beunruhigt wurden, gehören SARS (severe atypic respiratory syndrom / schwerwiegendes atypisches Atemwegs-Syndrom) und die Vogelgrippe. Es empfiehlt sich die bei uns übliche Grippeimpfung durchführen zu lassen, um dafür einen möglichen Teilschutz zu erlangen. Manchmal gebietet es die Vernunft, eine Reise abzusagen oder anderswo hinzufahren, wenn eine bestimmte Krankheit am Zielort ausgebrochen ist.Menschen ohne Milz sind gut beraten, wenn sie eine Pneumokokkenimpfung durchführen lassen, da sie für entsprechende Infektionen mit einer darausfolgenden Lungenentzündung besonders anfällig sind.Im europäischen Raum ist eine vollständige FSME-Impfung (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis wird durch Zecken übertragen) bei Reisen nach Tschechien, Polen, Österreich, Skandinavien, Russland und in die Slowakei von Vorteil.Nicht unterschätzen sollte man die Malaria als Krankheit der Tropen, da es derzeit noch keine Impfung, sondern nur die Vorsorge gibt, die sich aus verschiedenen Maßnahmen zusammensetzt. Repellantien (Mückenabwehr), Moskitonetz, Duftstoffe, entsprechende helle Kleidung und nicht zu vergessen, die jeweilige länderverschiedene, medikamentöse Prophylaxe, da die vorkommenden Malariatypen unterschiedlich sind. Namen wie Lariam, Malarone, Resochin oder Paludrine gehören in dieses Repertoire.Durchfälle jeder Art beeinträchtigen die Wirksamkeit verschiedener Medikamente, z.B. Mittel gegen Malaria, gegen Diabetes, gegen Hochdruck und auch der "Pille".Homöopathische Mittel sind unsicher und man sollte sich nicht auf sie verlassen.Tritt nach Rückkehr aus einem tropischen Land Fieber auf, so sollten sie dem behandelnden Arzt unbedingt mitteilen, wo sie waren, betonte der Referent."Wenn Sie sich bei einem in Reisemedizin erfahrenen Arzt oder Apotheker beraten lassen und Sie die Ratschläge beherzigen, so sollte die Reise ein Erlebnis und kein Alptraum werden", meinte Prof. Löscher, der gerne die noch zahlreichen interessierten Fragen der Landshuter Ärzte beantwortete.

19.12.2004

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Ethiktagung am 27.11.2004 in Straubing
Respekt vor dem Willen des Patienten

Vorträge und Diskussion über Patientenverfügung, Palliativmedizin und Sterbebegleitung
9. niederbayerische Ethiktagung unter dem Titel "Auch mein Wille geschehe?" im Rathaussaal

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will Patientenverfügungen mehr Gewicht verschaffen und brachte damit eine öffentliche Diskussion über Sterbehilfe ins Rollen, die zum Teil "polemisch und vonUnkenntnis geprägt" geführt werde: Darin stimmten die Experten der 9. niederbayerischen Ethiktagung überein, die am Samstag vor rund 140 Zuhörern im Rathaussaal zum Thema "Auch mein Wille geschehe?" veranstaltet wurde.

Grundsätzlich wünschen sich Ärzte, Pflegepersonal, Patienten und Angehörige dasselbe: Sterben in Würde, eine gute schmerztherapeutische Betreuung und Respekt vor dem Willen des Betroffenen. Um dafür die nötigen Grundlagen auf breiter gesellschaftlicher Basis schaffen zu können, sei eine verstärkteAuseinandersetzung mit dem Thema Sterbebegleitung notwendig. "Wir möchten eine klare Sicht bekommen und beleuchten deshalb vielfältige Aspekte rund um den Patientenwillen", erklärte eingangs Dr. med. Maria E. Fick vom Ärztlichen Kreisverband Landshut, der die Tagung gemeinsam mit dem Ärztlichen Kreisverband Straubing, dem Ärztlichen Bezirksverband Niederbayern, der Bayerischen Landesärztekammer und der Akademie für Ethik in der Medizin organisiert hatte. So näherte man sich dem Thema in Kurzreferaten nicht nur aus Sicht der Medizin, sondern ebenso aus der Perspektive derHospizbewegung, der Seelsorge und des Rechts. Schnell wurde deutlich, dass alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: Ein Sterben in Würde und unter bestmöglicher schmerztherapeutischer Versorgung, wobeistets der Wille des Patienten als Grundlage aller Maßnahmen gelte. Leider bestehe diesbezüglich noch ein großes Informationsdefizit - auch unter Ärzten. Wie könnte man sich sonst solche menschlichenFehlschläge erklären, von denen Konrad Holzapfel, 2. Vorsitzender des Frankiskus-Hospizvereins, zu berichten wusste? Ein Beispiel: Eine Angehörige war von einem Arzt mit den Worten "Sie könnenIhren Vater doch nicht verhungern lassen!" massiv unter Druck gesetzt worden - er wollte eine PEG-Magensonde legen. Hier appellierte Dr. Fick auch an die Verantwortung in der Ausbildung des Mediziner-Nachwuchses.

Wer entscheidet wie? Dr. med Jürgen Bickhardt, ehemaliger Chefarzt der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses Erding und selbst Mitglied in einem Hospizverein, setzte unter der Überschrift "Wer entscheidet wie?" zum Spagat zwischen der Autonomie des Patienten und der ärztlichen Fürsorge an. Stets solle die Fürsorge in den Respekt vor den Wünschen des Patienten eingebettet sein. "Wir Ärzte haben das Tun besser eingeübt als das Lassen, das müssen wir noch lernen", betonte er. So sei das Lassen von gewissen Maßnahmen als Haltung dem Sterbenden gegenüber zu begreifen, nicht als Unterlassen von Hilfe. "Am Ende geht es darum, den Tagen Leben zu geben, nicht umgekehrt." Dafür stehe fürsorgliches Handeln im Respekt vor der Freiheit des anderen. Könne ein Patient selbst keine Entscheidung mehr treffen, könne sich der Mediziner im Dialog mit den Angehörigen der Frage nähern, in welcheMaßnahmen der Betroffene wohl einwilligen würde. "Letztlich kann man aber nicht alles regeln", gab er zu bedenken. Bickhardt befürwortet ein Gesetz zur Patientenverfügung und hält Beraterschulungen für Ärzte sinnvoll. Denn oftmals sei der Hausarzt erster Ansprechpartner, wenn ein Patient eine Verfügung aufsetzen möchte. Gleichzeitig müssten diese Beratungsgespräche vergütet werden. "Das hat nichts mit Geldgier zu tun. Kein anderer Berufsstand würde eine einstündige Beratung leisten, ohne sie in Rechnung zu stellen." Humane Sterbebegleitung. "Mit der letzten Ölung ist es nicht getan", konstatierte Dr. Traugott Roser, Seelsorger am interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin des Klinikums München-Großhadern, und hielt ein engagiertes Plädoyer für humane Sterbebegleitung. "Primär geht es um Lebensqualität, denn die letzte Phase ist eine Lebensphase", sagte er. Neben der Linderung von Schmerzen beinhalte eineganzheitliche Betreuung die Linderung von Problemen spiritueller Natur, da das Leiden auch Psyche und Selbstbild beeinträchtige und die Angehörigen enorm belaste. Unter dem Namen "Spiritual Care" seiSeelsorge eine tragende Säule der Palliativmedizin, wobei Seelsorge als Sorge um Teilhabe am Leben im umfassenden Sinn verstanden werden müsse. Mit einer Patientenverfügung könne man rechtzeitig seine Vorstellungen fixieren, meinte Roser und kam auf einen nicht zu unterschätzenden Aspekt zu sprechen: Viele Menschen würden sich durch die aktuelle Diskussion dazu gezwungen fühlen, eine Patientenver- fügung zu verfassen und dies als Belastung empfinden. So müsse man es ebenso akzeptieren, wenn sich jemand dieser Problematik nicht stellen wolle: "Denn es tut einfach weh."

Recht auf Leben, keine Pflicht. Rechtsanwalt Wolfgang Putz aus München stellte die Frage in den Raum: Muss und darf die Medizin, was sie kann? "Der Patient hat ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht",unterstrich Putz eindringlich. Und die ärztliche Pflicht, Leben zu erhalten, finde ihre Begrenzung im Patientenwillen. "Der Patient hat ein Recht darauf, dass nichts gegen seinen Willen getan wird." Leider würden in der Praxis Substitutionen wie die PEG-Magensonde, von der jährlich rund 140000 gelegt werden, zum unreflektierten Selbstläufer. Was ist aber nun bei einem willensunfähigen Patienten? Liegt eine Patientenverfügung vor, sind die Mediziner diesem Willen verpflichtet. Fehlen Vorentscheidungen, so könne und müsse auf allgemeine Wertvorstellungen zurückgegriffen werden. Oberstes Gebot seidas Wohl des Patienten, eine Lebensverlängerung diene nicht immer diesem Wohl. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht seien laut Putz "hervorragende juristische Instrumente", um bereits in gesunden Tagen vorzusorgen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion empfahlen die Fachleute unisono den vorgefertigten Text desbayerischen Justizministeriums, der für 3,90 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Grundsätzlich sprachen sich alle dafür aus, der Palliativmedizin in Zukunft einen größeren Stellenwert einzuräumen. "Wir Ärzte sind die Sachwalter der Interessen des Patienten", fasste Dr. Wolfgang Schaaf, leitender Oberarzt am Institut für Anästhesie des Klinikums St. Elisabeth Straubing und Vorstandsmitglied der BayerischenLandesärztekammer, zusammen. Laut Konrad Holzapfel vom Franziskus-Hospizverein ist angedacht, imStraubinger Klinikum eine palliativmedizinische Abteilung einzurichten: "Das lässt hoffen!"

ola - 29.11.2004

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Hauterkrankungen in der täglichen Praxis

Prof. Dr. Michael Landthaler
Prof. Dr. Michael Landthaler - Direktor der Dermatologischen Klinik
des Universitätsklinikums Regensburg

Die Haut ist das wohl am leichtesten zugängliche und zu untersuchende Organ des Menschen. Patienten mit Hauterkrankungen machen etwa 10 % des Patientengutes einer allgemeinärztlichen Praxis aus und Warnzeichen an der Haut können wichtige Hinweise auf Erkrankungen innerer Organe und bösartige Tumoren sein.

Indirekte Hinweise auf bösartige Tumoren sind beispielsweise Lidödeme bei oberer Einflussstauung, Amyloidablagerungen an Schleimhäuten und der Haut, Vasculitis allergica, Glukanom-Syndrom, Acanthosis nigricans und Hypertrichosis lanuginosa, die mit bösartigen internen Tumoren assoziiert sind.

Zahlreiche Hautveränderungen finden sich auch bei Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes melitus, Autoimmunerkrankungen, endokrinologischen Erkrankungen und systemischen Vaskulitiden. Oft sind die Hautveränderungen erste Hinweise auf eine internistische Erkrankung.

Eine wesentliche Rolle spielt das Hautorgan bei der Erkennung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Etwa 5 % aller Hauterkrankungen sind auf Medikamente zurückzuführen und 2 bis 4 % der Krankenhauspatienten erleiden Arzneimittelnebenwirkungen an der Haut, die im Alter deutlich zunehmen. Nur 30 % dieser Arzneimittelnebenwirkungen an der Haut sind echte allergische Reaktionen, die überwiegende Zahl ist auf andere Mechanismen wie direkte Histaminfreisetzung, Hemmung der Zyklooxygenase, genetische Defekte und toxische Wirkungen zurückzuführen. Das klinische Bild der unerwünschten Arzneimittelwirkung an der Haut ist extrem vielgestaltig und umfasst Juckreiz, Urtikaria, anaphylaktischen Schock, makulopapulöse Exantheme, fixe Arzneireaktion, akute generalisierte exanthematische Pustulose, Erythema exsudativum multiforme, Psoriasis, psoriasiforme Reaktionen, photoallergische und phototoxische Reaktionen, die Kumarinnekrose und andere mehr.

In der Abklärung von unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen stehen die Krankheitsanamnese, die Erhebung des klinischen Befundes, die Arzneimittelanamnese und die Angaben über die bisherigen Erfahrungen mit den Arzneimitteln im Vordergrund. Gegebenenfalls sind Karenzversuch, Laboruntersuchungen, Testungen und die diagnostische Exposition heranzuziehen. Die schwerste Form der Arzneireaktion, die toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom) hat eine Inzidenz von etwa 2 pro 1 Mio. Einwohner und Jahr und wird bei kurzfristiger Therapie häufig von Cotrimoxazol, Aminopenicillinen, Chinozone, Cephalosporinen und Chlormezanon ausgelöst, bei langfristiger Therapie von Carbamezapin, Phenobarbital, Phenytoin, nicht-steroidalen Antirheumatika und Allopurinol.

Auch zahlreiche Infektionskrankheiten manifestieren sich an der Haut. Besonders wichtig ist, dass viele Infektionen wieder zunehmen, beispielsweise gilt dies für die Syphilis und die Tuberkulose. Infektionen mit Borrelien, die durch Zecken übertragen werden, sind in unserer Region sehr häufig und zeigen ein sehr variables klinisches Bild. Neben den klassischen Erkrankungen wie Erythema chronicum migrans, Lymphadenosis cutis benigna und Akrodermatitis chronica atrophicans gibt es auch atypische Entzündungen im Bereich der Augenlider, urtikarielle Veränderungen, schlaffe Atrophien und andere mehr.

Ein besonderes Problem der klinischen Medizin ist die Prävalenz des Methicillin-resistenten Staphylococcus areus, die in Deutschland 20,7 % beträgt. Risikopatienten für einen MRSA sind Patienten mit lange bestehenden Ulzera, Patienten aus Altenheimen, aus Dialysezentren und aus Ländern mit hoher Prävalenz, z.B. aus Osteuropa. Für die Kliniken verursachen Patienten mit MRSA erhebliche Kosten aufgrund der erforderlichen Isolierung.

Aufgrund der ungebrochenen Reiselust der Deutschen sind auch subtropische und tropische Infektionen häufig. Zu nennen sind die Leishmaniose (Orientbeule), der Larva migrans (Hautmaulwurf) und die Zerkariendermatitis (Schwimmerjuckreiz). Auch generalisierte Infektionen wie das südafrikanische Zeckenbissfieber oder auch das Dengue-Fieber werden auf Reisen in ferne Länder erworben.

Referent

Wie kein anderes Organ des Körpers bietet die Haut die Möglichkeit einer frühen Erkennung von Hautkrebs. Bösartige Tumoren der Haut sind der Basalzellkrebs mit einer Häufigkeit von 120 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner und Jahr, der Stachelzellkrebs mit einer Inzidenz von 30 und der schwarze Hautkrebs mit einer Inzidenz von 14. Am wichtigsten ist dabei der schwarze Hautkrebs, der für die höchste Sterblichkeit verantwortlich ist. Wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung von schwarzem Hautkrebs sind ein heller Hauttyp mit rotblonden Haaren und leichter Neigung zu Sonnenbrand, eine familiäre Häufung von Muttermalen und schwarzem Hautkrebs und erhöhte UV-Exposition. Dabei erscheinen vor allem Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend das Risiko zu erhöhen, im Erwachsenenalter an dem schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Mit steigender Zahl der Muttermale steigt auch für den einzelnen Patienten das Risiko, später an einem schwarzenHautkrebs zu erkranken. Im Durchschnitt hat ein 40jähriger Mitteleuropäer etwa 40 Muttermale. Hat er 100 und mehr, steigt sein Risiko im Vergleich zur Vergleichsgruppe um ein Mehrfaches an. Patienten mit überdurchschnittlich vielen Muttermalen sollten sich deshalb regelmäßig fachärztlich untersuchen lassen.

Hinweise auf Bösartigkeit gibt die sogenannte ABCD-Regel, in der die Symmetrie/Asymmetrie eines Muttermals beurteilt wird, die Begrenzung (regelmäßig oder unregelmäßig), die Colorierung (hellbraun, mittelbraun, schwarz, rötlich-grau) und der Durchmesser (> 6 mm). Mit dieser einfachen Regel ist es möglich, verdächtige Muttermale zu erkennen und sie der Untersuchung durch einen Spezialisten zuzuführen. In der Dermatologie hat sich bei der Beurteilung von Pigmentmalen eine Lupenbetrachtung mit dem Dermatoskop bewährt, das bei zehnfacher Vergrößerung eine bessere Beurteilung der Pigmentstrukturen erlaubt. Damit sollte es den Erfahrenen möglich sein, etwas 90 % der Pigmentmale richtig zu diagnostizieren.

Wie die Ausführungen zeigen, ist es für die Ärzte in der Praxis extrem wichtig, sich mit der Haut zu beschäftigen und zu lernen, an der Haut zu lesen, die sehr wichtige Hinweise auf interne Erkrankungen aber auch auf bösartige Tumoren liefert, die das Leben der Patienten bedrohen.

la/er - 26.10.2004

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Herzinsuffizienz (Herzschwäche):
Die häufigste Krankheit des älteren Menschen.

Prof. Dr. Helmut Drexler
Prof. Dr. Helmut Drexler

Im Rahmen der regelmäßigen ärztlichen Fortbildungsveranstaltungen des ärztlichen Kreisverbandes Landshut referierte am 22.49.04 Herr Prof. Dr. Helmut Drexler von der Medizinischen Hochschule Hannover vor zahlreichen Ärzten aus Praxis und Klinik. Seit 30 Jahren arbeitet und forscht dieser renommierte Experte auf diesem Gebiet.
Die häufigste Ursache (70-80%) für die Herzinsuffizienz sind ein jahrelang bekannter, aber schlecht eingestellter Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit mit verengten oder verschlossenen Herzkranzgefässen, die zum Herzinfarkt führten. Seltener wird sie durch Entzündungen des Herzmuskels oder durch Herzklappenfehler hervorgerufen. Hauptsymptome sind eine schwere Atemnot bei geringen Anstrengungen oder in Ruhe sowie Wassereinlagerungen besonders in den Beinen.Mit der Zunahme von Lebenserwartung und Alter wird die Erkrankung immer häufiger, die Prognose ist ernst: 50% der Erkrankten leben 5 Jahre nach der Diagnosestellung nicht mehr.

Dr. med. Werner Resch

Die erste Therapiemaßnahme ist immer die Behandlung der auslösenden Grunderkrankung, wenn möglich: Ballonaufdehnung von verengten Gefäßen, Bypass- oder Herzklappenoperation. Daneben ist die medikamentöse Behandlung unumgänglich, die durch moderne Therapieformen in den letzten Jahren entscheidend die Lebenserwartung und -qualität bei dieser quälenden Erkrankung verbessern konnte und heute in Leitlinien standardisiert ist. Für den Patienten wichtig zu wissen ist, dass er in der Regel nicht mehr als 1.5 l täglich trinken soll, aber auch unter ärztlicher Kontrolle und Anleitung mit einem, der Krankheit angepassten, körperlichen Training (3x30 Min./Woche) die medikamentösen Maßnahmen wirkungsvoll unterstützen kann.
Darüber hinaus berichtete der Referent auch über die neuesten Entwicklungen und Therapieansätze. So ist es möglich, die Erkrankung durch eine Blutuntersuchung sicher von anderen Ursachen von Atemnot abzugrenzen. Herzschrittmachersysteme, die einen synchronisierten und programmierten Bewegungsablauf in mehreren Herzkammern koordinieren, automatische Defibrillatoren, die vor dem plötzlichen Herztod schützen sowie die Herztransplantation als letzte Maßnahme besonders für jüngere Patienten sind wirkungsvolle, aber auch teure Behandlungsmöglichkeiten. Die hohen Kosten ( z.B. 25 000 Euro für einen Defibrillator) erschweren den breiten Einsatz dieser Therapiemaßnahmen, deren Anwendung auch hochspezialisierter Kardiologen in entsprechenden Zentren bedarf.

Referent

Als Ausblick auf die Zukunft berichtete er kurz aus seinem Forschungsgebiet der Stammzellen. In einzelnen Fällen konnte er durch Injektion von Stammzellen in die Herzkranzgefässe eine erhebliche Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzmuskels erreichen.Somit ist die Herzschwäche weiterhin eine schwere und bedrohliche Erkrankung. Die Entwicklung in Forschung und Therapie haben dem Arzt in den letzten Jahren die Behandlungsmöglichkeiten aber enorm verbessert, sodass auch in schweren Fällen gute Hilfe möglich ist.

25.09.2004

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800 Jahre Medizin in Landshut

Dr. med. Werner Resch
Dr. med. Werner Resch

Als Beitrag zur 800-Jahr-Feier der Stadt Landshut hatte am 13.07.04 der Ärztliche Kreisverband zu einer besonderen Veranstaltung an einem besonderen Ort eingeladen.Thema des Abends in der Heilig-Kreuz-Kirche am Carossa Gymnasium war dieses Mal nicht die wissenschaftliche Medizin, sondern die kunsthistorische Betrachtung der Kirche und Auszüge aus der Medizinalgeschichte der Stadt Landshut. Welche Referenten wären hier geeigneter gewesen als der Direktor des Gymnasium und profunder Kenner der Kirche, Herr OstD Dr. Friedrich Bruckner und Herr Dr. Anton Mößmer, der bereits sein Abitur in diesem Hause ablegte und sich nach langjähriger Tätigkeit als Kinderarzt in Landshut, nun im wohlverdienten Ruhestand, voll auf seine medizin-historische Forscherarbeit konzentrieren kann.

Referent

Der Bürgermeister der Stadt, Herrn Entholzer, die Apothekerschaft, die Kollegen von der zahnärztlichen Kunst und die zahlreichen Ärzte wurden durch den Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes Landshuts Dr. Werner Resch,begrüßt.

Es folgte eine kunsthistorische Einführung in die Geschichte der erst in diesen Tagen fertiggestellten Heilig-Kreuz-Kirche durch den Hausherrn OStD Dr. Friedrich Bruckner. "Wir hatten die Aufgabe, behutsam die gute Substanz zu belassen und die schwächsten Glieder zu restaurieren." Mit Erstaunen erfuhren die Gäste von der Baugeschichte der Kirche, ihrer Blütezeit im Kloster der Franziskanerinnen und aber auch von ihren Notzeiten, als sie willkürlich in zwei Stockwerke unterteilt, zeitweise sogar als Kohlenkeller und Geflügelstall dienen mußte. Durch die bewundernswerte finanzielle Leistung der Bürgergemeinschaft konnte dieses Kleinod restauriert, den Landshutern zurückgegeben werden und bildete nun den festlichen Rahmen des Abends.

Dr. Mößmer
Dr. Mößmer

Dr. Mößmer spannte mit Auszügen aus seinem neu erschienenen Buch "Ärzte – Bürger - Herzöge" einen breiten Bogen über die sozialen, hygienischen und medizinischen Verhältnisse im ehemaligen Landshut. Beginnend mit dem Kochbuch des Meisters Eberhard 1430 mit Anleitungen, durch kluges Essen gesund zu werden und endend mit der Einführung der Pockenimpfung bereits 1805 in ganz Bayern ergab sich ein buntes Mosaik medizinischer Momentaufnahmen aus historischen Quellen. Er referierte u.a. über Zahnhygiene, Armen-Fragebögen, die Universität Landshut, Stadtverschmutzung, Überschwemmungen, wandernde Zahnärzte, Wasserqualität, Geschlechtskrankheiten und Kurtisanen, was oft zu Heiterkeit im Publikum Anlass gab. Im Gegensatz zu heute waren Ärzte damals rar und teuer. Die gesundheitliche Versorgung der breiten Bevölkerung war deshalb äußerst mangelhaft und unzureichend.

Carossa Brass
Carossa Brass

Umrahmt und aufgelockert wurde die Veranstaltung durch die ausgezeichneten Musikbeiträge der jungen Männer von der Carossa Brass. Musiker und Referenten erhielten lebhaften Beifall und beim anschließenden Stehempfang im Foyer der Kirche diskutierte man noch lange über das Gehörte und vertiefte die gewonnenen Eindrücke.

25.07.2004

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Borreliose
Die Zecken-Infektionskrankheit mit verschiedenen Gesichtern

Prof. Dr. med. Peter Herzer
Prof. Dr. med. Peter Herzer

Im Rahmen der regelmäßigen monatlichen medizinischen Fortbildung referierte Prof. Dr. med. Peter Herzer Internist und Rheumatologe aus München vor den Mitgliedern des Ärztlichen Kreisverbandes Landshut über Borreliose. Dieses Thema berührt offenbar im besonderen Maße die tägliche ärztliche Arbeit, der Bernlochner Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nicht nur den Patienten scheint diese Erkrankung besonders problematisch, sondern auch bei der ärztlichen Untersuchung kann sie wegen der vieldeutigen Symptomatik diagnostische Schwierigkeiten bereiten. Diese sind aber lösbar, wenn man an die Infektionskrankheit denkt.

Nachdem die Borrelienerreger sich in ihren Stammesmerkmalen ganz leicht unterscheiden, ist es nicht möglich, einen allgemein wirksamen Impfstoff herzustellen. Die Krankheit wird über Zeckenbisse übertragen. Ca. 15% aller Zecken tragen den Erreger in sich, zu einer Infektion damit kommt es jedoch nur sehr selten, nämlich unter 1% aller Zeckenbisse. Falls die Borrelienkrankheit zum Ausbruch kommt, verläuft sie in verschiedenen Stadien und kann durch Antibiotika gut behandelt werden. Im Stadium I kommt es zu wechselnden, begrenzten und wandernden großflächigen Hautrötungen, nicht zu verwechseln mit der harmlosen Sofortrötung nach dem Zeckenbiß an der Bissstelle. Im Stadium II kann es zu Herzmuskelentzündungen und zum Befall des Nervensystems kommen. Im Stadium III treten wechselnde Gelenkschmerzen und chronische Hautveränderungen auf.

Prof. Dr. med. Peter Herzer

Die Selbstheilungsrate der Erkrankung ist hoch, nur jede 10. aller Infektionen verläuft chronisch. Wenn sich bei der Blutuntersuchung der Test auf Borreliose positiv erweist, sagt das über die Borreliosekrankheit selbst wenig aus, da die Erkrankung in der Mehrzahl der Fälle vom körpereigenen Immunsystem auch ohne ärztliches Zutun erfolgreich bekämpft wird und sich nicht manifestiert. In den anderen Fällen ist eine Behandlung mit Antibiotika (meist über 2 Wochen) gut wirksam und verträglich."Die Angst, an einer Borreliose zu erkranken, spricht aber auf Antibiotika nicht an", machte der Referent den zahlreichen Zuhörern klar. Er machte damit deutlich, dass die Furcht vor der Borreliose viel verbreiteter ist, als die Erkrankung selbst.

25.07.2004

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