3. Quartalsbrief 2009, Juli-September Samstag, den 3.10.2009, 09:00

Sehr verehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

Heute ist der 3. Oktober, der 276. Tag des Jahres 2009 und es bleiben Ihnen noch 89 Tage um Ihre, für dieses Jahr gesteckten Ziele zu erreichen. Heute ist auch der Tag der Deutschen Einheit und was tut man an einem solchen Tag? Man geht bei dem schönen Herbstwetter spazieren und macht sich so seine Gedanken über die Geschichte unseres Landes, man bleibt zu Hause und schreibt den fälligen Quartalsbrief oder man plant für abends den Besuch des Waikiki-Festes in Altdorf, das dort, wohl zur "Feier des Tages" stattfindetÖ. Einige Informationen für Sie:

Fortbildungen des ÄKV 2009/2010 in den Bernlochner Stadtsälen: (Beginn jeweils 19:30 Uhr) 2009:
21.10. Osteoporose Dr. med. H. Radspieler, Osteoporosezentrum München
11.11. Nahrungsmittelallergien, KH Malabsorption und Zöliakie - Dr. med. Englhardt, OA Kinder - KH St.Marien Landshut
09.12. Multimodale Schmerztherapie - Konzepte und Indikationen - Dr. med. B. Arnold, CA Abt. für Schmerztherapie am Klinikum DachaU
2010: 20.01. CED- Standard und Entwicklungen - Prof. Dr. med. J. Schölmerich, Direktor der Uniklinik Regensburg
10.02. Management der neuen Grippe - Prof. Dr. med. Th. Löscher LMU, III. Med. Klinik, Leiter Abt. Infektions- und Tropenmedizin
17.03. Diagnostik und klinisches Management von Nierenkrankheiten " Prof. Dr. med. W. Samtleben, OA I. Med. Uniklinik München
14.04. Diagnostik und Therapie des Coloncarcinoms - Dr. med. Franz Käser, CA KKH Landshut Achdorf - anschließend Mitgliederversammlung 2010

Veränderungen im Kreisverband Landshut:
Leider kann ich Ihnen dazu diesmal nichts berichten, da die KV NdB dem Ärztlichen Bezirksverband Niederbayern aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Informationen über erfolgte Praxisneuzulassungen - umstrukturierungen oder- beendigungen mehr zukommen läßt. Schade, dieser Punkt war immer einer der interessantesten des QBs.

LaHo-Fieber: Die Endemie ist auch diesmal, wie erwartet, nach 3 wöchigem Wüten in der Stadt ohne jeglich notwendig werdende Therapiemaßnahmen langsam abgeflaut und schließlich spurlos (?) (in ca. 7 Monaten wird man weitersehen) verschwunden. Eine Fortbildung im Juli zum Thema "Brille, Säge,Theriak " Medizin um 1475" (Referent Dr. Niehoff) fand nahezu 200 interessierte Zuhörer.

Vorstandssitzung des ÄKV Landshut: Am 24. 11. 2009 findet die nächste Sitzung der Vorstandschaft des ÄKV La statt. Wenn Sie Anträge, Vorschläge oder auch Kritik vorzubringen haben, lassen Sie uns dies bis zum 10. 11. 2009 wissen, schreiben Sie uns (Brief, Fax oder E-Mail).

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Deutschland hat gewählt. Dem neuen Parlament mit 622 Abgeordneten gehören auch 6 Ärzte an, von einer großen Lobby kann man da nicht sprechen. Das Ergebnis "Schwarz-Gelb" war die Wunschkoalition der meisten Ärzte. Die Erwartungen an die neue Bundesregierung sind eher mager. Die neue Regierung marschiert sicher nicht in eine völlig neue Richtung, eine Revolution zu Gunsten der Ärzte steht sicher nicht bevor. Auch in der Gesundheitspolitik, sollten deshalb die Erwartungen über grundlegende Reformen nicht zu hoch geschraubt werden. Mehrheitlich votierte die Ärzteschaft in Befragungen für: Abschaffung des Gesundheitsfonds, Finanzierungsreform mit Kapitaldeckelung, Honorarreform mit regionalen Punktwerten und Gesamtvergütung, MVZs nur in der Hand von Vertragsärzten, Deregulierung der Arzneimittelversorgung und Priorisierung von Gesundheitsleistungen in der GKV. Eine Privatisierung aller Krankenkassen, die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung und des Sachleistungssystems dagegen wurden nahezu einhellig abgelehnt.

Massensterben von Landarztpraxen: In ländlichen Regionen Bayerns droht in den nächsten 10 Jahren eine massive Abnahme von Hausarztpraxen und damit eine erhebliche Verschlechterung der medizinischen Versorgung, wovon vor allem Ober- und Unterfranken sowie die Oberpfalz betroffen sind. Der bayerische Landarzt wird zur bedrohten Spezies: Die Hälfte der Hausärzte sind über 54 Jahre, so dass in ca. 10 Jahren für jede 2. Praxis sich ein Nachfolger finden müsste. Aber: Die Zahl der Medizinstudenten ist rückläufig (1994 machten 12000 Staatsexamen, 2006 nur noch 9000). Und: 20 % der Jungärzte entscheiden sich für eine Tätigkeit im Ausland oder in der Industrie. Ob Stipendien an Medizinstudenten helfen können, die sich nach dem Uniabschluss für 10 Jahre verpflichten, eine Landarztpraxis zu übernehmen, sei dahingestellt.

Ewiges Thema: Klinikum und Achdorf: Die LZ berichtet am 09.07.09 dass die "Gespräche zwischen den beiden Häusern wieder in Gang gekommen" sind und man "auf dem Weg zu einem gemeinsamen Leistungsanbieter" wäre. Am 23.09.09 wird berichtet, dass Klinikum, LaKUMed, Landkreis und Stadt eine "gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet" haben und "gemeinsam Fäden" gesponnen werden. Hoffentlich kommt es beim Fädenspinnen nicht zu einem Wettkampf (wie kürzlich in der Residenz zu sehen) zwischen Athene und Arachne mit unglücklichem Ausgang. Man sollte das zarte Pflänzchen umsorgen und hegen und ganz sachte gießenÖnicht zu wenig und auch nicht zu viel, auf das es sprießen und gedeihen möge.

Gehaltstarifvertrag: Für medizinische Fachangestellte gilt rückwirkend zum 01.01.2009 ein neuer Vertrag, der Anwendung findet, wenn im Arbeitsvertrag ausdrücklich (z.B. im Mustervertrag der BLÄK) oder auch nur stillschweigend auf den neuen Gehaltstarifvertrag Bezug genommen wird. Den Vertrag senden wir Ihnen auf Aufforderung zu, Sie finden ihn auch im Deutschen Ärzteblatt, Jg 106 Heft 24 vom 12.06.2009 auf Seite A 1264.

QM und kein Ende: Ende 2009 sollte in jeder Vertragsarztpraxis ein Qualitätsmanagement-System installiert sein. Dazu muss nicht ein teures QM-Systempaket erworben werden, wichtig ist zur Erstellung vor allem Teamarbeit: Ein Praxismitglied (die Erstkraft oder die QM Beauftragte) muss die Leitung des Projekts übernehmen, aber alle anderen sollten auch wissen, worum es bei QM geht und dass es gute Gründe gibt, sich mit der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu befassen. Derzeit drohen noch keine Sanktionen, aber Qualität wird bei Planungen der Politik in Zukunft eine große Rolle spielen und auch honoriert werden. Man sollte dabei die risikobehafteten Vorgänge in einer Praxis zuerst angehen: Patienten- und Gerätesicherheit, Datenschutz und regelmäßige arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Überwachung.

Zum Schluss: kein Darwin-Zitat und kein unvollständiges Gedicht (Freiherr von Eichendorff möge mir verzeihen), aber doch ein kultureller Hinweis: Die Theatersaison hat wieder begonnen und dazu gefiel mir eine Aussage vom Intendanten des Kleinen Theaters besonders: "Theater ist eine Kunst der Gegenwart, ein Spiegel der Zeit". In der Krise sei die Kultur das Grundnahrungsmittel, sie biete Orientierung in stürmischen Zeiten, sie sei "das Floß, das uns alle trägt."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen "goldenen Herbst und eine schöne Floßfahrt


Werner Resch
FA-Internist
1. Vorsitzender des ÄKV Landshut